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Testbericht

9. August 2014
Kleiner können sie es nicht in England. Wenn es gilt, einen Sportwagen wie die Coupé-Version des Jaguar F-Type zu bewerben, dann muss schon Shakespeare ran: Während eine Stimme aus dem Off den Totenbett-Monolog des John of Gaunt aus "Richard II." murmelt, lässt Star-Schauspieler Tom Hiddleston trickreich den verfolgenden Porsche 911 abschmieren und braust im weißen Jaguar F-Type davon. "Die Kunst des Böseseins" heißt der Spot, doch wir wissen ja alle, wie es mit Richard II. geendet hat: Er verhungerte im Kerker, während Gaunts Sohn als Heinrich IV. König von England wurde. Das ist nun ziemlich genau 615 Jahre her, und so leicht wie im Werbespot schüttelt der Jaguar F-Type seine Zuffenhausener Konkurrenten im wahren Leben nicht ab. Zumal der natürliche Gegner der Einstiegsversion 3.0 V6 mit 340PS nicht mal der 911, sondern der Cayman S mit 325PS aus 3,4 Litern Hubraum ist.Der Preisunterschied zwischen Jaguar F-Type und Cayman ist gering. Wenn der Porsche entsprechend der serienmäßigen Achtstufenautomatik des Jaguar mit PDK kommt, beträgt die Differenz kaum die Kosten einer Tankfüllung. Wer die Serienausstattungen gegeneinander aufrechnet, kommt auf rund 3.000 Euro Vorsprung des F-Type – sicherlich nicht entscheidend in dieser Preisklasse.

Porsche wirkt im Innenraum luftigerViel wichtiger dürfte den meisten Sportwagenkunden jedenfalls sein, wo es mehr Fahrspaß fürs Geld gibt. In dieser Disziplin ist der Porsche Cayman ja schon seit Jahren eine bekannte Größe. Das ist bei der aktuellen Generation 981 – seit 2013 auf dem Markt – nicht anders geworden. Bereits auf den ersten Kilometern im öffentlichen Straßenverkehr flößt der kleine Mittelmotor-Porsche Vertrauen ein. Er folgt exakt Lenkausschlägen, Gaspedalbewegungen und Schaltvorgängen des PDK, lammfromm und unaufgeregt. Was hier ausdrücklich als Kompliment gemeint ist.In eine andere Welt schlüpft der Fahrer, wenn er in den Jaguar F-Type umsteigt. In eine gefühlt kleinere auf jeden Fall. Denn obwohl der Jaguar einige Zentimeter länger und breiter ist, bietet er dennoch nicht mehr Platz im Interieur. Durch die kleinen Scheiben fällt zudem weniger Licht ins Innere, was insgesamt für eine etwas beengte, aber intime Atmosphäre sorgt. Dagegen wirkt der Porsche luftig und freundlich, kein Auto für Bösewichter. Dass der F-Type auf dem Messblatt 135 Millimeter Laut Tabelle sind es immerhin 15,3 Zentimeter (1.535 vs. 1.400 mm), also deutlich mehr als ein paar Millimeter.mehr Innenbreite aufweist, geschenkt: Die sehr breite Mittelkonsole macht diesen theoretischen Vorteil zunichte.

Jaguar F-Type bietet weniger Halt in den SitzenNach dem Cayman-Fahren wirkt der erste Ritt im Jaguar F-Type viel wilder, der Motor röhrt lauter, das Auto zuckt schon auf normalen Landstraßen mehr hin und her als der vergleichsweise geschmeidige Porsche. Deutlich robuster ist ebenso der Federungskomfort des Jaguar. Mit der optionalen 20-Zoll- Bereifung lässt er wenig Fragen über den Fahrbahnzustand offen. Das kann man in einem Sportwagen direkt, ehrlich und angenehm finden, muss es aber nicht.Das wertigere Ambiente und die bessere Verarbeitung gibt es ebenfalls im Cayman, der in dieser Disziplin seinem großen Bruder 911 kaum nachsteht. Gerade hier enttäuscht der Jaguar F-Type. Instrumente, Bedienelemente, Werkstoffe im Innenraum, alles wirkt einfacher und, unter uns gesagt, für ein Auto der 70.000-Euro-Klasse etwas zu einfach. Vor allem wenn man bedenkt, dass die kräftiger motorisierten F-Type-Varianten deutlich teurer sind und in der 911-Liga mitspielen. Zudem ist die Bedienung des Jag unübersichtlich und verwirrend. Doch auch mit der über viele Knöpfe und Bedienebenen verteilten Cockpit-Infrastruktur im Cayman kommt nicht jeder auf Anhieb zurecht. Immerhin ist sie konsequent und einigermaßen logisch.Womit wir bei den praktischen Vorzügen des Porsche sind, der etwa über die besseren Sitze verfügt, jedenfalls dann, wenn die optionalen Sportsitze für 2.261 Euro mitgeordert wurden. Die Sessel im Jaguar F-Type bieten weniger Seitenhalt und die insgesamt schlechtere Sitzposition.

Exakte Lenkung beim PorscheWas das alles mit Fahrspaß zu tun hat? Viel, denn wie man sich in einem Auto fühlt, so fährt man auch. Zeit also, die beiden Sportwagen so ums Eck zu lassen. Weil das mit Autos dieses Kalibers ebenso illegal wie gefährlich ist, haben wir uns dazu die verwinkelte Handlingstrecke im Infield des Bosch-Testgeländes in Boxberg ausgesucht. Auch ohne Zeitnahme ist klar: Der Cayman fährt dem Jaguar F-Type gnadenlos um die Ohren. Er lenkt exakter ein, hat die rückmeldungsfreudigere und besser ansprechende Lenkung, düst wie auf Schienen durch enge und schnelle Kurven, hat nie Traktionsprobleme und lässt sich auf den Punkt genau einbremsen. So sieht ein nahezu perfekter Mittelmotorsportler aus. Der Jaguar F-Type markiert auch hier gekonnt den Bösewicht, insofern liegt die Werbung nicht falsch. Ob Tom Hiddleston damit seinen Verfolgern entkäme, ist fraglich. Dazu räubert der Jaguar zu wild um die Ecken, untersteuert beim Einlenken, um beim Herausbeschleunigen zügig das Heck herauszustellen. Freunde des gepflegten Drifts bekommen das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, doch auf dem Handlingparcours hemmt es mehr, als es schneller macht.Am Motor liegt es nicht, der hängt sauber am Gas, dreht brüllend ans Limit und schiebt den schweren Jaguar F-Type ordentlich voran. Dass er dabei nicht ganz die Fahrleistungen des Porsche erreicht, liegt auch an seinem viel höheren Gewicht: Mit 1.723 kg ist der Testwagen fast 300 kg schwerer als der Porsche (1.436 kg).

Jaguar F-Type mit zwiespältiger AutomatikAuch das trägt dazu bei, dass der F-Type rund einen Liter mehr Treibstoff verbraucht als der Cayman S. Das kultivierte, ausgefeiltere und drehfreudigere Triebwerk ist der 3,4-Liter-Boxer ohnehin. Nur beim Sound brüllt sich der Jaguar-V6 nach vorn. Seine Getriebeabstimmung ist hingegen Geschmackssache: Gibt die Achtgang-Wandlerautomatik im Alltagsbetrieb noch den unauffälligeren und gelasseneren Partner, wirkt sie bei hurtiger Fahrt bisweilen übermotiviert und hektisch. Es geht also nicht uneingeschränkt gut aus für den Jaguar F-Type, doch dass der Böse extrem fasziniert, das war schon bei Shakespeare so.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-08-09

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