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Testbericht

25. August 2008

Die jüngsten Zulassungszahlen haben es gezeigt: Kleinwagen sind in Deutschland groß im Kommen; besonders jene, die mehr als ein reines Transportmittel sein wollen. So verzeichneten die schicken, nicht gerade preiswerten Lifestyle-Zwerge Smart Fortwo und Mini für das erste Halbjahr 2008 gegenüber dem Vorjahr gut 50- beziehungsweise 20-prozentige Zuwächse. Auch adrette Neuheiten wie die Knutschkugel Fiat 500 sind heiß begehrt: Ihr gelang im Juni bereits der Sprung in die Top 50, wo sie sich frech vor den Renault Twingo quetschte.

Da kommt der etwas größere und deutlich teurere Alfa Romeo Mito gerade zur rechten Zeit und verschafft dem Fiat-Konzern ein zweites Standbein bei den individuell gestylten Kleinwagen. Er trifft dabei auf einen etablierten Konkurrenten aus England, der schon sieben Jahre – seit 2006 in optisch und technisch überarbeiteter Form – den Gigolo spielt und vor allem Frauen verführt. Ob der neue kleine Alfa diesem angenehmen Job gewachsen ist, soll ein Vergleich der beiden Rivalen klären. Eines steht dabei von Anfang an fest: Die Typen sind so verschieden wie Fish & Chips und Spaghetti Napoli. Und das ist gut so.

In seinem formalen und technischen Konzept entspricht der um 36 Zenti- meter kürzere Mini den klaren Two-Box-Proportionen seines revolutionären Vorgängers. Kurze Überhänge, die steil stehende Front- und Heckscheibe sowie die kurze Knuddelschnauze unterstreichen den Effekt. Der würfelförmige Mini besitzt ein etabliertes Format. Ganz anders der Mito. Sein coupéartig durch die breite CSäule in den Wagenkörper integriertes Dach wirkt dynamisch, was von der wuchtigen Frontpartie mit ihrer spitz auf das Scudetto zulaufenden Nase nur schwer behauptet werden kann.

Trotzdem kommt einem der Mito bekannt vor, obwohl Alfa Romeo im Segment der Kleinwagen bisher nie vertreten war: Formal ist der Mito eine Schrumpfversion des Supersportlers 8C Competizione – von der Adlernase über die vorderen Kühlluftschächte bis zu den kreisrunden Rücklichtern. So viel charmante Tollkühnheit im Design sucht auch in Italien seinesgleichen und macht den Mito liebenswert – trotz oder wegen seiner dicken Nase.

Außerdem vermitteln seine treuen Kulleraugen die gleiche Botschaft wie beim Mini: Bitte liebt mich, ich bin doch nur ein kleines, schwaches Automobil. Das ist natürlich gelogen.

Mini Cooper und Mito 1.4 TB 16V, die im Preis bei rund 18 000 Euro liegen, sind mit 120 beziehungsweise 155 PS üppig motorisiert und erreichen Fahrleistungen, die vor 20 Jahren noch als sportlich galten. Der Mini schafft 203 km/h, der Mito sogar 215 km/h. Dafür verbraucht der um 155 Kilogramm schwerere Alfa mit 6,5 Liter (ECE-Normverbrauch) einen guten Liter Superkraftstoff mehr als der bescheidene Engländer.

Nicht bescheiden geben sich die Fronttriebler durch ein zumindest vorne mehr als befriedigendes Platzangebot. Der Mini profitiert besonders von der nach vorn gerückten Windschutzscheibe, durch die man auch die Wagenfront gut im Auge behält. Beim Mito schränken lange Türen und hoch aufbauende Motorhaube mitsamt flach verlaufenden ASäulen die Tauglichkeit als City-Flitzer jedoch etwas ein.

Die besonders für Alfa- Verhältnisse angenehme, nicht zu hohe Sitzposition, die sogar eine gewisse Geborgenheit aufkommen lässt, gleicht diese leichten Defizite wieder aus. Außerdem muss der Mito- Fahrer den Innenraum nicht mit einer riesigen Uhr teilen, die im Mini den Eindruck erweckt, als hätte sie Großmutter nach ihrem Umzug im Wagen vergessen: der Monstertacho.

Kippschalterleisten auf der Mittelkonsole und am Dachhimmel unterstreichen den Nostalgie-Look. Das Alfa- Cockpit glänzt dagegen mit normal großen Instrumenten unter Blendschutzhutzen, die an den klassischen Alfa Spider erinnern. Es wirkt zeitloser und dadurch hochwertiger als das des verspielt-modischen Mini.

In der Ausstattung geben sich beide keine großen Blößen: ESP, sechs (im Mito sieben) Airbags, Audioanlage mit CD-Spieler, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn sind bei beiden Standard.

Der Cooper glänzt noch durch schlank bereifte Leichtmetallfelgen (175/65-15), während der Mito zwar mehr Gummi (195/55-16), aber nur Stahlfelgen bietet. Beide verfügen über ein Options-Programm, das auch vor Markenemblemen, Rallye- Streifen und Nationalflaggen nicht Halt macht. So soll es sein: Der englische Platzhirsch (aus München) bekommt endlich Konkurrenz aus Italien.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-08-25

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