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Testbericht

13. Februar 2013
So richtig beliebt ist der Antara - ein Ableger des Chevrolet Captiva - bei Opel selbst nicht. Seit Ende 2012 soll nun der kompaktere Mokka bei den SUV Boden gut machen, der zwar wie sein großer Bruder in Südkorea vom Band läuft, aber im heimatlichen Rüsselsheim entwickelt wurde – wie es sich für einen "echten" Opel gehört. Die Weichen scheinen diesmal auf Erfolg zu stehen, 60.000 Vorbestellungen sollen europaweit schon vorliegen. Mit 4,28 Meter Länge sortiert er sich unterhalb eines VW Tiguan ein, ist aber auch deutlich günstiger. Als 1.7 CDTi Edition mit dem 130PS starken Diesel kostet der Opel Mokka ohne den 2.000 Euro teuren Allradantrieb ab 23.380 Euro. Kia mischt in dieser Preisklasse schon länger mit. Der Sportage geht mit einem gleich großen Selbstzünder mit 115PS als Fronttriebler schon ab 22.250 Euro an den Start, obwohl er 16 Zentimeter länger ist. Ein waschechter Koreaner ist im Übrigen auch er nicht: Das Kia-Entwicklungszentrum sitzt unweit von der Opel-Zentrale ebenfalls in Rüsselsheim, produziert wird in der Slowakei. Für einen vergleichbaren Ausstattungsumfang wie im Mokka mit Leichtmetallrädern, Regensensor, Lederlenkrad und einigem mehr müssen Sportage-Kunden allerdings zur Vision-Ausführung für 24.510 Euro greifen. Opel Mokka ist kleiner, innen wie außen Parken beide Kontrahenten nebeneinander, fallen weniger die Längendifferenz als vielmehr die unterschiedlichen Proportionen ins Auge. Der schmälere und höhere Opel Mokka steht nicht so breitbeinig-cool auf der Straße wie der Sportage mit seinen niedrigen Fensterflächen. Auf das Platzangebot wirken sich die kleineren Abmessungen nur bedingt aus. Im knuffigen Opel Mokka sitzen die Insassen aufrecht, das Raumgefühl fällt luftig aus und wird durch die geringere Innenbreite kaum beeinträchtigt. Trotz des kürzeren Radstands haben die Beine der Fondpassagiere genügend Bewegungsfreiheit. Das Gepäckabteil ist mit 356 Liter Volumen deutlich kleiner, aber dank senkrechter Seitenwände gut nutzbar. Wer mehr braucht, muss zuerst die Sitzfläche der geteilten Rückbank hochstellen. Nur dann legt sich die Lehne komplett flach – sonst neigt sie sich kaum aus der Senkrechten nach vorn. An der schlechten Sicht nach schräg hinten lässt sich hingegen nichts ändern. In diesem Punkt ist auch der Kia kein Vorbild, denn bei ihm schränken zusätzlich die flachen und breiten A-Säulen das Sichtfeld in Kurven ein. Das weit nach vorn gezogene Dach verstärkt noch das Gefühl, in einer Höhle zu sitzen, was für manchen Geborgenheit suggeriert. Mehr Licht ins ordentlich verarbeitete, leicht bedienbare Cockpit bringt das optionale Glasschiebedach (900 Euro), das jedoch die Kopffreiheit einschränkt. Auf den Rücksitzen genießen die Passagiere mehr Beinfreiheit als im Opel, wenngleich es großen Mitfahrern auf der Sitzfläche an Auflage für die Oberschenkel mangelt. Gepäckraum (465 Liter) und Zuladung (440 Kilogramm) sind beim Kia ebenfalls üppiger bemessen. Mokka mit besserer Ausstattung, aber betagtem Diesel Sobald die Motoren angelassen und die Gänge der jeweils präzise, aber nicht knackig schaltbaren Sechsganggetriebe sortiert werden, offenbaren sich noch größere Unterschiede zwischen den beiden. Im Opel Mokka fühlen sich Opel-Fahrer sofort zu Hause. Das solide anmutende Interieur mit gut ablesbaren Instrumenten und der ebenfalls typischen, mit vielen Tasten überfrachteten Mittelkonsole entspricht der aktuellen Marken-Linie. Erfreulich: Für den Opel Mokka stehen ebenfalls die sehr guten, AGR- ("Aktion Gesunder Rücken") zertifizierten Ergonomiesitze (ab 390 Euro) zur Wahl. Gleiches gilt für die Assistenzsysteme: Ob Spurhaltehilfe, Verkehrsschilderkennung, Frontkollisionswarner, aktives Kurvenlicht oder Fernlichtassistent – im Opel alles erhältlich, im Kia nichts davon. Beim Antrieb besteht dagegen noch Nachholbedarf. Opel hat zwar eine moderne Dieselmotorengeneration mit 1,6 Liter Hubraum angekündigt, doch derzeit arbeitet im Mokka noch der altbekannte, kernig brummende 1,7-Liter. Er leistet 130PS, kommt aber zäh aus dem Drehzahlkeller. Sein maximales Drehmoment von üppigen 300Nm liegt erst bei 2.000 U/min an und zwingt den Fahrer des Öfteren zum Zurückschalten. Dann aber stürmt er derart vehement los, dass die Vorderräder beim Herausbeschleunigen aus Kurven zu scharren beginnen – vielleicht wäre der optionale Allradantrieb doch ganz nützlich. Fahrwerk und Lenkung stehen einer engagierten Fahrweise nicht im Weg, wobei es die Ingenieure ein wenig übertrieben haben: Die trocken ansprechende Federung teilt den Passagieren unnötig viel über den Zustand schlechter Straßenoberflächen mit. Der Kia, obwohl optisch auf Dynamik bedacht, ist da von anderem Naturell. Schon die Sitze vermitteln eher Bequemlichkeit als Seitenhalt, und weder die leichtgängige Lenkung noch das weicher abgestimmte, aber nicht unterdämpfte Fahrwerk bieten eine ähnlich direkte Rückmeldung wie im Mokka. Damit gleitet der Sportage gelassener über Wellen und Fugen. Dazu passt der Selbstzünder mit 115PS. Seine Stärke ist das frühzeitige Ansprechen, 260Nm stehen schon ab 1.250 U/min bereit und schieben den Kia in der Elastizitätswertung nach vorn. Dieses Plus kann er jedoch nicht in einen niedrigeren Verbrauch umsetzen. Mit 7,3 L/100 km im Test rangiert er dicht hinter dem Opel Mokka (sieben Liter), der sich schlussendlich mit seinen günstigeren Unterhaltskosten den Gesamtsieg sichert – wenn auch nur knapp, denn der Kia hält mit üppigen sieben Jahre Garantie dagegen. Das ändert aber nichts daran, dass der Mokka viele Liebhaber finden dürfte – garantiert.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-02-13

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