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Testbericht

22. August 2008

Kompakte SUV werden immer beliebter. Selbst Hersteller wie Peugeot und Renault, die mit solchen Autos bisher nichts am Hut hatten, sind jetzt dabei, VW und Ford stehen ebenso wenig zurück wie die Japan-Marken Honda, Mitsubishi, Nissan und Toyota. Auch Korea ist vertreten: Opel und Chevrolet bedienen sich einer Daewoo-Basis. Den Master-Test vervollständigt Land Rover, wo man seit Generationen nur Autos baut, die keine Straßen brauchen.

VW Tiguan

Die vereinte Tester-Gesellschaft von auto motor und sport und den internationalen Schwester-Zeitschriften demonstriert eine Einigkeit, wie sie in der EU selten zu finden ist. Nach Vergleichsfahrt und Fahrversuchen scheint es keinen Zweifel zu geben, welches Auto die Nase vorn haben wird. Alle favorisieren den VW. Die Überlegenheit des Tiguan resultiert daraus, dass er sich keine Schwächen leistet. Hervorzuheben gilt es den guten Qualitätseindruck, den seine Karosserie macht. Den Wohlfühlfaktor unterstützt die ergonomisch ausgefeilte Bedienung. Sitze, Sitzposition, Rundumsicht - überall erhält der Tiguan eine gute bis sehr gute Beurteilung.

Ford Kuga

Der Ford Kuga präsentiert sich als der Sportwagen unter den Allrad-Modellen und lenkt sich so zackig, als gehöre ein Lotus zu seinen Ahnen. Die extrem direkt ansprechende Lenkung macht Spaß auf Kurvenstrecken, erweist sich aber auf der Autobahn als problematisch, weil geringste Ausschläge zu einer spontanen Richtungsänderung führen. Im Slalom, beim ISO-Wedeltest und beim Elchmanöver zeigt sich der Ford von seiner Schokoladenseite, wobei der subjektive Fahreindruck noch besser ist als die Messwerte. Dass es ihm nicht gelingt, an der Spitzenstellung des VW Tiguan zu rütteln, liegt vor allem auch an den Karosserie-Eigenschaften. Was die Variabilität des Innenraums angeht, ist der Ford nicht besser als jeder Kombi.

Land Rover Freelander

Optisch nimmt der Land Rover im Kreis der Konkurrenten eine Sonderstellung ein. Stattlich und kantig steht er da, wie ein Range Rover, der zu heiß gewaschen wurde. Die Bezeichnung Kompakt-SUV scheint nicht zu passen für den stämmigen Briten, dessen Hersteller unlängst vom Tata-Konzern in der Ex-Kolonie Indien übernommen wurde. Bei den Offroad-Übungen absolviert der Freelander alle Tests souverän, ohne Antriebsschlupf auch da, wo die anderen Konkurrenten mühsam scharrend nach Traktion suchen. Wer Straßen nur als Verbindung zwischen Geländestrecken sieht, ist hier richtig.

Honda CR-V

Honda entfernt sich etwas vom herkömmlichen SUV-Stil und versucht die Annäherung an normale Personenwagen. Das gilt für die Sitzposition im Innenraum, vor allem aber auch für die Fahreigenschaften. Der Honda fährt sich handlich wie ein Kompaktwagen - mit einer zielsicheren Lenkung und gut kontrollierbarem Kurvenverhalten. Im Gelände vertraut er auf einen automatisch zuschaltenden Allradantrieb, womit er deutlich von den Fähigkeiten der Besten in dieser Runde entfernt bleibt. Jedoch zeichnet sich der Honda-Diesel durch sehr gute Laufkultur und spritzige Leistungsentfaltung aus.

Renault Koleos

Rein optisch präsentiert sich der neue Renault Koleos als stattlicher Brocken - vor allem wegen seiner Höhe, denn in der Länge entspricht er dem zierlich wirkenden Honda. Ein überdurchschnittliches Platzangebot wird aber nicht geboten, das subjektive Raumgefühl leidet unter dem sich mächtig vorwölbenden Armaturenbrett. Gute Noten gibt es für die Serienausstattung und den positiven Eindruck, den Materialien und Verarbeitung machen. Bei den Fahrversuchen kommt der Koleos allerdings nicht über das Mittelfeld hinaus.

Mitsubishi Outlander

Die enge technische Verwandtschaft mit dem Peugeot 4007 lässt ähnliche Eigenschaften erwarten, doch der direkte Vergleich zeigt, dass der französische Hersteller viel getan hat, um das Ausgangsprodukt zu verbessern. Am nächsten kommt ihm der Mitsubishi noch in Komfort, wenngleich seine Federung speziell auf groben Bodenwellen weniger willig anspricht. Auch in der Motorwertung bleiben die Differenzen gering, obwohl hier die Technik nicht identisch ist. Der Testwagen besitzt statt des PSA-Diesels, mit dem der Peugeot antritt, einen Pumpe-Düse-Vierzylinder von VW. Der läuft weniger kultiviert und liefert, obwohl der Outlander leichter ist als sein Cousin, schlechtere Fahrleistungen.

Peugeot 4007

Der 4007 ist in allen wichtigen Belangen besser als sein Schwestermodell, der Mitsubishi Outlander. Er lenkt sich präziser und zeigt in Kurven ein weniger untersteuerndes Fahrverhalten. Vor allem aber hat auch der Federungskomfort profitiert. So harmonisch wie etwa der VW Tiguan federt der Peugeot zwar nicht, aber er reagiert vor allem auf grobe Bodenwellen doch so bereitwillig, dass die Insassen nicht durchgeschüttelt werden. Auch bei den Bremsprüfungen schneidet der Peugeot besser ab der Mitsubishi. Im Gelände zeigt der Allradantrieb eine nur durchschnittliche Traktion.

Nissan X-Trail

Auch der Nissan hat einen engen Verwandten im Master-Test: den Renault Koleos. Ähnlich wie bei dem Duo Peugeot/ Mitsubishi sieht das Ergebnis aus: Das Original landet in der Wertung weiter hinten als die französische Weiterentwicklung. Da summieren sich kleine Punktunterschiede - beispielsweise für die serienmäßige Ausstattung oder die zulässige Nutzlast. Größere Differenzen bewegen sich im subjektiven Bereich.

Toyota RAV4

So schnell kann es gehen. Beim letzten Master-Test mit SUV-Modellen der Kompaktklasse fuhr der RAV4 noch einen souveränen Gesamtsieg ein. Jetzt landet er weit hinten, was beweist, dass sich die Automobilentwicklung nicht auf das Erfinden ständig neuer Formen beschränkt. Vor allem im Fahrkomfort lässt der Toyota ein Defizit erkennen. Seine Federung ist mit voller Zuladung überfordert, die Federwege an der Hinterachse reichen nicht aus, um den Insassen abrupte Stöße zu ersparen. Dem Motor fehlt es an Durchzugskraft.

Opel Antara

Mit einem modifizierten Isuzu ist es Opel einst gelungen, den Geländewagen-Bestseller Frontera auf die Räder zu stellen. Darum jetzt eine ähnliche Rezeptur: Opel-Blitz auf einem Produkt der koreanischen GM-Tochter Daewoo. Dabei war Opel bemüht, sich vom Chevrolet Captiva, der auf der identischen Basis aufbaut, abzuheben. Anders gestaltete Instrumente und ein bisschen Chromschmuck lassen das Antara-Interieur gleich hochwertiger wirken. Jedoch bewegt sich der Federungskomfort auf niedrigem Niveau, und bei den Fahrdynamik-Tests erntet der Opel keine Lorbeeren, weil er mit seinem stark schwankenden Fahrverhalten und der unpräzisen Lenkung an Geländewagen von gestern erinnert.

Chevrolet Captiva

Was über den Opel Antara gesagt wurde, gilt für die Chevy-Ausführung in verstärkter Form. Das Modell mit dem amerikanischen Markennamen ist länger als der Opel und bietet einen größeren Kofferraum sowie eine dritte, unter Komfortaspekten unzumutbare Sitzreihe. Allerdings ist der Captiva rund einen Zentner schwerer. Beschleunigung und Elastizität fallen deshalb schlechter aus, der Verbrauch ist höher. Das Geräusch des Motors fällt beim Chevrolet stärker auf als beim Opel, die Bremswerte sind eine Klasse schlechter. Letzter Platz somit - mit einem bemerkenswerten Rückstand von fast 100 Punkten auf den Testsieger.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-08-22

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