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Testbericht

22. Januar 2011

Dem Insignia bescherte der Besuch einer Schönheitsfarm schließlich einen stabilen Kombi-Anteil von 70 Prozent. Und überhaupt: Wer ein Auto nur nach Stauraum bemisst, schickt wohl auch Giselle Bündchen nach Hause, weil sich ihre schlanken Beine nicht zum Krautstampfen eignen. Auch beim Opel Astra Sports Tourer dürften viele Käufer den Verzicht auf 40 Liter Maximalvolumen im Vergleich zum Vorgänger leicht verschmerzen - sofern die Nutzbarkeit stimmt.

Und hier hat sich Opel für den Astra Sports Tourer einiges einfallen lassen: So klappen die Rücksitzlehnen von allein nach vorn, sobald sie per Tastendruck im Kofferraum entriegelt werden. Selbst wenn die Sitzfläche nicht nach oben gestellt wird, entsteht ein glattflächiger Laderaum mit nahezu ebenem Boden. Opel Astra Sports Tourer mit Ordnungssinn Das Gepäckraumrollo wiederum, bei vielen Kombis ein widerborstiges Dauerärgernis, schwenkt bei sanfter Berührung nach oben und erleichtert die Unterbringung von kleinerem Transportgut. Soll es komplett nach vorn surren, genügt ein leichter Zug. Wird die Abdeckung nicht benötigt, verschwindet sie in einem maßgeschneiderten Fach unter dem Gepäckraumboden des Opel Astra Sports Tourer und rumpelt nicht während der Fahrt durch den Kofferraum. Den Caravan-Trennungsschmerz so ergibt der Test lindern zudem eine niedrige Ladekante, die weit aufschwenkende Heckklappe sowie ein Ordnungssystem aus Netzen, Schienen und Befestigungshaken (125 Euro). Zudem finden sich jede Menge Ablagen, große Türtaschen sowie optionale Ergonomie-Sitze vorn, die mit ihrer ausziehbaren Oberschenkelauflage und pneumatischer Lordosenstütze zum Bequemsten gehören, was die Kompaktklasse zu bieten hat. Das Qualitätsniveau der Frontsessel kann der übrige Innenraum des Opel Astra Sports Tourer jedoch nicht halten. Die wackelige Instrumentenabdeckung aus Hartkunststoff verrät den Sparzwang der Opelaner ebenso wie ein billig wirkendes Bordcomputer-Display oder fehlende Verkleidungsfilze an einigen Stellen im Laderaum. Schlechte Übersicht im Opel Astra Sports Tourer Noch viel mehr stört jedoch die schlechte Übersicht des Opel Astra Sports Tourer, wie der Test es zeigt. Dicke Dachpfosten und die sparsame Verglasung am Heck mauern die Insassen regelrecht ein. Da sich auch das Motorhaubenende nur erahnen lässt, wird der Parkpilot vorn und hinten (520 Euro) zum Pflichtextra. Mit 4,70 Meter Länge sprengt der Opel Astra Sports Tourer darüber hinaus sämtliche Klassengrenzen, ohne seine Passagiere entsprechend luftig unterzubringen - kein Ruhmesblatt für die Ingenieure. Übersichtlichkeit gehört auch nicht zu den Stärken des Peugeot 308 SW in unserem Vergleichs-Test. Doch wegen seines Innenraums in bester Van-Manier verzeiht man das dem 20 Zentimeter kürzeren Peugeot 308 SW eher. Anstelle einer klassischen Rückbank haben ihm seine Entwickler drei Einzelsitze spendiert, die sich separat flachlegen, verschieben, ausbauen und frei umpositionieren lassen. Optionale Zusatzsessel für Reihe drei (620 Euro) machen ihn gar zum Siebensitzer. Wochenend-Spediteure deponieren Kleinkram zudem über die separat öffnende Heckscheibe oder klappen die Beifahrerlehne vor, um langes Transportgut durchzuschieben. Peugeot 308 SW mit schlechten Sitzen Der Peugeot 308 SW will jedoch mehr sein als ein praktischer Lastesel: Um die Behaglichkeit der Passagiere zu steigern, lässt ab Ausstattungslinie Premium ein riesiges Glasdach Sonne ins Interieur, schwenken Klapptische an den Vordersitzlehnen hoch und überzeugt das sportlich geschnittene Cockpit mit hochwertigen Materialien. Mit seiner billig anmutenden Kofferraumauskleidung samt labberiger Gepäckraumabdeckung konterkariert der Peugeot 308 SW jedoch das vorn aufkeimende Premium-Gefühl. Hinterbänkler zweifeln ohnehin recht schnell am Einzelsitz-Konzept: Die viel zu kurze Sitzfläche sowie harte, unbequeme Polster machen unseren Test-Redakteuren bei längeren Touren wenig Freude. Und um den stattlichen Maximalladeraum wirklich nutzen zu können, müssen die sperrigen Sessel ausgebaut und separat verstaut werden - was ungefähr so viel Spaß macht wie morgendliches Schneeschippen.

Skoda Octavia Combi - solide wie ein schwäbisches Reihenhaus Vor solch schweißtreibenden Aktionen verschont der Skoda Octavia Combi seinen Besitzer. Dem klassischen Kombi sind Variabilitäts-Finessen fremd, er schluckt dafür im Normalzustand das meiste Gepäck. Wer im Skoda Octavia Combi richtig einladen will, muss allerdings erst die Sitzfläche hochstellen und die Rückbank vorschwenken, um eine nahezu ebene Ladefläche zu bekommen. Für 165 Euro Aufpreis teilt ein aufstellbarer zweiter Laderaumboden das Gepäckabteil immerhin in mehrere Sektionen auf. Dafür wirkt die seit 2004 gebaute zweite Octavia-Generation nach wie vor solide wie eine schwäbische Reihenhaussiedlung: Vom satten Türschließgeräusch über das übersichtliche Cockpit mit exakt rastenden Schaltern bis in den letzten Winkel des hochwertig ausgekleideten Kofferraums vermittelt der Skoda Octavia Combi das mit Abstand beste Qualitätsgefühl. Zudem lässt sich seine schnörkellose Karosserie wohltuend mühelos überblicken. Auch in Aktion kaschiert der Skoda Octavia Combi sein Alter geschickt, überzeugt mit gefühlvoller Lenkung, präziser Schaltung, leichtfüßigem Handling und problemloser Beherrschbarkeit. Querfugen und Frostaufbrüche schlagen allerdings etwas herb durch, und die lange Übersetzung lässt den Common-Rail-Diesel mit 140 PS etwas blutleer wirken. Doch die rauen, aber wilden Pumpe-Düse-Jahre sind seit Sommer auch im Skoda Octavia Combi Geschichte. Dafür entschädigt der Zweiliter mit dem niedrigsten Testverbrauch. Peugeot 308 SW enttäuscht bei der Fahrdynamik Dass der ebenfalls 140 PS starke Peugeot wuchtiger loslegt, verdankt er seiner kürzeren Übersetzung. Bei gleichem Tempo dreht der Zweiliter im langen Gang rund 800/min höher und läuft dennoch geschmeidig. Im Gegenzug genehmigt er sich jedoch fast einen Liter mehr als der Skoda. Weniger schluckfreudig zeigt sich die Federung des Peugeot 308 SW, die sich von kurzen und langen Unebenheiten gleichermaßen in die Bredouille bringen lässt und auf sanierungsbedürftigen Oberflächen für ständige Unruhe sorgt. Hoffnungen, dass der Peugeot dafür besonders zackig ums Eck fährt, enttäuscht der 308 SW allerdings schon in den ersten Kehren, die er mit ausgeprägtem Untersteuern durcheilt. Die geringen querdynamischen Ambitionen unterstreichen seine seitenhaltarmen Sitze und die sterile, wenig Rückmeldung gebende Lenkung. Opel Astra Sport Tourer kann im Test den Konkurrenten nicht davonfahren Trotz 20 Mehr-PS kann der Opel Astra Sport Tourer seinen Konkurrenten nicht davonfahren, denn er geriet mit rund 1,6 Tonnen am schwersten; zudem wird sein Direkteinspritzer von einem spürbaren Turboloch geplagt. Mit Werten von unter zehn Sekunden für den Standard-Sprint sowie über 200 km/h Spitze kommt jedoch in keinem der drei Familientransporter Leistungsmangel auf. Dafür versöhnt der Opel Astra Sport Tourer mit dem geschmeidigen Federungskomfort seines Flexride-Fahrwerks (980 Euro), dessen adaptive Dämpfer selbst in schnellen Kehren nur wenig Seitenneigung zulassen. Den gelungenen Spagat aus Komfort und Agilität untermauern die besten Slalom- und Wedel-Zeiten. Sports Tourer-Piloten, die mehr auf Sport denn Tour stehen, wünschen sich jedoch eine gefühlvollere Lenkung.

Test-Fazit: Der Opel Astra Sport Tourer gibt ein zwiespältiges Bild ab Gegen eine umfangreichere Serienausstattung hätte vermutlich kein Opel Astra Sport Tourer -Käufer etwas einzuwenden. Denn obwohl Opel den höchsten Grundpreis verlangt, müssen in der getesteten Version Sport Annehmlichkeiten wie Parkpiepser oder elektrische Fensterheber hinten extra bezahlt werden. Dafür nimmt die umfangreiche Garantie die Angst vor unliebsamen Überraschungen. Lebenslang, wie die Werbung verheißt, gilt sie zwar nicht, doch bei Reparaturen werden Lohnkosten bis 160.000 Kilometer voll übernommen, Materialkosten ebenso und später anteilig je nach Laufleistung. Peugeot- und Skoda-Käufer sind nur zwei Jahre abgesichert, bezahlen für ihre umfangreicher ausgestatteten Kombis dafür aber weniger. So sorgen nicht zuletzt die günstigeren Wartungs- und Reparaturkosten dafür, dass der Skoda Octavia Combi auch das Kostenkapitel für sich entscheidet. Da er sich bis auf die knochige Federung keine echten Schwächen erlaubt, gewinnt er in seinem siebten Produktionsjahr diesen Vergleich. Mit ruppigem Komfort und wenig agilem Handling bleibt dem Peugeot 308 SW nur der letzte Platz. Immerhin wartet er mit einem durchzugskräftigen Motor, der variabelsten Inneneinrichtung und Platz für bis zu sieben Passagiere auf. Ein zwiespältiges Bild gibt der Opel Astra Sport Tourer im Test ab. Trotz praktischer Details, gekonnter Fahrwerksabstimmung und großzügiger Garantie fehlt es dem ausladenden und unübersichtlichen Opel Astra Sport Tourer in einigen Punkten an Feinschliff. Auch da bietet der Astra also genügend Raum – den für Verbesserungen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-01-22

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