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Testbericht

16. Dezember 2012

Der Trick mit dem geschrumpften Hubraum hat ja Tradition bei Mercedes: Bereits Anfang der neunziger Jahre bescherte eine günstige 1,8-Liter-Variante dem seligen 190 E noch einmal steigende Verkaufszahlen im Herbst seiner Bauzeit. Bei dem aktuellen Mercedes C 180 hat die Brennraumreduktion von 1,8 auf 1,6 Liter allerdings nichts mit günstig zu tun. Im Gegenteil: Die Entwickler haben so ziemlich alles zwischen Ventildeckel und Ölwanne des Direkteinspritzers gepackt, was im Motorenbau derzeit gut und teuer ist. So sollen neue Piezo-Injektoren mit bis zu fünf Einspritzungen pro Arbeitstakt für eine saubere Verbrennung sorgen. Da sie den Kraftstoff weniger tief in den Brennraum einspritzen, setzt er sich nicht an den Brennraumwänden ab, was die Partikelemissionen senkt. Das Benzin-Luft-Gemisch im Mercedes C 180 wird zudem von bis zu vier aufeinanderfolgenden Zündfunken entflammt, wovon der Verbrauch ebenso profitieren soll wie vom variablen Ventilhub "Camtronic", der vor allem im Teillastbetrieb für geringere Drosselverluste verantwortlich ist.

Mercedes C 180 mit viel gefühltem Hubraum Und was spürt der Fahrer des neuen Mercedes C 180 von all der Technik? Erst mal herzlich wenig, wie der Test zeigt. Wer mit seinem Beifahrer allerdings Hubraum-Raten spielt, wird viel zu hohe Antworten erhalten. Denn dank vollem Drehmoment ab 1.250/min kniet sich der Vierzylinder bereits beim Losfahren kräftig rein, reagiert zackig auf kleinste Gaspedal-Kommandos, um sich leichtfüßig durchs Drehzahlband zu schrauben. Mit 8,4 Sekunden für den Null-Hundert-Sprint unterbietet der Mercedes C 180 sogar knapp die Werksangabe. Und selbst weit jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit kann der lang übersetzte M 274 noch spürbar zulegen. Mehr als 1,6 Liter Hubraum sind also ab sofort nicht mehr nötig, um mit der Mercedes C-Klasse zügig voranzukommen. Und komfortabel. Im Stand fast nicht zu hören, verkneift sich der Turbo selbst im oberen Drehzahlbereich aufdringliches Vierzylinder-Brummen oder ungebührliche Vibrationen. Damit passt der Direkteinspritzer bestens zum gelassenen Autobahn-Schweber, dessen Federung Unebenheiten und Querfugen beeindruckend souverän ausfiltert. Dass die gefühlvolle Lenkung um die Mittellage des Mercedes C 180 nicht so direkt anspricht wie bei den bayerischen Konkurrenz-Dynamikern Audi A4 und BMW 3er, dürfte ein Großteil der Kundschaft nicht als Nachteil empfinden. Immerhin erlaubt das spontan reagierende Start-Stopp-System schneidige Ampelstarts ohne die sonst verbreitete Abwürge-Gefahr. Und es hilft beim Spritsparen wie der Test zeigt. Mit einem Testverbrauch von 8,3 Litern/100 km liegt der Neue exakt einen Liter unter dem Wert des 1,8-Liter-Vorgängers. Wer es im Mercedes C 180 etwas gemütlicher angeht, fährt darüber hinaus problemlos mit unter sieben Litern, ohne zum Schleicher zu werden. Zudem hilft die Eco-Anzeige, einen sparsamen Fahrstil zu entwickeln, indem sie Beschleunigen, Ausrollen und gleichmäßiges Fahren mit grünen Balken im Zentraldisplay bewertet.

Rückständiges Comand-System Jenes Comand-Online-Systems strahlt dagegen in modernerem Silbergrau, während neue Apps über Nachrichten, Aktienkurse oder freie Parkplätze informieren. Allerdings klappt der Datenversand nur mit wenigen Handys, die das DUN-Protokoll (Dial-Up-Network) unterstützen. Die große Zahl der Apple- oder Android-Nutzer schaut damit in die Röhre. Auch mit Echtzeit-Staudiensten kann Comand-Online im Mercedes C 180 noch nicht dienen. Das Infotainment-System befindet sich also nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, der Basis-Vierzylinder im Mercedes C 180 dafür umso mehr. Mit kräftigem Durchzug, kultiviertem Lauf und geringem Verbrauch verdient sich der günstigste C-Klasse-Motor die dickste Empfehlung im Benziner-Lager.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-12-16

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