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Testbericht

12. Mai 2016
Rein äußerlich gibt sich das kompakte fünftürige Schrägheck im Kodo-Design recht agil. Mit dem hohen Hintern wirkt es fast so, als mache er sich gerade für einen Olympia-Sprint bereit. Aber das kennt man bereits vom bislang angebotenen 100PS starken Benziner mit Skyactiv-G 100 Motor. Nun brennt also der Skyactiv-D 105 unter den Fingernägeln: Knöpfchen gedrückt, Kupplung getreten und schon schnurrt der Vierzylinder-Reihenmotor wie ein Siam-Kätzchen - angenehm leise und zurückhaltend. Was nicht zuletzt dem "extrem niedrigen Verdichtungsverhältnis von 14,8:1“ (O-Ton Mazda) liegen dürfte.Das Anfahren im ersten Gang des Handschalters geht problemlos, die überschaubaren 1.270 Kilo Leergewicht setzen sich flott in Bewegung. Auch im zweiten Gang ist immer noch nicht viel vom 1,5 Liter Antrieb zu hören. Und das obwohl er ja eigentlich stolz wie Oskar sein müsste, weil er gegenüber dem größeren 2,2 Liter-Diesel 50 Kilo abgespeckt hat – Alu-Block und Mini-Turbolader sei Dank.

270 Newtonmeter Drehmoment beim Mazda 3 Skyaktiv-D 105
Im dritten Gang gibt sich der Japaner dann allerdings ein bisschen bräsig. So richtig Zug steckt nicht mehr dahinter, nachdem es so verheißungsvoll begonnen hat. Glücklicherweise haben die Mazda-Ingenieure das Gaspedal schön breit konstruiert. So liegt es wie eine zweite Schuhsohle bequem am Fuß, wenn man die ganze Zeit draufsteht. Denn eines lernt man schnell im 105PS Diesel: Wer vorankommen will, der muss ihn richtig treten. Er ist zwar ein Fliegengewicht, und hat mit 270 Newtonmetern auch ordentlich Drehmoment, aber beim Hochschalten wird man das Gefühl nicht los, dass die Gänge zu lang übersetzt sind. Richtig spritzig wird’s da nicht und so ein bisschen Turboloch ist auch noch da – trotz variabler Turbinengeometrie.Für Gleiter sind die Gänge fünf und sechs dennoch das Richtige: In denen segelt man ab 70km/h tiefenentspannt auf der rechten Spur. Aber auch für Bleifüße sind die höheren Übersetzungen ratsam – trotz durchgetretenen Gaspedals bewegt sich der Geschwindigkeitszuwachs, sagen wir, in umweltfreundlichen Sphären. Freiwillige Selbstkontrolle sozusagen. Wer es lang genug schafft, unter 3.000 Umdrehungen zu bleiben, der darf mit einem niedrigen Durchschnittsverbrauch rechnen, die Mazda-Broschüre verspricht 4,4 Liter.Nach der kleinen Testrunde (116 Kilometer Autobahn, Innenstadt und Landstraßen) standen allerdings sechs Liter in der Verbrauchsanzeige. Fairerweise sei gesagt, dass man zwischendurch mal ausprobieren musste, was jenseits der 3.000 U/min zu hören ist. Dann rumort der 1.5er dunkel und ein bisschen röhrend, aber keineswegs langweilig nagelnd.Auf Landstraßen bewahrt der Mazda Haltung: Er prescht nicht tollkühn in die Kurven, sondern behält sein überlegtes, fast schon meditatives Wesen: Sicher, abgeklärt und solide geht er über Stock und Stein. Man muss ihn schon stark provozieren, bis er mal zackig zuckt. Das passiert schon auch, aber man merkt ihm an, dass ihm unaufgeregtes, strebsames Nach-Vorne-Bewegen besser gefällt.

Mazda 3 Skyactiv-D 105 in den Varianten "Center", "Nakama" und "Sports-Line"
Dafür muss er sein Interieur nicht verstecken, zumindest nicht in den beiden höheren Ausstattungsvarianten "Sports-Line" und "Nakama", die beide auf jeden Fall eine Überlegung wert sind. In der Sports-Line ist das Ambiente in hellem beige gehalten, die Nakama-Version wirkt in dunklem grau mit roten Zierleisten etwas frecher. Beide Teilledersitze sind sehr bequem, auch für kleine Fahrer. Multimedia-technisch ist der Mazda in beiden Ausstattungsvarianten "total 2016": Zwei USB-Anschlüsse in der aufklappbaren Armlehne sorgen für den nötigen Strom, dank Bluetooth lässt sich die Lieblingsmusik mit dem Smartphone streamen. Wer tiefe Bässe und satten Klang mag, sollte einmal mehr über die Sports-Line nachdenke: Die bietet ein Bose-Soundsystem mit neun Lautsprechern, mit dem man in der Tat ordentlich aufdrehen kann.Neben dem Skyactiv-D 105 wird es den Mazda 3 auch noch als Skyactiv-D 150 mit 2,2 Litern Hubraum und 45 PS Mehr-PS geben. Beide sind ab Juni erhältlich, sowohl als Handschalter als auch mit 6-Gang-Automatikgetriebe. Preislich startet der kleine Diesel mit 23.190 Euro in der höheren "Center"-Ausstattung. Damit ist er 5.500 Euro teurer als der 100 PS starke Benziner, den es auch in der Basisvariante "Prime" gibt. Für die schickere Sports-Line samt Einparkhilfe vorne und hinten, Rückfahrkamera, Leichtmetallfelgen, Bi-Xenon-Scheinwerfern und einem deutlich höherwertigen Innenraum zahlt man in Verbindung mit dem kleinen Diesel 26.390 Euro. Den Mazda 3 als Limousine gibt es als Center-Line gegen einen Aufpreis von 500 Euro. Das Sondermodell "Nakama" für 25.190 Euro peppt die Basis unter anderem mit titangrauen Felgen, Bi-Xenon, Sitzheizung und Spurassistenten auf.

Fazit
Das japanische Wort Nakama bedeutet übersetzt "Gefährte". Das passt. Der Mazda 3 mit Skyactiv-D 105 ist kein Performer oder Bolide, kein Hochstapler und keine Nervensäge. Er wirkt besonnen, manchmal gar zögerlich aber er wirkt zu jeder Zeit treu, loyal und bescheiden - wie jemand, der einen tagein tagaus begleiten könnte.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-05-12

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