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Testbericht

2. Januar 2012

Unterwegs mit der neuen Ausführung des VW Phaeton kann man was erleben. Der Dorfnachbar des Testers verspielt seine Glaubwürdigkeit als Autofachmann mit der freundlichen Bemerkung: "Ein schönes Auto, der Passat." Der deutsche Mann, wenn er vom Luxuswagen träumt, hat Audi, BMW und Mercedes im Hirn. Die teuerste Limousine von Volkswagen ist, obschon bereits über acht Jahre auf dem Markt, eher ein Exot geblieben. Vielleicht nicht nur wegen ihres pragmatischen Auftritts, sondern weil Autos dieser Klasse bei Volkswagen keine Tradition haben. "Das Auto", wie VW derzeit seine Produkte bewirbt, ist der Golf und nicht unbedingt der VW Phaeton. Dabei steckt einer der achtenswertesten Techniker unserer Zeit hinter dem Nobel-VW: Ferdinand Piëch, der für die Menschen seiner eigenen Bonitätsklasse den 1.001-PS-Sportwagen Bugatti erfunden hat.

VW Phateon mit hoher Verarbeitungsqualität Auch beim VW Phaeton war ihm nur das Beste gut genug – es entstand eine ungewöhnlich sorgfältig zusammengebaute Limousine, bei der an nichts gespart wurde. Man muss sich nur einmal die aus dem vollen Aluminium geschnitzten Kofferraumscharniere anschauen oder sich vergegenwärtigen, dass der VW Phaeton mit 2,2 Tonnen das Schwergewicht in der Luxusklasse darstellt. Mit bereits seit Jahrzehnten vorhandener Luxuswagen-Tradition freilich tut man sich nicht unbedingt leichter im Audi-BMW-Mercedes-Land. Auch ein Jaguar XJ bleibt ein exotischer Gast auf Deutschlands Straßen. Da hilft es auch nicht, wenn die Briten die lange und liebevolle Pflege eines klassischen William-Lyons-Designs über Bord werfen und die Pracht des polierten Wurzelholzes gleich hinterher. Im berühmtesten Jaguar, dem E-Type, war schließlich auch nur der Lenkradkranz aus Holz. Die radikale Umkehr des Jaguar-Stils, die der heutige Jaguar XJ präsentiert, führt allerdings nebenbei zu Ergebnissen, die nicht nur den Traditionalisten erst mal irritieren. So zeigen sich die Rundinstrumente nun als stark verpixelte Bildschirm-Darstellung, umgeben von einem künstlich eingespiegelten Chromrand. Zu solcher Moderne kommt es, wenn man die Computer-Designer an der langen Leine laufen lässt. Dagegen bleibt der als Drehknopf ausgebildete Wahlschalter für das Automatikgetriebe ein stilistischer Gag, mit dem der Fahrer zurechtkommt, der aber auch keinen Vorteil gegenüber herkömmlichen Lösungen erkennen lässt.

Besser Übersichtlichkeit im nüchternen VW Phaeton Wer im VW Phaeton Platz nimmt, fühlt sich fast wie in einer vergangenen Welt. Sachliche, fast schon nüchterne Gestaltung, dazu eine Fülle so klassischer Rundinstrumente, wie wir sie schon in den dreißiger Jahren hatten. Der Stil des Interieurs verrät, dass seit dem Entwurf einige Jahre vergangen sind, was aber für die Bedienungs-Ergonomie kein Nachteil ist. Dass die Übersichtlichkeit im VW Phaeton weit besser ist als im stylischen Jaguar und dass man nicht zuletzt dank der größeren Fensterflächen ein luftigeres Raumgefühl genießt, sind weitere Vorteile einer Karosse, die noch nie modisch sein wollte. Die Differenzen werden noch größer, wenn sich die beiden in Bewegung setzen. Der katzenhaften Geschmeidigkeit, welche die Großväter des XJ auszeichnete, hat der junge leichten Herzen adieu gesagt. Denn Dynamik heißt das goldene Kalb der Neuzeit, und der Jaguar huldigt ihm nicht nur mit dem zweifellos lobenswerten Alu-Leichtbau seiner Karosserie, sondern auch mit einem betont straff abgestimmten Fahrwerk. Er lenkt sich leicht, reagiert mit der Spontaneität eines Sportwagens und vermag auch wie ein solcher um die Ecken zu fegen. Aber das Ansprechen und das Schluckvermögen der Federung gingen dabei über die Wupper, speziell über kleine Bodenunebenheiten stolpert seine Federung in einer Art und Weise, die einer Luxuslimousine nicht angemessen ist. Dem VW Phaeton sind derart fahraktive Ambitionen fremd, er fühlt sich behäbiger an und wirkt eher sedierend auf seinen Fahrer. Bei den Dynamik-Tests hat er keine Chance gegen den sportlichen Briten, was aber nicht seiner Fahrsicherheit schadet. Wenn die Straße rutschig ist, kann der VW Phaeton mit seinem serienmäßigen Allradantrieb sogar ein dickes Plus für sich verbuchen – da fährt er noch wie auf Schienen, wenn der Jaguar bereits mit seinen extradick bereiften Hinterrädern um Traktion kämpft.

Phaeton-Motor hat dem Jaguar wenig entgegenzusetzen Vor allem aber: Was den Federungskomfort angeht, gehört der VW Phaeton zu den besten Autos der Welt, durchaus vergleichbar mit der deutlich jüngeren S-Klasse von Mercedes. Er degradiert den Zustand der Straße zur Bedeutungslosigkeit, das Fahrgefühl des schwebenden Dahingleitens bildet sein alles andere überragendes Charakter-Merkmal. Dass die Zeit nicht stehenbleibt, dokumentiert vor allem der Motor des VW Phaeton - ein drei Liter großer Diesel-V6. Er läuft leise und kultiviert, hat aber, was die Kraftentfaltung angeht, der moderneren Maschine des Jaguar XJ wenig entgegenzusetzen. Die entwickelt aus vergleichbarem Hubraum deutlich mehr Drehmoment und Leistung, was nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken ist, dass hier gleich zwei Turbolader zum Einsatz kommen. Man bezahlt für die höhere Leistungsfähigkeit mit einem nachdrücklicher in den Innenraum dringenden, wenn auch nicht lästigen Motorgeräusch. Und bekommt Fahrleistungen, die eine ganze Klasse oberhalb jener des VW Phaeton liegen. Das Gewicht spielt hier natürlich auch eine große Rolle – es sorgt letztendlich auch dafür, dass der Jaguar den motorischen Volldampf sogar mit geringerem Verbrauch zur Verfügung stellen kann. Auch wenn die gravierenden Unterschiede in den Messwerten in der Praxis keine entscheidende Rolle spielen, profiliert sich der Jaguar XJ auch mit seinen Fahreigenschaften als ein Sportwagen im Limousinenkleid, der eine dynamische Kundschaft ansprechen will, während am VW Phaeton eher die gesetzten Jahrgänge Gefallen finden werden. Trotz motorischer Überlegenheit gelingt es dem Jaguar aber nicht, den Phaeton im Punkterennen auf die Plätze zu verweisen. Zumal er auch noch deutlich teurer ist als der VW Phaeton, der als Sieger aus dem Rennen hervorgeht und beweist, dass er sich in unserer schnelllebigen Autowelt erstaunlich gut gehalten hat.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-01-02

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