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Testbericht

23. Februar 2012

Opel geht die Modellpolitik derzeit ziemlich locker an. Da heißt der Kombi des Astra auf einmal Sports Tourer und schluckt mehr als der größere Insignia. Da bekommt der Astra GTC die sportlichste Vorderachse seit Jahren, muss aber - wie die Limousine - etwas übergewichtig um die Wette flitzen. Und nun wird der Sitz-klipp-klapp-King Zafira nicht einfach abgelöst, sondern bekommt den Opel Zafira Tourer zur Seite, der mehr Wohlfühl- als Familien-Van sein will. Dafür macht er sich fast 4,70 Meter lang, was uns weniger gefällt als sein Preis: Der Testwagen mit dem 130 PS starken Zweiliter-Diesel, Edition-Ausstattung, adaptiven Dämpfern und AGR-Sitz liegt bei 29.075 Euro.

Sieben Sitze im Opel Zafira Tourer für 700 Euro Allerdings fährt Opel eine neue Taktik bei der Bestuhlung: Nur als Sport und Innovation wird der Opel Zafira Tourer ab Werk vom Fünf- zum Siebensitzer, die hinterste Reihe kostet sonst rund 700 Euro Aufpreis. So wie beim VW Touran, der als Verkaufsstar und Dauersieger ganz entspannt zu diesem Vergleichstest anrollt, und zwar als 2.0 TDI (140 PS) mit Highline-Paket, adaptiven Dämpfern und 17-Zoll-Rädern – macht 32.885 Euro. Mit zwei Facelifts ist er bereits seit neun Jahren auf dem Markt, was sein langsam rechnendes Navigationsgerät und seine übersichtliche Sicherheitsausstattung verraten. An Assistenzsystemen kann er nur die fürs Einparken (ab 340 Euro) und Spurhalten vorweisen (ab 500 Euro), worauf wir aber verzichten. Warum der Ford Grand C-Max schmunzelt? Weil er mit guter Titanium-Ausstattung und 17-Zoll-Reifen nur 28.500 Euro kostet und Opel Zafira Tourer und VW Touran zwei Schiebetüren hinten voraus hat. Doch während es für ihn an elektronischen Schutzengeln nur einen einfachen Toter-Winkel-Warner (650 Euro) gibt, liest der Opel Zafira Tourer auf Wunsch Verkehrszeichen, misst den Abstand zum Vordermann, warnt akustisch vor Auffahrunfällen (perfekt in der Stadt) und hat das beste Xenonlicht seiner Klasse. Am Heck fährt auf Wunsch (790 Euro) sogar ein Fahrradträger aus. Dagegen ist der Einsatzbereich seines (optionalen) Toter-Winkel-Warners nur bis 140 km/h aktiv. Kommen wir zur harten Van-Währung, der Raumausnutzung: Obwohl der Opel Zafira Tourer einen deutlichen Längenvorteil hat – er überragt die Konkurrenten um 14 beziehungsweise 26 Zentimeter –, fühlt er sich innen speziell vorn luftiger an als der Touran. Dessen Cockpit drängt sich dem Fahrer nicht auf, die Bedienung ist einfach, der Sitzkomfort anständig. Beim Opel Zafira Tourer raubt die breite und hohe Mittelkonsole Platz; nach einer kurzen Eingewöhnung findet man sich aber auch hier schnell zurecht. Allerdings könnte der Bildschirm des Bordrechners weniger nach C64-Computergrafik aussehen, während die optionalen AGR-Vordersitze (Aktion Gesunder Rücken) großartig sind und sich perfekt einstellen lassen. Ein wichtiger Tipp an die Frauen: Überprüft die Zafira-Bestellung Eurer Männer, denn die gesunden Stühle lassen sich vorn getrennt ordern.

Cockpit im Ford Grand C-Max überladen Rückenschmerzen brauchen auch Ford-Fahrer nicht zu befürchten, die Seriensitze des Grand C-Max sind fast so bequem wie die Komfortpolster des Touran. Allerdings erinnert das ausladende Armaturenbrett an einen überfüllten Bürotisch. Die vielen, teilweise unbeschrifteten Knöpfe auf der Mittelkonsole verwirren, der zentrale Bildschirm ist zu klein. Brauchbare Ablagen wären zudem nicht schlecht. Die meisten Fächer gibts im Opel Zafira Tourer, wobei die im Touran am größten sind – seine vorderen Türtaschen fassen als einzige 1,5-Liter-Flaschen. Und in Reihe zwei? Eigentlich müssten die Schiebetüren dem Ford viele Vorteile bringen – tun sie aber nicht. Außerdem sind seine Fondstühle auf längeren Strecken unbequemer als die drei etwas schmal geratenen Einzelsitze des Touran. Im Opel Zafira Tourer entspannt man am besten auf den beiden äußeren Plätzen. Wer Lounge-Feeling möchte, kann für 295 Euro Aufpreis den mittleren Platz in eine XL-Armauflage verwandeln und die beiden äußeren Polster fünf Zentimeter nach innen schieben. Dazu spendiert der lange Opel Zafira Tourer am meisten Beinfreiheit. Beim Thema Variabilität spürt man das Alter des Touran, dessen Einzelsitze sich zwar schnell zusammenklappen und aufstellen lassen, doch das Arretieren mit Stangen ist altbacken und kostet Raum. Im Grand C-Max verschwindet der mittlere Fondplatz bei Bedarf unter dem rechten Sitzpolster – die riesige Durchreiche erfreut vor allem Skifahrer und Baumarkt-Freaks. Nach allem Klipp-klapp zaubert übrigens nur der Opel Zafira Tourer einen ebenen Ladeboden, und bei der Zuladung liegt er mit guten 586 Kilogramm fast auf Augenhöhe mit dem VW. Meister im Schleppen ist mit 632 Kilogramm jedoch der Ford, der überdies den größten Fahrspaß vermittelt. Sein Zweiliter-Vierzylinder ist ein Vorzeigediesel – leise, kultiviert, stark und sparsam. In Kombination mit dem gut abgestuften, leicht und exakt schaltbaren Sechsganggetriebe beschleunigt er am schnellsten von null auf 100 km/h, ist beim Durchzug vorn und konsumiert auf unserer zurückhaltend gefahrenen Verbrauchsrunde nur fünf Liter/100 km.

Opel Zafira Tourer mit vorbildlichem Federungskomfort Der 140 PS starke 2.0 TDI des Touran genehmigt sich dort immerhin 0,3 Liter mehr und schnurrt nicht ganz so harmonisch. Am lautesten knurrt der 2.0 CDTi des schweren Opel Zafira Tourer, dessen lang übersetztes Getriebe ihm auf dem Prüfstand vorbildlich niedrige Verbrauchs- und CO2-Werte verschafft, aber in der Praxis keine Vorteile und dazu einen schwachen Durchzug. Im Gegenzug punktet der Opel beim Federungskomfort. Vor allem lange Bodenwellen steckt sein verstellbares Fahrwerk am besten weg, während Kanaldeckel spürbarer werden als im ebenfalls adaptiv gedämpften Touran. Der Ford rollt im Vergleich nicht so sanft ab und federt weniger Unebenheiten aus. Wer ihn kauft, bekommt das agilste Auto dieser Klasse – einen Sportler im Van-Kleid mit kultiviertem, temperamentvollem Dieselmotor, ausreichend Kofferraum und hoher Zuladung zum fairen Basispreis, aber mit mäßiger Raumausnutzung und schlichter Materialanmutung. In dieser Hinsicht übertrifft ihn der Touran ebenso wie beim Platzangebot und Komfort, während er in der Sicherheit und manchen Details nicht mehr ganz up to date ist – und darüber hinaus reichlich teuer. Gerade mit seiner topaktuellen Sicherheitsausstattung und dem günstigen Preis holt der sehr geräumige, variable und bequeme Opel Zafira Tourer die entscheidenden Punkte, um am Ende noch knapp am Veteran aus Wolfsburg vorbeizuziehen. Für einen größeren Vorsprung fehlt ihm jedoch einstweilen vor allem ein überzeugender Dieselmotor. Sind Schiebetüren immer praktischer? Wir alle kennen das beste Detail am großen VW Bus – seine seitlichen Schiebetüren. Sie sind riesig, lassen sich leicht öffnen und schließen und brauchen wenig Platz. Beim Ford Grand C-Max ist der Vorteil nicht ganz so groß. Zum einen scheren die beiden Pforten beim Auffahren weit von der Karosse aus (rund 25 Zentimeter), zum anderen ist die Öffnung nicht wirklich üppig. Überdies wird das Zuziehen von der zweiten Reihe aus zum kraftzehrenden Akt, den vor allem kleinere Kinder oft nicht allein schaffen. Mit normalen Klapptüren gelingt ihnen das meist leichter.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-02-23

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