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Testbericht

16. Mai 2014
Mercedes-Fahrer alter Schule müssen jetzt ganz stark sein: Bei der neuen Mercedes C-Klasse ist der gute Stern auf allen Straßen aus ihrem Blickfeld verschwunden. Neben Avantgarde und AMG trägt ihn nun auch die Basisversion im Grill, nur das Exclusive-Exterieur für 1.250 Euro extra ziert noch die klassische Kühlermaske mit dem Markensymbol obendrauf.

Mercedes C-Klasse mit vielen teuren Extras Unser Avantgarde-Modell für den Fahrbericht muss also ohne auskommen, taugt ansonsten jedoch kaum zum Bürgerschreck. Trotz starker Gewichtssenkung (bis zu 100 kg) und ausgefeilter Aerodynamik (cW-Wert nur 0,24) steht die Mercedes C-Klasse satt und solide auf ihren optionalen 18-Zoll-Rädern, zeigt optisch, funktional und qualitativ mehr Nähe zum Flaggschiff S-Klasse als zum ähnlich langen, aber flacheren, innen sehr knapp geschnittenen Frontantriebs-Yuppie CLA. Entsprechend bequemer steigt man vorn wie hinten in die Mercedes C-Klasse ein, genießt die angenehme Polsterung und das ungedrängte Raumgefühl. Von den fast zehn Zentimetern mehr Radstand und Außenlänge als beim Vorgänger ist allerdings wenig zu spüren, höchstens die Knie der Fondpassagiere haben – auch dank speziell ausgeformter Vordersitzlehnen – etwas mehr Luft. Im Gegenzug rückt ihnen wegen der schräg stehenden Rücksitzlehne der Dacheinzug näher an den Kopf. Selbst der Kofferraum im kurzen Heck wuchs nur um fünf Liter, und der Tank fällt mit lächerlichen 41 Litern Volumen sogar erheblich kleiner aus als zuvor. Ein größerer 66- Liter-Behälter kostet ebenso Aufpreis (59,50 Euro) wie all die anderen Annehmlichkeiten aus den Bereichen Infotainment (Burmester-Audioanlage), Assistenz (Head-up-Display), Sicherheit (Pre-Safe-System) und Komfort (heizbare und belüftete Vordersitze), doch nicht alle teuren Extras erleichtern das Leben in der Mercedes C-Klasse. So hinkt auch das neue Navigationssystem Comand Online für üppige 3.510,50 Euro mit seiner wirren Menüstruktur sowie den optisch schicken und haptisch angenehmen, aber redundanten Bedienelementen auf der Mittelkonsole dem BMW iDrive hinterher. In Material- und Verarbeitungsqualität liegt die Mercedes C-Klasse hingegen klar vorn, unterstreicht mit geschmackvollen hochwertigen Kunststoffen, feiner Chromzier sowie satt klickenden Schaltern und Drehreglern seinen Premiumanspruch. Noch mehr löst ihn das neue Fahrwerk mit einer Vierlenker-Vorderachse und der optimierten Raumlenkerkonstruktion hinten ein, das erstmals für 1.416 Euro Aufpreis mit Luftpolstern (Airmatic) verfeinert werden kann. In Verbindung mit den adaptiven Dämpfern (Serie) bringen selbst üble Schlaglöcher, grobe Wellen und hohe Zuladung (maximal 504 kg) die 1.506 Kilogramm schwere Mercedes C-Klasse nicht nennenswert aus der Ruhe – nur ein leichtes Poltern lässt bisweilen die Anstrengungen des Fahrwerks erahnen. Auf weniger kariösen Pisten relativieren sich dagegen die Vorzüge der Luftfederung der Mercedes C-Klasse, da spricht auch ein konventioneller BMW 3er kaum schlechter an. Unter der 18-Zoll-Bereifung leidet zudem der Langsamfahrkomfort, und von der Sport-Taste sollte man grundsätzlich die Finger lassen, denn damit wird es ziemlich ungemütlich. Ähnliches gilt für die elektromechanische Lenkung, weil schon die Grundabstimmung perfekt passt und die Eingriffe in die Servounterstützung ohne erkennbare Vorzüge bleiben. Sie ist zwar nicht so agil und superdirekt wie die im 3er, aber weder stößig noch gefühlsarm und insgesamt erfreulich gelassen.

Zweiliter-Turbo-Benziner mit 184PS Zusammen mit der neuen Vorderachskonstruktion beschert sie der Mercedes C-Klasse ein Handling, das die Vorgänger höchstens im AMG-Trimm erreichten. Selbst bei schnellen Richtungswechseln wankt die Limousine nicht, rollt kaum und kündigt erst spät durch schubbernde Vorderräder an, dass nun Schluss mit lustig ist. Allerdings lenkt das Heck immer etwas mit und neigt zum Übersteuern. Von dem bereits aus der renovierten E-Klasse bekannten Zweiliter-Turbo-Benziner mit 184PS und 300Nm wird das Fahrwerk jedenfalls wenig gefordert. Der nicht gerade spritzige Direkteinspritzer hat weder besondere Stärken noch Schwächen, zumindest bei Ansprechverhalten, Laufkultur und Fahrleistungen. In Verbindung mit dem leicht schaltbaren Sechsganggetriebe beschleunigt die Mercedes C-Klasse zwar etwas schlechter als die zum Vergleich gefahrene Automatikvariante (plus 2.499 Euro), begnügt sich aber im Schnitt mit bescheidenen 8,1 Litern pro 100 Kilometer und gibt im Sport-Modus sogar zünftig Zwischengas. Doch wenn der Reiz dieser Spielerei nachlässt und die erste Langstrecke ansteht, punktet die Mercedes C-Klasse trotz allen Dynamikgehabes mit traditionellen Markentugenden. Der hervorragenden Geräuschdämmung etwa, die Fahrtwind und Straße kaum zu den Insassen vordringen lässt. Oder der großen, gerade wegen ihrer Straffheit auf Dauer sehr bequemen Sitze. Und natürlich der Sicherheitsausstattung, die neben den klassenüblichen Standards mit einer Fülle zusätzlicher Assistenzsysteme bis hin zum neuen Head-up-Display (1.178 Euro) aufwartet. Auch bei den Preisen ist die Mercedes C-Klasse also ganz traditionell geblieben, liegt in der Anschaffung mindestens 3.000 Euro über den wichtigsten Konkurrenten. Aber denen hat der Mercedes ja schließlich immer einen Stern voraus – egal ob im oder auf dem Kühlergrill.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-05-16

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