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Testbericht

1. August 2009

So ganz glücklich klingen sie bei Hyundai nicht über den Zeitpunkt, an dem sie den Schritt in die Oberklasse des SUV-Segments wagen. Aber jetzt ist es eben da, das bisher teuerste und nach dem Kleinbus H1 mit 2,2 Tonnen Leergewicht schwerste Modell - der neue Hyundai ix55 ( zum Hyundai ix55-Fahrbericht ). Wobei der so neu gar nicht ist. Unter dem Namen Veracruz lebt er seit 2007 in Amerika. Damals, als der Markt für große Geländewagen in Europa noch boomte, schien es ein feiner Einfall zu sein, ihn über den Atlantik zu holen. Die Idee, für die USA entwickelte SUV einzubürgern, ist weder ungewöhnlich noch sehr erfolgversprechend - fragen Sie mal Nissan nach den Verkaufszahlen des Murano und Subaru nach denen des Tribeca . Oder nein, seien Sie nicht grausam, tun Sie das nicht.

Der Hyundai ix55 erhält einen Dreiliter-Turbodiesel mit 239 PS Hyundai vermeidet den Fehler der Japaner, die beiden SUV nur mit Sechszylinder-Benzinern auszurüsten, die schon zum Frühschoppen ein halbes Ölfeld leerschlabbern. Die Koreaner bieten den ix55 daher erst gar nicht mit dem V6-Benziner des Veracruz an, sondern einzig mit Dreiliter-Turbodiesel, den das firmeneigene Kompetenzzentrum in Rüsselsheim konzipierte. Wie andere aktuelle Neukonstruktionen - die 2,2-Liter-Selbstzünder von Mazda und Mercedes etwa - ist der Common-Rail-Diesel langhubig ausgelegt (Bohrung × Hub 84 × 89 mm). Hyundai versteht den ix55 schon deswegen als Technologieträger, weil er als erstes Modell den 239 PS starken V6 mit Piezo-Einspritzung, variabler Turboladergeometrie und vier obenliegenden Nockenwellen bekommt. Das gilt auch für die neue Sechsstufenautomatik, mit der die Techniker den Selbstzünder zwangsverkuppeln. Alternativen zu dieser Motor-Getriebe-Kombination gibt es nicht. Der kräftige Diesel und das Automatikgetriebe des Hyundai ix55 harmonieren Daran besteht auch kein Bedarf. Denn der kräftige Diesel mit seinen guten Manieren und das sanft schaltende Getriebe kommen gut miteinander aus. Gekonnt überschlupft die Automatik die leichte Anfahrschwäche des Triebwerks. Auf ebener Strecke wählt sie ihre Stufen treffsicher, lässt den drehmomentstarken Motor oft im lang übersetzten sechsten Gang herumbrummeln. Bei spontanem Leistungsabruf dauert es aber etwas, bis sie sich einen niedrigen Gang zurechtsortiert hat. Auch bei Steigungen schaltet sie oft an den falschen Stellen - zu früh hoch und zu spät zurück. Oder sie gerät in Hektik und lässt sich nur durch manuelle Eingriffe beruhigen - das passiert auch, wenn es etwas flotter vorangehen soll. Fahrwerk, Lenkung und Bremsen des Hyundai ix55 könnten besser sein Obwohl niemand von einem über zwei Tonnen schweren und einsachtzig hohen Allradklotz besonders dynamische Fähigkeiten erwartet, lobpreist Hyundai die Agilität des für Europa abgestimmten Fahrwerks ebenso wie Lenkung und Bremsen. Zu Unrecht: Schon auf harmlosen Überlandtouren stört das sichere, aber schunkelige Fahrverhalten. Kurven umrundet der ix55 mit deutlicher Schlagseite. Offensichtliche Schwächen weist die Bremse auf, die standfest, aber nur auf mäßigem Niveau verzögert. Wenig erfreulich gestaltet sich auch der Umgang mit der servostrotzenden Lenkung, die sich ganz der Leichtgängigkeit hingibt, dabei Rückmeldung und Präzision vernachlässigt. Bei schnellen Richtungswechseln verhärtet sie stark und gibt Unebenheiten stößig weiter. Das Allradsystem verzichtet auf Differenzialsperre und Untersetzungsgetriebe Auch die Geländefähigkeiten des ix55 halten sich in Grenzen - schon wegen der mit 19 Zentimeter niedrigen Bodenfreiheit, dem geringen Verschränkungspotenzial des Fahrwerks mit Einzelradaufhängung rundum sowie des einfachen Allradsystems, das auf Differenzialsperren oder ein Untersetzungsgetriebe verzichtet. Auf trockener Strecke fließt alle Kraft an die Vorderräder. Erst wenn dort Schlupf auftritt, schließt die elektromagnetisch betätigte Mehrscheiben-Kupplung am hinteren Differenzial selbsttätig und schickt maximal 50 Prozent an die Hinterräder. Nur als Anfahrhilfe und bis zu einem Tempo von 38 km/h kann die 50:50-Verteilung über eine Taste im Cockpit fixiert werden. Für die SUV-typischen, harmlosen Kraxeleien reicht das völlig.

Der durchschnittliche Verbrauch des Hyundai ix55 liegt bei 11,9 L/100 km Am besten versteht man den ix55 als bequemen Kilometer-Knabberer, der auf langen Strecken in seinem Element ist, bei Autobahntempo leise bleibt und ordentlich federt. Zahm bewegt begnügt er sich mit knapp acht Liter/100 km. Die 11,9 Liter, die er im Schnitt alle 100 Kilometer aus dem 78-Liter-Tank zapft, liegen spürbar niedriger als bei der ähnlich starken, aber temperamentvolleren Konkurrenz wie BMW X5 x-Drive 30d (12,4 L/100 km) und Audi Q7 3.0 TDI (12,9 Liter) ( zum Audi Q7-Fahrbericht ). Doch weil er lediglich die Euro 4-Abgasnorm erfüllt, verfehlt er das selbstgesetzte Ziel, ein echter Technologieträger zu sein - Audi Q7 und Mercedes ML gibt es schon mit Selbstzündern, die Euro 6 erfüllen. Der Hyundai ix55 bringt bis zu sieben Passagiere unter Ein besonders zeitgemäßes Auto ist der ix55 also nicht geworden, ein großes dagegen schon. In der Stadt stört die wuchtige Statur mit ihrer schlechten Übersichtlichkeit und dem großen Wendekreis. Dafür bringt der Hyundai bis zu sieben Passagiere unter, wobei der große und ebene Kofferraum dann konzeptbedingt auf einen Bruchteil schrumpft. Immerhin opfert er sich nicht umsonst, denn im Gegensatz zu anderen selbsternannten Siebensitzern genügen die Klapp-Notsitze zumindest auf Kurzstrecken auch Erwachsenen. Vor der längs verschieb- und geteilt umlegbaren mittleren Sitzreihe gibt es viel Kniefreiheit. Bequem sitzen auf der rutschigen Lederbank wegen des hart gepolsterten Mittelplatzes aber nur zwei, die sich die Temperatur über die Klimaautomatik selbst regeln können. Der Basispreis für den Hyundai ix55 beträgt 42.290 Euro Vorn stört nur die zu hohe Sitzposition, aus der der Fahrer auf das Cockpit herabblickt. Bis auf die mit Funktionen überladenen Hebel an der Lenksäule wirkt alles aufgeräumt, solide und sauber verarbeitet, besser als alles, was man bisher in einem Hyundai gesehen hat - und doch etwas bemüht. Details wie die billige Digitaluhr passen nicht in die 50.000-Euro-Liga. Wobei der ix55 schon in der Basis für 42.290 Euro komplett ausstaffiert ist. Das 4.700 Euro teure Premium-Paket bietet als habhaften Mehrwert nur die Reifendruckkontrolle und die Xenonscheinwerfer, überfrachtet den Hyundai ansonsten mit Elektrik-Schnickschnack - von der trödeligen, elektrischen Heckklappenbetätigung über beleuchtete Einstiegsleisten bis zur elektrischen Lenkradverstellung und automatisch abblendenden Außenspiegeln.

Ein besseres Auto macht all das aus dem ix55 nicht, der sich einige herbe Schwächen und nur wenige Stärken leistet. So bleibt die Frage, warum man sich gerade jetzt dieses Auto kaufen sollte. 700 Käufer pro Jahr, prophezeit Hyundai, haben darauf tatsächlich eine Antwort.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-08-01

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