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Testbericht

6. April 2016
Diese Sache mit dem Gelände, das war irgendwie nichts. So zumindest ließ sich bereits 2010 die Message seitens Kia verstehen, als die zweite Generation Sorento vorfuhr. Nach Rocsta und Retona war der Sorento I der letzte Kia mit Offroadambitionen, nennenswerter Bodenfreiheit und einer Geländeuntersetzung. Dass Kia mit diesem ersten Sorento den deutschen Geländewagenmarkt ziemlich aufgemischt hatte und die Kunden zum ersten Mal mit stattlichen Lieferzeiten konfrontieren musste, spielte bei der Konzept-Kehrtwende keine Rolle. Seitdem wird geSUVt. Die neueste Generation des Kia Sorento, teuerstes Modell der Koreaner auf dem deutschen Markt, ist von den alten Verkaufsrekorden inzwischen ein Stück entfernt. Die Verkaufszahlen haben sich im Vergleich zu 2006 nahezu halbiert, aktuell hält der Sorento einen soliden Mittelfeld-Platz in der Zulassungsstatistik. Allerdings gibt es heute auch deutlich mehr Konkurrenz als früher, nicht zuletzt seitens der Konzernschwester Hyundai.

Van statt SUV?
Der neue Kia Sorento macht seine Straßen-Gene von vorneherein mit der verwendeten Plattform klar, diese teilt sich Kias größtes SUV mit dem in Deutschland nicht mehr angebotenen Familienvan Carnival. Im Grunde ist das nur folgerichtig, denn im Van-Segment herrscht seit Jahren Trübsal, während die SUV-Verkaufszahlen explodieren.Zugute halten kann man dem neuen Kia Sorento allerdings den reaktionsschnellen Automatik-Allrad, der sich per Schalter auch zu einer fixen 50:50-Kraftverteilung umstellen lässt. Nutzer, die in schneereichen Gegenden leben, werden das zu schätzen wissen.In der dritten Generation ist der Kia Sorento gewaltig in die Länge geschossen, auch um wieder einen gewissen Respektabstand zum inzwischen auf viereinhalb Meter angeschwollenen Sportage herzustellen. Mit nun 478 Zentimeter Außenlänge fährt der neue Kia Sorento im Revier eines Mercedes GLE herum. Und damit dieser Vergleich nicht all zu anmaßend erscheint, schnürt Kia ein ziemlich dickes Ausstattungspäckchen, schreibt aber auch selbstbewusste Preise darauf. Eher aus Preislistenkosmetik steht das zweiradgetriebene Edition-7-Modell im Eingang der Angebotsbroschüre, wirklich nett wird es jedoch erst ab der zweithöchsten Ausstattungslinie Spirit. Weil Kia traditionell Extras in Komplettpaketen bündelt, bedingen einige in dieser Fahrzeugklasse wünschenswerte Extras den Griff zum Spirit – Ledersitze (dann jedoch optional auch mit Ventilation und hinterer Sitzheizung) sind beispielsweise erst hier möglich, wer der mäßigen Rundumsicht mit dem gut funktionierenden Around-View-Kamera-System begegnen möchte, muss sogar zur 51.190 Euro teuren Platinum-Edition greifen. Das gilt auch für den Bedarf an zusätzlichen Assistenzsystemen. Abstandsradar, Kollisionswarner und automatischer Parkassistent bleiben ebenfalls dem Topmodell vorbehalten.

Kia Sorento mit viel Luxus
Dennoch herrscht schon im Kia Sorento Spirit eine feudale Verwöhnatmosphäre, die prinzipiell wenig zu wünschen offen lässt. Die Verarbeitung, aber auch die Materialauswahl ist beim Sorento auf einem Level angelangt, der Selbstbewusstsein erlaubt. Die Oberflächen fassen sich gut an, die Optik wirkt edel, auch wenn zur (deutlich teureren) euopäischen Oberklasse noch Luft bleibt.Eine Empfehlung wert ist die im Testwagen verbaute Automatik, sie kostet exakt 2.000 Euro extra. Im Gegensatz zum inzwischen raumgreifenden Trend zur Schaltstufen-Inflation kommt sie mit sechs Gängen aus, und zwar gut. Im sechsten Gang dreht der Diesel auf der Autobahn in nervenschonenden und spritsparenden Regionen, auch dank der rund 50 Prozent längeren Achsübersetzung als beim Schaltgetriebemodell. Zudem vertraut der Sorento auf die Durchzugskraft seines überarbeiteten Vierzylinders und hält wenig von hektischem Herunterschalten an der leichtesten Steigung. Einziges Manko der Automatik: Mit ihr sinkt die erlaubte Anhängelast des Kia Sorento von 2,5 auf 2,0 Tonnen, das ist nicht wirklich viel für ein SUV dieser Größe.Überhaupt, Hektik. Dafür ist der Kia Sorento das falsche Auto. Er will es vor allem dem genussvoll reisenden Piloten recht machen. Die Fahrwerksabstimmung kommt mit rüdem Untergrund zwar ordentlich zurecht, wildes Kurvenwedeln ist jedoch nicht die Paradedisziplin des dann etwas wankfreudigen Koreaners. Auch die stark unterstützte und leicht gefühllose Lenkung trägt nicht dazu bei, sich eine Rennstrecke herbeizuwünschen.

Auf der komfortablen Seite
Cruisen, gerne auch mal die zügige Langstreckenfahrt, damit wird man dem Kia Sorento am besten gerecht. Dem entspricht auch der in Teilen neu konstruierte 2,2-Liter-Diesel, der im unteren und mittleren Drehzahlbereich bärig anschiebt, bei hohen Drehzahlen jedoch zunehmend ratlos wird. Ein feiner, druckvoller Alltagsmotor, kein Spitzensportler. Gut gedämmt zumal, die Maschine ist im Innenraum nur sehr verhalten zu vernehmen. Zudem ein vergleichsweise sparsames Aggregat, das sich von ganz behutsamen Piloten in den mittleren Sechsliter-Bereich drücken lässt. Da will so manches Fullsize-SUV anderer Hersteller gerne ein paar Schlucke extra.Sorento-Fahrer spielen am liebsten die Familienkarte. Mit Recht, wie der opulente Freiraum auf der Rücksitzbank unterstreicht. Eltern werden es zudem schätzen, dass die hinteren Türen Gardemaß besitzen und weit aufschwingen, was die Befestigung von Kindersitzen vereinfacht. Zwei weitere (kleine) Passagiere lassen sich im Kia Sorento ebenfalls unterbringen, wenn 900 Euro in die versenkbaren Klappsitze im Laderaum investiert werden. Ohne diese Sitzgelegenheiten gibt es einen Laderaum im Gardemaß, der mit luftiger Weite glänzt.

Fazit:
Der Sorento ist in seinen drei Generationen vom lustigen Waldschrat zum seriösen Familienfreund gereift. In den Genen inzwischen fast mehr Van als SUV, bietet er vor allem viel Platz und Komfort bei akzeptablem Verbrauch. Das alles gibt es nicht mehr zum Discounttarif früherer Jahre, dafür aber mit einem bewährten Kia-Kaufargument: Sieben Jahre Garantie.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-04-06

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