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Testbericht

8. Dezember 2014
Die moderne Welt leidet an Wachstumsakzeleration. Was das ist? Die Menschen werden immer größer. Allein von 1870 bis 1980 wuchs der europäische Mann im Mittel um elf Zentimeter. Was das mit Autos zu tun hat? Eine ganze Menge, wie der vorliegende Vergleichstest beweist. Denn die europäische Autoindustrie hat die Wachstumsakzeleration fest im Blick, baut ihre Autos so, dass sowohl ein sogenannter 95-Perzentil-Mann (d. h. 95 Prozent aller Männer sind kleiner) als auch eine 5-Perzentil-Frau (nur 5 Prozent aller Frauen sind kleiner) bequem ins Automobil passen.

Mazda X-5 mit kleinem Raumangebot
Solche Themen pochen an der Schädeldecke, wenn sich Männer vom Gardemaß um 190 Zentimeter in einen Mazda MX-5 schälen. Man sitzt wie auf Kante genäht, Ellbogen und Knie sind auf Anstoß mit der Plastikwelt des zierlichen Roadsters. In Japan ticken die Uhren eben anders – oder die Menschen sind halt einfach kleiner. Wer dagegen in den Mini Cooper S Roadster umsteigt, kommt sich vor, als würde er eine Dreizimmerwohnung betreten – obwohl die Grundfläche sogar geringer ausfällt als beim Mazda.Nach ein paar Kilometern ist auch klar: Die Wachstumsbeschleunigung bei der Körpergröße ist in diesem Test nicht die entscheidende Bewertungsfrage. Es geht um viel mehr, es geht um die großen Glaubensfragen zum modernen Automobil: Saugmotor (Mazda MX-5) oder Turbomotor (Mini Cooper S), Heckantrieb gegen Frontantrieb – und warum das Gewicht eines Fahrzeuges vielleicht wichtiger ist als sein Platzangebot.

Mazda MX-5 bietet 160PS
Falten wir uns in den Mazda MX-5 und schauen nach. Schon lange keinen kleinvolumigen Sauger mehr gefahren? Macht gar nichts, denn der Kult-Roadster knattert an jeder grünen Ampel los, als hätte er drei Liter Hubraum. Hat er nicht: kümmerliche zwei Liter, keinen Turbo, 160PS, 188 Newtonmeterchen.Trotzdem verspürt man keinen Mangel – denn der Mazda MX-5 wiegt nur 1.131 Kilo. Gut, er fühlt sich auch innen so an, als hätten die Japaner mit Material gespart: Plastik-Look der 80er-Jahre allüberall, spärliche Instrumentierung, ein Schalthebel so klein, als hätte er 300 Gramm zum Mindergewicht beitragen müssen. Doch wer den Mazda MX-5 fährt, hört schnell mit dem Lästern auf: Wie ein hakenschlagendes Wiesel flattert er über Landstraßen, der Motor hängt saugmotortypisch toll am Gas, aus engen Kurven darf man mit dem Gaspedal die Heckpartie steuern, herrlich, eine Zeitreise in die (gute) Vergangenheit der Automobilgeschichte.Nach ein paar Hundert Kilometern ist klar, was den Mazda MX-5 so sympathisch macht: sein glasklarer Minimalismus, die Reduktion aufs Wesentliche – nämlich aufs Fahren. Wäre der Mazda allein auf der Welt und alle Straßen leer, es wäre ein Dauerfest. Leider ist der MX-5 heute umzingelt von 800-Pfund-Gorillas, die auf jeder Geraden den Vorsprung für mindestens drei Kurven herausfahren können – selbst wenn der Pilot gar nichts kann.

Ausreichend Platz im Mini Cooper S
Wer vom flatterhaften Kolibri Mazda MX-5 in den Mini Cooper S Roadster einsteigt, macht einen Zeitsprung von gut 25 Jahren. Platz ist in der kleinsten Hütte, weder muss man beim Einsteigen den Kopf einziehen noch beim Fahren die Beine kurios verwinkeln wie einst der Minister für alberne Gangarten in Monty Python's Flying Circus.Auf Autobahnen wird man auch nicht mehr gedemütigt, zwar hat der Mini nur 24PS mehr, dafür 72Nm mehr Drehmoment, was sich anfühlt wie doppelt so viel. Und klar, die Ingenieure haben die 107 Kilo Mehrgewicht im Vergleich zum Mazda MX-5 einfach weggefiltert. Der Mini ist kein Kolibri – aber immer noch flink wie eine Amsel. Auch den Frontantrieb macht der Mini mit seiner traditionell zackigen Abstimmung fast vergessen.In den 60er-Jahren stand der Mini mal für maximalen Minimalismus, heute ist er – auch dank einer 10.000 Euro langen Aufpreisliste beim Testwagen – ein quadratischer Luxus-Würfel mit Leder, Klima, Soundanlage und all diesen Dingen. Minimal ist nur noch seine Gesamtgröße, aber auch darüber könnte man streiten. Der Mazda MX-5 ist flach, schnittig, will ein Sportwagen sein, wenngleich ohne (allzu viel) Leistung. Er ist mit einem alten Konzept heute trotzdem erfolgreich anders, das spürt man auf jedem Meter.

Mazda MX-5 macht trotz kleiner Leistung Spaß
Auch in Hockenheim? Gut, niemand wird sich einen Mazda MX-5 als Trackday-Auto kaufen, auch wenn es Rennserien mit dem Roadster gab und gibt. Selten hat ein Auto mit so wenig Leistung so viel Spaß in Hockenheim gemacht: Das ist noch pures, unzensiertes Fahren. Ja, das Fahrwerk ist eigentlich zu weich, die Stabis sowieso, daher rollt das schnittige Roadsterchen merklich. Prinzipiell untersteuert er, was aber vom Fahrer mit einem zackigen Einlenkbefehl und leichtem Lupfen ganz fix in Richtung neutral nachgeregelt werden kann. Die Bremswirkung ist ebenso stabil wie der Druckpunkt, auch wenn an dieser Stelle vermerkt werden sollte, dass die im Test gemessenen Bremsverzögerungen bei beiden Fahrzeugen nicht mehr ganz up to date sind. Die Elektronik des Mazda MX-5 schweigt bei alldem, und wir danken recht herzlich. Natürlich muss der Sauger stramm zwischen 5.000 und 7.500/min gehalten werden, was wegen des knackig zu schaltenden Getriebes Freude bereitet. Das geringe Gewicht verleiht dem Fahren ein besonderes Gefühl der Leichtigkeit, man nudelt in Hockenheim im Kreis herum, als hätte man eben zwei Weißbier inhaliert – was wir natürlich niemals tun würden! Querfahren kann man auch, nicht im vierten Gang, aber beim Slalom schaut das Heck gern drängend nach, wo es gleich hingehen soll – Prost!

Bremsdruckpunkt auf Wanderschaft
Kann der Mini die Rundenzeit des Mazda MX-5 von 1.20,9 Minuten toppen? Gerade so nicht, was beweist, dass es noch Gerechtigkeit gibt. Das Heck ist wie festgenagelt, will weder mitlenken noch die Kurvenfahrt unterstützen. Daher ist das Fahrgefühl in Untersteuern getaucht. Wenn dann noch der Turbo-Bums einsetzt, geht es prinzipiell geradeaus, nur selten auch gut um die Kurven. Und das DSC hat auch immer ein Auge auf den Fahrer.Die breitere und zudem flachere Bereifung (205/45 R 17) sorgt beim Mini für mehr Grip und eine bessere Abstützung, die Haftung fällt gefühlt eine Klasse besser aus als beim Mazda MX-5. Der Druckpunkt der Bremse geht aber schon in der zweiten Runde auf Wanderschaft, und auch beim Mini sind die Bremsmesswerte (39,5 Meter bei der Warmbremsung aus 100km/h) nicht eben der Hit.

Mini Cooper gewinnt Vergleich
Aber weil der Mazda MX-5 noch einen Tick schlechter bremst (41,0 Meter), einen Hauch langsamer wedelt und auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis (bezogen auf den Grundpreis) und beim Leistungsgewicht jeweils einen Punkt einbüßt, kann dem MX-5 auch seine schnellere Rundenzeit in Hockenheim nicht zum Sieg verhelfen. Autotests sammeln Fakten und übersetzen sie in eine Bewertung. Ganz moderne Autos können fast alles einigermaßen gut – wie der Mini Roadster beweist.Was sie nicht können, zeigt der Mazda: nämlich, dass Liebenswürdigkeit keine Punktefrage ist. Ein klassischer Frontmotor-Roadster mit Heckantrieb ist für fahraktive Menschen immer die bessere Lösung, auch wenn Saugmotoren heute irgendwie muffelig wirken. Und ein Drehmomentnachteil wird durch einen Gewichtsvorteil mehr als kompensiert. Obwohl: Mehr Platz für 96-Perzentil-Männer wäre im Mazda MX-5 schon erstrebenswert.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-12-08

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