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Testbericht

8. September 2008

Rein statistisch ist der Europa-Markt für Sport Utility Vehicles fest in heimischen Händen. Aber es gibt immer wieder ernst gemeinte Versuche, die Hackordnung aufzuweichen. Lexus hat dies mit dem RX in Maßen vorexerziert, doch Cadillac SRX und Subaru Tribeca konnten keine großen Erfolge erzielen. Und nun kommt Infiniti: eine Antwort auf eine nie gestellte Frage? Der hierzulande wenig bekannte Ableger von Nissan zählt in den USA seit Langem zu den Luxusanbietern. Schon die erste FX-Generation lief dort mit bemerkenswertem Erfolg. Auf dem diesjährigen Genfer Autosalon wurde der äußerlich nur wenig modifizierte und dennoch rundum neue Nachfolger gezeigt - mit einer dynamischen, coupéartigen Linienführung, die Porsche Cayenne, Audi Q7 oder BMW X6 verblüffen will.

Preis liegt bei rund 80.000 Euro Interessenten für diese Autos möchte Infiniti mit dem sportlich wirkenden, sehr selbstbewusst eingepreisten FX50 ködern: Rund 80.000 Euro soll das komplett ausgestattete Fahrzeug kosten, das im März 2009 auch nach Deutschland kommt. Um die Autos für Europa fit zu machen, absolviert derzeit ein ganzes Rudel von FX-Exemplaren ein hartes Abstimmungs- und Testprogramm auf dem Nürburgring und auf deutschen Autobahnen. Die Messlatte liegt hoch, aber die Infiniti-Techniker möchten das beste Angebot in der gehobenen Klasse offerieren. Das von Cross-Road gefahrene, fünfsitzige Auto entsprach der US-Spezifikation, erwies sich aber als überaus agil. Man fühlt sich sofort wohl in dem rundlich gezeichneten Koloss, dessen Kopffreiheit selbst auf den hinteren Plätzen ausreicht. Glasdach und Rear-Entertainment gegen Aufpreis Vieles ist Serie, daher gibt es in der Extra-Liste nur wenige Positionen, beispielsweise ein großes Glasdach und das Fond-Entertainment. Serienmäßig sind dagegen die 21-Zoll-Ganzjahresreifen, eine mitlenkende Hinterachse und ein Fahrwerk mit elektronisch geregelten, in zwei Stufen (Auto und Sport) justierbaren Dämpfern. Wie beim Vorgängermodell ist es keineswegs zu komfortabel, sondern zum Teil überraschend hart, vor allem im Sport-Modus. Der Abrollkomfort lässt vor allem bei Querfugen zu wünschen übrig; die Lenkung arbeitet - gerade bei plötzlichen Spurwechseln - indes präzise und zielorientiert. Inwieweit daran die Hinterradlenkung Anteil hat, wird sich beim ersten Test herausstellen. Drehfreudigkeit kennzeichnet den dumpf brabbelnden Fünfliter-V8 mit vollvariabler Ventilsteuerung, der allerdings bei niedrigen Drehzahlen etwas schlaff wirkt. Er will gedreht werden, erst ab 3.500/min fühlt sich das Triebwerk spürbar wohl - das maximale Drehmoment von 500 Nm liegt bei 4.000 Touren an. Das neu entwickelte Siebenstufen-Automatikgetriebe von Jatco wechselt schnell und nahezu ruckfrei die Gänge, über Schaltpaddel am dreispeichigen Multifunktions-Lenkrad kann manuell eingegriffen werden. Die letzte Fahrstufe ist allerdings recht lang übersetzt worden. Der FX50 hat einen permanenten Allradantrieb, die Kraft verteilt eine elektronisch geregelte Lamellenkupplung. Bei Geradeausfahrt gehen bis 100 Prozent der Antriebskraft nach hinten, im Extremfall - sprich bei starkem Schlupf - gelangen maximal 50 Prozent zur Vorderachse. Kombiniert ist das System mit Bremsassistent und ESP.

Trotz verschiedener Leichtbaumaßnahmen - Türen, Fronthaube und Fahrwerksmodule sind aus Aluminium - wiegt der Wagen rund zwei Tonnen. Behäbigkeit ist dennoch nicht seine Sache, nur in rasch genommenen Kehren neigt sich der Aufbau etwas. Die Achslastverteilung liegt bei guten 54:46 Prozent. Der Neue soll Tempo 250 (abgeregelt) erreichen; für den Spurt von Null auf 100 km/h werden 5,8 Sekunden angegeben. Ein Offroader kann und will der FX nicht sein - genau wie seine Konkurrenten. Aber für so ein Auto müssen zusätzliche Motorvarianten bereitstehen. Einen 3,7-Liter-V6 wird es schon zum Marktstart geben, aber mit einem Diesel lässt man sich - wie bei den Kollegen von Porsche - noch Zeit: Er kommt erst im Frühjahr 2010.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-09-08

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