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Testbericht

14. August 2010

In einem Cabrio auf den Rücksitzen Platz nehmen zu dürfen ist ungefähr so verlockend wie ein Besuch im Biergarten bei strömendem Regen. Selbst wenn es Leute gibt, die von der hervorragenden Aerodynamik-Kompetenz des VW Käfer Cabrio schwärmen, dessen im Heck aufgetürmtes Verdeck Wunder wirken solle. Na ja, Käfer-Fans eben. Nicht einmal die sperrigen, ausfalt- und einclipsbaren Windschotts bewahren Hinterbänkler vor Sturmschäden, da sie lediglich die Rückbank verbarrikadieren, um fortan die Vornsitzenden in Schutz zu nehmen. Doch jetzt kommt Mercedes mit dem neuen E-Klasse Cabrio und streift dem Fahrtwind Glacée-Handschuhe über. Das Rezept heißt Aircap und soll für 821 Euro extra die heranstürmenden Elemente bekömmlich formatieren - selbst für die Fondpassagiere.

Mercedes E-Klasse Cabrio umsorgt seinen Fahrer Bevor wir jedoch im Test im so entstandenen Warmluftsee baden, werfen wir noch ein Blick auf die offene Mercedes E-Klasse an sich. Wie das Coupé ein Teilemix aus Mercedes C- und E-Klasse, entspricht es diesem auch im Innenraum. Solide gemacht, sauber verarbeitet, prinzipiell einfach zu bedienen, bettet es die Insassen in eine seriöse Umgebung, reicht ihnen vor dem Start servil den Gurt. Nach dem Start umsorgen Assistenzsysteme den Fahrer, der sich in die etwas hoch postierten Sitze (gegen Aufpreis mit Lederbezug, Heizung, pneumatischer Anpassung) kuschelt. Der Warmluftschal Airscarf (Option) wurde für die Mercedes E-Klasse quasi dichter gewebt, lässt sich nun auch in der Richtung justieren. Die elektrische Dachbetätigung ist in den 56.882 Euro für das Mercedes 350 CGI Cabrio inklusive, sie bugsiert das dreilagige Stoffdach im Test in 30 Sekunden unter die Haube - bei Bedarf bis Tempo 40. Sehr kleiner Kofferraum bei geöffnetem BMW 3er Dach Das Audi A5 3.2 FSI Cabrio beherrscht die Stoff-Faltung bis 50 km/h, bietet für 50.300 Euro einen 3,2-Liter-V6 mit stufenloser Automatik sowie Frontantrieb. Hinzu kommen eine akkurate Verarbeitung, passende Ergonomie mit tiefer Sitzposition und ordentlichem Raumangebot. Bis auf Details der MMI-Bedienung sowie den schwer erreichbaren Airscarfknopf an der Sitzkonsole klappt die Bedienung im Test problemlos. Der kleine Luxus kostet aber auch beim Audi A5 extra - beginnend bei Lederpolsterung und Sitzheizung über Tempomat und Mittelarmlehne bis hin zum dicker gepolsterten Akustikverdeck oder den Warmluftschals. Fans des inklusive Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe 54.750 Euro teuren BMW 335i Cabrio müssen sich eigenhändig Stoffschals um den Hals schlingen und für die Dachjonglage anhalten. Außerdem reduziert der zusammengefaltete Blech-Dreiteiler im Test das Kofferraumvolumen von 350 auf 210 Liter. BMW 335i Cabrioim Text: 5,8 Sekunden von null auf 100km/h Im Gegenzug dürfen die BMW 3er-Jünger mit ihrem Schatz locker durch die Waschanlage fahren, müssen zudem abends nicht ängstlich hinter der Gardine lauern, um potenzielle Verdeckschlitzer abzupassen. Doch wer möchte mit seinem BMW 335i Cabrio schon stehen? Ob mit offenem oder geschlossenem Dach - der BMW gleicht einem jungen Hengst, der nach einem trüben Winter in der Box auf die Weide flitzt - freudig, wild und ungestüm. Maßgeblich verantwortlich dafür ist der Dreiliter-Reihensechszylinder, seit neuestem nur noch mit Einfach-Turbo, dafür aber doppelter Zuleitung und Valvetronic versehen. Der Direkteinspritzer schiebt die Trauer über die Amputation eines Laders im Test jedoch mit der Wucht seiner 400 Newtonmeter (ab 1.200/min) beiseite und den 1,8-Tonner in 5,8 Sekunden auf 100. Im Test schiebt das BMW 335i Cabrio brutal aus den Ecken Untermalt von einem Klang, der sämtliche Nuancen von sanft brummend bis energisch trompetend beherrscht Bayerische Motorenwerke eben. Auch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe spielt mit: Im Test stets auf Ballhöhe, schaltet es situationsgerecht und flink, behält selbst bei sportivem Einsatz die Übersicht, rupft nur etwas beim Rangieren. So schiebt das BMW 335i Cabrio gewaltig aus den Ecken, verkürzt Geraden, stürzt sich in die nächste Kurve - alles unter freundlicher Mithilfe der etwas schwergängigen, aber stoßarmen und rückmeldungsfreudigen Lenkung sowie dem agilen, ausreichend komfortablen Fahrwerk. Dank ausgereiftem i-Drive gerät die Bedienung ebenso angenehm wie das Frischluftgefühl. Gepäcktransporte sind bei offenem Dach allerdings auf 210 Liter plus Briefschlitz-Öffnung limitiert, die Zuladung im BMW 335i Cabrio grundsätzlich auf 348 Kilogramm. Audi A5 Cabrio hat im Test am wenigsten Leistung Darüber können Audi-Fahrer nur schmunzeln. Das Audi A5 3.2 FSI Cabrio akzeptiert 420 kg und bis zu 750 Liter Volumen bei umgelegten Rücksitzlehnen. Sein Frontantriebs-Manko mindert es durch ein spezielles Vorderbau-Layout, was in Kooperation mit der feinen Regelelektronik im Test gut gelingt. Untersteuern erfordert schon Provokation, der 1,8-Tonner bleibt lange neutral, carvt in engen Kurven am inneren Rand entlang. Erst auf ungepflegten Oberflächen stört sein stößiges Abrollen und die straffe Reaktion auf lange Wellen. So entsteht Unruhe, die bis in die stoßempfindliche Lenkung vordringt, bisweilen sogar den Geradeauslauf beeinträchtigt. Der 3,2-Liter-Direkteinspritzer im Audi A5 Cabrio holt den kurzfristig erhöhten Puls wieder runter: Kein Lader, weniger Hubraum als der Mercedes und mit 265 PS die geringste Leistung, aber alles andere als Mittelmaß, liefert er in Kombination mit dem stufenlosen Getriebe eine cremige Vorstellung ab. Der V6 tritt gleichmäßig an, bleibt kultiviert im Hintergrund. Beim Sparen nutzt er die breite Übersetzungsspreizung der Multitronic, die ihm beim Dahingleiten niedrige Drehzahlen verordnet. Bei offenem Dach serviert der A5 schließlich eine feine Luftdusche, zart belebend statt verwuschelnd, was über die spürbare Zittrigkeit der Karosserie hinwegtröstet. Mercedes E 350 CGI Cabrio zielt auf abgeklärte Genießer Mehr Steifigkeit und Freiluft-Komfort bietet das Mercedes E 350 CGI Cabrio, dessen ausfahrbarer Aircap-Spoiler optisch an die früher von Mutti aufgezwungene, kratzige Wollmütze erinnert. Sieht nicht wirklich schick aus, wärmt aber. So bleibt es im Fond im Test bis rund 120 km/h kuschelig, vorn noch länger. Da sieht man gelassen über die gewöhnungsbedürftige Optik hinweg. Zumal das Mercedes E-Klasse Cabrio ohnehin auf abgeklärte Genießer zielt. Mercedes E-Klasse Cabrio vermeidet vordergründige Dynamik Statt nach einem wilden Ritt den Ruß der Straße aus dem Gesicht zu wischen, baden sie mit bis zu drei Gästen in dem von Aircap und ausgezeichneter Heizung bereiteten - jetzt kommt er! - Warmluftsee und genießen den wohligen Hauch des Nackenföns. Die gelassen aus der Mittellage ansprechende, stets satt agierende Lenkung unterstreicht den Wohlfühlcharakter. Der Mercedes E 350 CGI vermeidet vordergründige Dynamik, fährt mit 18-Zoll-Optionsbereifung unauffällig schnell, bevorzugt große Sätze statt Spitzkehren-Wirbel. Dem stehen schon das schwergängige Gaspedal mit träger Kennung und die subjektiv zähe Kraftentfaltung des 3,5-Liter-Direkteinspritzers mit Schichtladung sowie der entschleunigende Charakter der Siebengang-Automatik entgegen. Konsequent gediegen, holt sich das Mercedes E-Klasse Cabrio damit zwar den Sieg im Test, doch das knappe Ergebnis lässt Fans des BMW 335i Cabrio oder Audi A5 Cabrio 3.2 FSI noch genug Spielraum für persönliche Präferenzen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-08-14

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