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Testbericht

2. Dezember 2019
RM19 heißt der Prototyp, den Hyundai hier zum Testgelände in der Mojave Wüste mitgebracht hat. L.A. ist zirka eine Fahrstunde entfernt und Regen gibt es hier oft monatelang keinen – nur am Vortag unserer Ausfahrt hat ausnahmsweise hat es geregnet. Inzwischen ist die Strecke zwar noch ein bisschen kühl, aber trocken. Gute Bedingungnen also, um den hinterradgetriebenen Mittelmotor-Sportler über einen fünf Kilometer langen, gewundenen Kurs zu scheuchen. Wie seine Vorgänger RM14, RM15 und RM16 ist auch der RM19 ein Versuchsträger ohne die geringsten Aussichten auf eine Serienfertigung – aber: Aber die Fahreigenschaften des Hecktrieblers sollen massiven Einfluss auf Serien-Sportmodelle des koreanischen Herstellers haben. Wie das ohne Mittelmotor in Serie gehen soll, wollten die Verantwortlichen allerdings nicht verraten.Mit viel Flügelwerk gibt sich der RM19 wenig zurückhaltend – die Karosserie des RM19 ist komplett auf Abtrieb und Kühlung des hinter Fahrer und Beifahrer sitzenden aufgeladenen Zweiliter-Motors ausgerichtet. Der Unterboden ist vollverkleidet und am Heck sorgt eine Kombination aus großem Flügel und nicht minder großem Diffusor für 190 Kilogramm Abtrieb bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h.

Kuppeln kannst du, musst aber nicht
Einen bequemen Einstieg ist die Abwesenheit eines Überroll-Käfigs im vorderen Bereich des Innenraums zuträglich. Selbst große Fahrer mit Helm haben noch genügend Kopffreiheit – in Sportwagen-Welt keine Selbstverständlichkeit. Außerdem ist der Innenraum keine auf das Nötigste reduzierte Form-follows-Function-Welt aus blankem Blech. Es gibt immerhin einen zentralen Infotainment-Touchscreen und eine Klimaanlage. Rennwagenmäßig hingegen ist, dass ein Sechspunktgurt den Fahrer kaum verrückbar an seinen Sitz schnallt. Der Sitz ist wiederum langstreckentauglich bequem und bietet natürlich kräftigen Seitenhalt. Die Rundumsicht geht trotz fehlender hinterer Seitenscheiben – dort sitzen jetzt die Rohre für die Luftversorgung des Motors – und dem Flügelgestänge am Heck in Ordnung.Kupplung ganz langsam bei hohen Drehzahlen kommen lassen, sonst ist der Renn-Motor schnell abgewürgt. Wer die nötige Portion Fußspitzen-Gefühl mitbringt, fährt los. Die Kupplung kann der Fahrer weiterhin nutzen, er muss es aber nicht: Die Gänge des sequenziellen Sechsgang-Getriebes lassen sich mit einem motivierendem mechanischem Glucksen auch ausschließlich per Paddle einlegen – Runterschalten klingt dabei fast wie ein Schuss. Nur wer später wieder in den Leerlauf schalten möchte, muss nochmal die Kupplung bemühen.

Schwerpunktverlagerung mit spürbaren Folgen
Die Antriebsgeräusche kommen von hinten. Die Verlagerung des Motors ins Heck ändert die Gewichtsverteilung . Deren Einfluss aufs Fahrverhalten zu testen, ist Hyundai-Entwicklungschef Albert Biermann extrem wichtig. Deshalb probiert er immer wieder neue Prototypen aus – mit dem aktuellen RM19 scheint Hyundai einen hohen Entwicklungsstand erreicht zu haben: Bereits die erste ambitioniert genommenen Kurve meistert der Prototyp spielend. Natürlich fehlt das Untersteuern des dem RM19 zugrundeliegenden frontgetriebenen Veloster. Die Lenkung mit TCR-Lenkrad und neuem Stabilisator stammt aus dem in Deutschland nicht angebotenen Veloster N. Damit lenkt der kompakte Renner willig und direkt ein. Seine Bremsen der Dimension 380 mal 34 Millimeter vorn und 365 mal 29 Millimeter hinten packen kräftig, aber weniger hart zu, als von einem Rennwagen erwartet. Für eine perfekte Verzögerung haben die Ingenieure ein Motorsport-ABS implementiert. So schafft der Experimental-Prototyp schon auf den ersten Metern Vertrauen und sorgt bei jeder weiteren Runde für mehr Mut des Fahrers.Um die Fähigkeiten des Fahrwerks zu testen, haben die Ingenieure drei Schikanen auf dem Kurs verteilt. Die technischen Voraussetzungen des RM19 sind dabei gut: Ein sich vom hinteren Innenraum bis ans Ende des Motorraums ziehender Käfig sorgt bei dem Zweitürer für erhöhte Steifigkeit und an der Hinterachse kommen neue Doppelquerlenker zum Einsatz. Vorn bleibt es bei der McPherson-Aufhängung. Die Dämpfer sind dreifach verstellbar und den Kontakt zur Rennstrecke stellen vorn Räder in der Dimension 245/30R20, 8,5J und hinten in der Größe 305/30R20, 11,0J her – dafür haben die Konstrukteure die Radhäuser vorn und hinten vergrößert. Anbremsen, nach links lenken, nach rechts lenken, Gas geben: Der RM19 nimmt die Schikanen auffallend unspektakulär. Das Fahrwerk lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und die Gewichtsverteilung scheint optimal. Niemand muss in diesem Auto der perfekt geübte präzise Rennfahrer sein: Fahrfehler verzeiht der RM19 großzügig.

Hellwaches Power-Triebwerk
Der Motor des RM19 hängt gierig am Gas, setzt Beschleunigungsbefehle vorbehaltlos um. Verbrennt er Sprit mit 102 Oktan, beträgt seine maximale Leistung 390 PS bei 6.750/min. Das maximale Drehmoment in Höhe von 475 Newtonmeter liegt bei 3.750/min an. Beim Tritt aufs Gaspedal prescht der RM19 unnachgiebig vorwärts und hämmert seine Insassen in die Sitze – einen Referenzsprintwert gibt Hyundai aktuell nicht an. Aber die Höchstgeschwindigkeit: Die beträgt in der gegenwärtigen Abstimmung 260 km/h – auf dem gewundenen Kurs erreichen wir diese Geschwindigkeit nicht. Dafür aber eine gehörige Laustärke, die den Fahrer mehr animiert als erschreckt und die hier in der Wüste niemanden stört.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2019-12-02

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