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Testbericht

11. Juli 2014
Was hält eigentlich der deutsche Wald vom SUV-Boom? Man darf annehmen, er geht ihm an den Ästen vorbei. Knapp ein Drittel der Republik, 11,1 Millionen Hektar, ist vom Wald bedeckt. Vor 40 Jahren, da war der Range Rover gerade dran, die SUV-Idee zu etablieren, waren es eine Million Hektar weniger. Natürlich gibt es keinen Zusammenhang, außer womöglich dem, dass sich SUV und Wald ohnehin selten begegnen, durchforsten Softroader doch lieber die 230.500 asphaltierten Kilometer des Straßennetzes. Die Geländescheu schadet dem Erfolg der SUV nicht. Skoda verkauft mehr Yeti als Rapid, Opel mehr Mokka als Insignia – und beide mehrheitlich als reine Fronttriebler. Mal sehen, was ihnen der bisher eher überschaubar erfolgreiche Kia Soul entgegensetzt.

Kia Soul ist mehr als ein LifestylerDer versteht sich als Crossover und verzichtet gleich ganz auf Allrad. In seiner zweiten Generation basiert er nun auf der Plattform des Cee’d. In Länge, Radstand und Breite sacht gewachsen, schafft er ein besseres Platzangebot. Pilot und Nebenmann sitzen auf haltarmen Sitzen, aber ungedrängt und wegen der großen Frontscheibe und schmalen A-Säulen mit bester Aussicht. Auf der breiten Rückbank reisen Erwachsene bequem und mit reichlich Beinfreiheit. Trotz aller Raumeffizienz reicht es bei 4,14 Metern Länge aber nur für einen kleinen Laderaum. Bei hochgesetztem Zwischenboden packt der 238 Liter. Liegt er unten, sind es 354, dann stört aber die hohe Innenkante.

Kia Soul mit höchstem Verbrauch im TestDoch ist der Kia Soul nun erwachsener, was sich in der umfangreicheren Sicherheitsausstattung (Spurhalte- und Fernlichtassistent), vehementen Bremsen und der Bedienung zeigt: Durchs Infotainment tippt man sich über den Acht-Zoll-Touchscreen eingängig und schnell. Für jede einzelne der vielen weiteren Funktionen (darunter die natürlich unersetzliche Farb- und Rhythmusregelung der Lautsprecherbeleuchtung) gilt es, einen eigenen Schalter zu finden – allein 17 Tasten liegen auf dem Lenkrad. Zu dessen Multifunktion zählt auch: Lenken. Wobei sich darauf Richtungsänderungen ergeben, aber nichts, was sich mit dem Begriff Handling adeln ließe. In jeder ihrer drei Modi steuert die E-Lenkung den wankenden und auf Lastwechsel heckdrängenden Soul synthetisch und rückmeldungsarm um Kurven. An der trägen Fahrdynamik hat das näher an die Achslinie gerückte Lenkgetriebe also nichts geändert. Auch fast ohne Neuerung: der Motor. Das Netteste, was man zum dröhnigen, durchzugsmatten Sauger sagen kann, ist, dass er gleichmäßig antritt. Der Direkteinspritzer dreht ungern, die knappe Durchzugskraft verebbt in der langen Übersetzung der präzisen Sechsgangbox. Auch weil er mit 8,6 l/100 km am meisten verbraucht, ist der Benziner das beste Argument für den 2.200 Euro teureren Diesel und neben der rumpeligen Federung der Grund, warum der Kia Soul trotz vieler Verbesserungen Letzter wird.

Opel Mokka ist mehr als ein ChevyAber mit knappem Abstand zum Opel Mokka, der derzeit noch mit dem baugleichen Chevrolet Trax in Korea vom Band läuft, ab September dann in Spanien. So sehr sich die Opel-Techniker bei der Europäisierung des SUV ins Zeug legten – hier gibt es ihn mit Komfortsitzen, Spurhalteassistent und brillantem Adaptivlicht –, der solide verarbeitete, aber wenig hochwertig eingerichtete Mokka kann nicht ganz verbergen, dass er für GMs globale Budgetmarke entwickelt wurde. Obwohl im Test der Längste, hat er kaum mehr Laderaum als der Soul, auf der schmalen, kurzen Fondbank sitzen Passagiere beengter. Auf den bequemen Vordersitzen reist es sich angenehmer, und seit das Infotainment umgeordnet wurde, lässt sich der Mokka etwas besser bedienen – und besser einparken, die optionale Rückfahrkamera hilft gegen die schlechte Rundumsicht.Raus aus der Stadt und rauf auf die Landstraße. Da schwingt die Federung auf langen Unebenheiten sacht nach, rumpelt über kurze – beides verstärkt sich mit Beladung. Dem ordentlichen Komfort steht ein geringes Handling-Talent entgegen. Trotz optionaler 18-Zoll-Reifen umschubbert der Mokka Kurven stur untersteuernd, früh vom ESP eingebremst und ohne nennenswerte Rückmeldung in der indirekten, trägen Lenkung.Den zweiten Platz sichert dem Opel Mokka schließlich der Antrieb. Obwohl der 1,4-Liter-Turbobenziner noch durchs Saugrohr einspritzt und sich das Getriebe durch seine sechs Gänge hakelt, setzt der Opel seinen Leistungsvorsprung in die besten Beschleunigungswerte um und bleibt dabei mit 8,2 l/100 km im Verbrauch noch unter dem Kia.

Skoda Yeti ist mehr als ein GegnerDann hätten wir da noch: den Yeti. Und damit das nicht wie Lobhudelei wirkt, nennen wir erst seine Schwächen: Hätte der Entdecker Amerikas auf das lahme, umständliche Navi-System Columbus vertrauen müssen – Christopher wäre 1492 wohl schon kurz hinter Huelva wieder umgekehrt. Der mittlere der drei einzelnen Fondsitze ist unbequem, als Assistenz gibt es nur den Müdigkeitswarner, und der Skoda Yeti ist geizig ausgestattet.Er dominiert dennoch: mit dem kultivierten, durchzugsstarken, sparsamen 122PS starken Turbo-Benzindirekteinspritzer, der präzisen Sechsgangbox, bequemen Vordersitzen, dem großen Kofferraum und dem üppigen Raumangebot. Es lässt sich zudem clever variieren mit der Dreiercombo im Fond, die geklappt, geschoben, ausgebaut oder zur Zweierlounge umgruppiert werden kann. Den großen Punktevorsprung verschafft sich der Yeti auch mit dem ausgewogenen Fahrwerk. Es sichert leer wie beladen beflissenen Federungskomfort bei hoher Fahrsicherheit und quirligem Handling. Damit kurvt er flink ins Ziel, während Kia Soul und Mokka noch ziemlich im Wald stehen.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-07-11

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