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Testbericht

2. Dezember 2008

Jahrelang haben sie geschnarcht, haben ihre legendäre Sport-Division sanft entschlummern lassen. Aber nun ist der Skorpion zurück. Frisch gefüttert und willens, kräftig zuzustechen. Nicht genug damit, dass die Italiener, wie bei der Eröffnung der neuen Abarth-Manufaktur in Turin-Mirafiori, mal eben ein paar Oldtimer aus ihrer Werkssammlung vorzeigen: Jetzt machen sie Ernst und schicken gleich zwei sportive Autos zum gut sortierten Fiat-Händler; den 160 PS starken Grande Punto Abarth und den 135 PS mächtigen, sportlich herausgeputzten 500.

Besser kann man den 100. Geburtstag von Carlo Abarth, der am 15. November anstand, gar nicht begehen. Der aufgebrezelte Kraftzwerg mit dem 1,4-Liter-Turbomotor wirkt wie eine Zeitmaschine, erinnert er doch frappant an den 1000 TC, wie er zwischen 1961 und 1971 tausendfach entstand. Damals hatte er 60, später erstarkte er bis auf 112 PS. Angesichts von nur 600 Kilogramm Leergewicht war dies wirklich eine Ansage, die zum flotten Äußeren passte. Und das wird vom Neuen ganz locker zitiert - angefangen vom rot-weiß karierten Dach bis zu den üppigen Stoßfängern mit dem maulartigen Kühlereinsatz vorn. Dort sitzt der Lufteinlass für den Wasserkühler, daneben strömt Luft für zwei Ladeluftkühler und die Bremsenkühlung hinein.

Überall Streifen und Skorpion-Plaketten

Eine markante Hutze prangt auf der kurzen Motorhaube, unter der sich der Turbolader duckt; auch der silbergraue Lack und die roten Spiegelgehäuse wirken authentisch. Und überall finden sich Streifen, gelbrote Skorpion-Plaketten und selbstbewusste Abarth-Schriftzüge. Fehlt nur noch die aufgestellte Heckklappe - ein absolutes Muss in der Hochzeit der Abarth-Automobile in den sechziger Jahren. Gut, dass die Designer des aktuellen Autos die Finger davon gelassen haben. Denn der 1000 TC baute auf dem Fiat 600 auf, und der hatte einen kleinen Vierzylinder- Heckmotor.

Dank der offenen Abdeckung bekam er mehr Kühlluft, erzählt uns Abarth-Papst Leo Aumüller, der eine große Sammlung der schnuckeligen Kleinen hegt und pflegt. Außerdem habe sich dank dem genau ausgetüftelten Öffnungswinkel der Luftwiderstand verringert und der Abtrieb verbessert. Beim Neuen erledigt dies der Dachspoiler. Dies gibt Aumüller zwar zu, meint aber augenzwinkernd, früher habe das Ganze optisch mehr hergemacht. Wir lassen den Motor an, wollen wissen, wie die Abarth-Macher hier ihren Retro-Anspruch umgesetzt haben. Und da ist es wieder, dieses Kribbeln und - zumindest ansatzweise - dieser Klang. Denn der kleine Sportler geht besser, als er klingt, weil die beiden Endrohre nur einen gedämpften, tiefen Sound entlassen.

Schon bei mittleren Drehzahlen sondert der Vierventiler genügend Kraft ab und lässt sich dann weiter hochjubeln. Drückt man die Sport- und Spaß-Taste in der Mittelkonsole, stehen kurzzeitig bis 206 Nm Schubkraft zur Verfügung. Die Schaltung agiert knackig, die Anschlüsse stimmen – allerdings werden nur fünf Gänge aufgeboten, von denen der letzte recht lang übersetzt ist. 205 km/h läuft der kugelige Giftzwerg. Die Kraft zerrt gewaltig an der Vorderachse, die sicherheitshalber mit einem elektronischen Sperrdifferenzial ausgestattet ist. Es sorgt für eine bessere Drehmomentverteilung zwischen den Rädern. Auch ein elektronisch geregeltes Fahrstabilitätssystem einschließlich ASR, ABS und Bremsassistent steht zur Verfügung.

Echtes Rennfeeling

195/45er-Pneus auf 16er-Rädern bringen die Kraft des Vierventilers auf die Straße, binnen acht Sekunden ist die 1,1 Tonnen schwere Fuhre auf Tempo 100. Größere Bremsscheiben - mit rot lackierten Sätteln - sorgen für Verzögerungswerte um 40 Meter. Nicht ganz begeistern die brettharte Federung und das zu leichtgängige Lenkgefühl. Der Pilot, selbst wenn er lang gewachsen ist, sitzt recht kommod auf dem hohen Sportgestühl. Vorn herrschen großzügige Platzverhältnisse, hinten sind Knie- und vor allem Kopffreiheit etwas limitiert.

Das unten abgeflachte Lenkrad liegt gut in der Hand; Aluminium-Pedale sowie Schalt- und Handbremshebel mit Lederbezug verbreiten Rennatmosphäre. Damit nicht genug, erfreut das transportable, in die Bordelektronik integrierte Navi-System mit einem netten Gag: In der internen Datenbank sind die bekannten europäischen Rennstrecken einprogrammiert - wer also den Hockenheim-Ring abzirkelt, kann seine Tour genauestens analysieren. Wir hatten dieses Vergnügen - und nur einen Wunsch: noch mehr Power. Inzwischen gibt es eine 160-PS-Version als Nachrüstkit. Zu wenig? Echte Sportfahrer können sich ja um eines von 49 geplanten Exemplaren des 930 Kilo leichten Abarth SS Assetto Corsa mit 200 PS bemühen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-12-02

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