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Testbericht

17. Juni 2013
Es gehört sich nicht, gute Feinde im Stich zu lassen. Da scharmützelt der BMW 3er seit den Tagen des E30 erst mit dem Mercedes 190, ab 1993 mit der C-Klasse, und das soll jetzt vorbei sein? Ja, meint Mercedes, denn die C-Klasse erfindet sich in der nächsten Generation neu, fühlt sich größer, bequemer und so der Rivalität mit dem dynamischen 3er entwachsen. Den soll stattdessen der neueMercedes CLA herausfordern, und zwar ab sofort. Wenn es um die öffentliche Wahrnehmung geht, hat das viertürige Coupé Mercedes CLA schon gewonnen. Bei jedem Tankstopp und Fotohalt trafen denMercedes CLA wohlwollende Komplimente und schmeichelnde Nachsicht bezüglich seines Raumangebots, was den ersten Eindruck der Tester relativierte. Mutig, dachten wir uns, mit einem Spross der A-Klasse-Dynastie, einem frontgetriebenen Kompaktwagen mithin, gegen den 3er anzutreten. Denn der repräsentiert nicht nur alles, was man sich unter der sportlichen Mittelklasse vorstellt, sondern hat sich in der aktuellen Generation unter Beibehaltung aller Agilität beflissenen Komfort und ein vollwertiges Platzangebot angeeignet. So beherbergt er vier Passagiere ungedrängt, trotz raumgreifendem Längsmotor und Hinterradantrieb. Pilot und Co. integriert er tief ins Cockpit. Durch große Fondtüren steigen Erwachsene bequem ein, kommen auf der Rückbank gut unter.

Mercedes CLA mit beengtem Innenraum Der Mercedes CLA kann die Vorzüge des kompakten Quermotor-Frontantriebskonzepts nicht in ein besseres Raumangebot umsetzen. Weil zudem die 33,8 Zentimeter Längenzuwachs im Vergleich zur normalen A-Klasse ganz für das gestreckte Heck draufgehen, schafft der Mercedes CLA innen nicht mehr Platz. Fahrer und Beifahrer sitzen etwas hoch unter der niedrigen Decke. An den bequemen, haltintensiven Sportsitzen stört nur die dicke, integrierte Kopfstütze, die den Kopf nach vorn drückt und so zu einer flacheren Lehnenneigung zwingt. Etwas duster ist es auch im Mercedes CLA mit den kleinen Fenstern. Zappenduster wird es auf der kurzen, steilen Rückbank des Mercedes CLA. Die flache Dachlinie mindert die Kopffreiheit so erheblich, dass dort nur Kinder sitzen können – zumindest solange sie Benjamin Blümchen verehren und noch nicht Justin Biber. Was man angesichts der höheren Familienkompatibilität des 328i dramatisieren kann, aber nicht muss. Immerhin lassen sich auch im Mercedes CLA-Fond zwei Kindersitze leicht isofixieren. Fahrdynamisch zeigt sich der Mercedes CLA gelungen Dennoch startet der 3er so mit einem deutlichen Vorsprung. In der Sicherheitsausstattung erreicht er nicht das hohe Niveau des Mercedes CLA, der neben Assistenz fürs Spurhalten und -wechseln, Abstandhalten, Notbremsen und Wachbleiben mit hinteren Sidebags und einem Knieairbag aufwartet. Neben Sicherheit versteht der Mercedes CLA Dynamik als seine Stardisziplin. Dazu rückt er zum Test in der AMG Line mit Sportfahrwerk und 18-Zoll-Rädern an. Und tatsächlich übertrifft er den 3er in den Fahrdynamikprüfungen deutlich. Allerdings zeigt er dabei wie die anderen A-Klasse-Sportmodelle ein ziemlich loses Heck, neigt nicht nur bei Lastwechseln zum Übersteuern, wogegen das ESP erst spät eingreift. Der ganzen Fronttrieblerei steht der 3er noch immer unversöhnlich gegenüber, doch die Vorteile des Hinterradantriebs drücken sich nicht mehr in Messwerten aus. Und auf der Straße? Draußen, oben auf der Alb, wo die zwei roten Autos nun mit dem Wind um die Wette übers Land fegen, sticht der BMW beherzt in Biegungen, kurvt nach einem Untersteuer-Blinzeln neutral, lässt sich mit einem kurzen Tusch der 350Nm zum Kurvenausgangsschwänzeln überreden. Je nachdem, welcher der vier Fahrmodi gewählt wurde, gelingt das mit größerer Eskalationstoleranz des ESP. Doch schon in der höchsten Sicherungsstufe ist das Handling dank der rückmeldungsintensiven und direkten Lenkung präzise und agil. Der Mercedes CLA fährt anders, aber genauso enthusiastisch, lenkt energischer, gieriger ein. Mit der gegen Antriebseinflüsse gedämmten Lenkung lässt er sich nicht ganz so gefühlsecht steuern, schubbert im Nassen stärker über die Vorderräder und scharrt beim Beschleunigen nach Traktion. Aber wenn der MercedesCLA alles auffährt – Sportfahrwerk, 18-Zöller –, ist er im Handling so gut wie der BMW.

Mercedes CLA mit Komfortschwäche Wobei auch BMW den 328i für den Test voll auf Dynamik setzte, von 19-Zoll-Mischbereifung über Servotronic bis zum Adaptivfahrwerk, zu dem immer eine Tieferlegung von zehn Millimetern gehört. Mit den Modi seiner variablen Dämpfer gelingt dem Dreier beflissener Reisekomfort ebenso überzeugend wie harte Kurvenkratzerei. Bei voller Zuladung allerdings neigt er in der Komfort-Stellung auf langen Wellen zum Nachschwingen, bei sehr groben Schlägen geht die Federung mitunter auf Anschlag. Ein geringer Makel im Vergleich zum Mercedes CLA. Bereits über kleine Unebenheiten rumpelt der aerodynamisch gestylte Mercedes, stuckert auf der Autobahn über Querfugen und katapultiert lange Wellen als brachiale Vertikalstöße weiter. Das trifft vor allem die Passagiere auf der Rückbank, weil die Federung an der Raumlenker-Hinterachse noch unnachsichtiger arbeitet als die an der vorderen McPherson-Konstruktion. Das Standardfahrwerk nimmt dem Mercedes CLA die schlimmsten Härten, allerdings auch die Spitzen im Handling. Mercedes CLA bietet hohes Tempo und geringen Verbrauch Die Schwächen der Federung kann der Mercedes CLA mit seinem sparsamen und kultivierten Antrieb nicht ausgleichen. Wie alle Benziner der A-/B-Reihen zählt der Vierzylinder-Turbo zur Motorenfamilie M 270. Das Vollalu-Triebwerk leistet in seiner hubraum- und leistungsstärksten Variante 211PS. Mit der Wucht seines frühen Drehmoments zieht der Motor das Coupé temperamentvoll voran, gibt sich mit einem Testverbrauch von 8,8 L/100 km genügsam. Den Zweiliter kombiniert Mercedes ausschließlich mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, inzwischen eine harmonische Verbindung, weil die Techniker das Getriebe seit dem Debüt in der B-Klasse Ende 2011 erheblich verbessert haben. Schnell und flüssig sortiert es die Gänge. Wem das im Eco-Modus zu gemächlich oder im Sport-Modus zu hektisch passiert, der kann im Mercedes CLA mit Schaltwippen durch die Stufen zappen. Die kosten beim 328i mit Automatik 200 Euro Aufpreis, doch die Wandlerbox steppt so treffsicher und eilig durch ihre acht Stufen, bietet dabei für sachte wie für eilige Touren passende Modi, dass manuelle Einmischung reine Fingerspiele werden. Der 328i konsumiert 0,6 L/100 km mehr als der CLA, eröffnet dem Fahrer eine ebenso große Verbrauchsspanne. Seine 34 Mehr-PS treiben ihn zu vehementeren Fahrleistungen, dazu dreht der Turbomotor mit zwei Laderkanälen (Twinscroll) beherzter, tönt dabei dröhniger. Damit ist der Direkteinspritzer eine gelungene Maschine, aber nicht reizvoller als der ebenfalls etwas banal klingende Mercedes CLA-Turbo. Was mal wieder zeigt, wohin uns die ganze Vierzylinder-Turbodownsizerei gebracht hat – zur Vernunft nämlich, aber nicht immer zum Lachen.Übers Geld müssten wir dann noch reden, um festzustellen, dass beide teuer sind, der BMW nur unwesentlich mehr kostet. Man könne bei der Auswahl seiner Feinde gar nicht sorgfältig genug sein, mahnte Oscar Wilde (der dabei selbst übrigens eine tragische Sorglosigkeit an den Tag legte, die schließlich am 30. November 1900 in Paris in seinen letzten Worten gipfelte: "Einer von uns muss gehen, die Tapete oder ich"). Gegen den stärksten Feind verliert der Mercedes CLA so, wie ihn seine Fans finden: ganz schön.

Wie komfortabel ist das Mercedes CLA-Standardfahrwerk? Das weicher abgestimmte Fahrwerk verzichtet auf Tieferlegung, 18-Zoll-Bereifung und HärteSieben Punkte verliert der Mercedes CLA bei der Federungswertung auf den 328i, der mit Adaptivdämpfern sportliche Straffheit ebenso beherrscht wie sachten Komfort. Weil es für den Mercedes keine Adaptivdämpfer gibt, müssen sich Kunden zwischen dem Normal- und dem Sportfahrwerk mit Tieferlegung (vorn 15, hinten zehn Millimeter) und 18-Zoll-Rädern entscheiden, das bei Urban Line und AMG Line (Testwagen) serienmäßig ist. Wie schon im Fahrbericht festgestellt wurde, stimmten die Techniker bereits das Standard-Setup straff ab. Es steckt aber lange Wellen viel sanfter weg und bietet zugleich mit seiner 17-Zoll-Bereifung einen besseren Abrollkomfort. Wer also auf die letzte Schärfe beim Handling verzichten kann, sollte daher das Standardfahrwerk wählen.

Die nächste C-Klasse – eine Alternative? Ab 2014 vergrößert sie den Abstand zum Mercedes CLA deutlich – auch technologisch.Zumindest von den Abmessungen liegen der CLA und die aktuelle C-Klasse recht eng beieinander. Keine Überraschung also, dass die nächste Generation des Mittelklasse-Modells deutlich größer wird – und zwar um rund zehn Zentimeter allein in der Länge auf knapp 4,70 Meter, der Radstand wächst um acht Zentimeter. Dadurch ergibt sich vor allem im Fond ein wesentlich üppigeres Platzangebot gegenüber dem Vorgänger, aber vor allem gegenüber dem CLA. Das Kofferraumvolumen steigt übrigens voraussichtlich von 475 auf rund 500 Liter. Doch nicht nur in der Größe setzt sich die C-Klasse vom frontangetriebenen Viertürer ab. So erfolgt die Bedienung von Audio und Navigation über ein so genanntes Touchpad, und das Angebot an Assistenzsystemen wird unter anderem von einem Abstandsregeltempomaten ergänzt, der selbsttätig Spurwechsel durchführen kann. Und was arbeitet unter der Haube? Weitgehend Altbekanntes, der populäre 2,1-Liter-Diesel mit 170PS beispielsweise. Zuviel Leistung? Dann empfiehlt sich der auf Längseinbau und Heckantrieb adaptierte 1,8-Liter-Diesel (136PS) aus der A- und B-Klasse. Leistungsstärkster Selbstzünder bleibt vorerst der C 350 CDI mit 265PS. Mehr Innovationen erwartet die Käufer der Benziner-Modelle. Ein neues Zweiliter-Aggregat mit Turboaufladung ersetzt die bisherigen Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum. Durch die angepeilte Gewichtsreduzierung von über 60 Kilogramm dürften die Triebwerke die C-Klasse schneller und effizienter beschleunigen. Also doch bis nächstes Jahr warten?

Mercedes CLA ist teuer in der Finanzierung Mercedes sorgt nicht für günstige Finanzierungsangebote beim Mercedes CLA. Wie ein Leasing-Vergleich zeigt, sind sogar Modelle aus höheren Fahrzeugklassen günstiger in der Monatsrate.Der Mercedes CLA ist kein Schnäppchen. Gegenüber Konkurrenten wie Audi A3 Limousine oder VW Jetta ist das Auto bei ungefähr vergleichbarer Ausstattung und Motorisierung bis zu 6.000 Euro teurer. Das hat auch Auswirkungen auf die Finanzierungskosten. So ist der CLA bei einem Kilometer-Leasing über drei Jahre (20 Prozent Anzahlung und 15.000 km Jahresfahrleistung) im Monat bis zu 100 Euro teurer. Mehr noch: Selbst Fahr-zeuge aus höheren Segmenten können günstiger sein, wie ein Rechenbeispiel mit dem Audi A5 Sportback zeigt. Zwar liegt der Grundpreis der Schräghecklimousine bei vergleichbarer Ausstattung und Motorisierung fast 2.000 Euro höher, doch im Leasing verursacht der Sportback rund acht Prozent niedrigere Kosten im Monat. Noch erheblicher fällt der Unterschied beim VW CC aus: Der ist etwas teurer als der CLA, aber in der Monatsrate liegt der Vorteil bei über 17 Prozent.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-06-17

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