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Testbericht

18. Februar 2009

"Schatz, hast du die Blumen auch nicht verwelken lassen?" wird eine gängige Frage an Insight-Fahrer sein. Gemeint sind die plakativen Symbole des Honda-Hybrids zum Thema Spritverbrauch: Stehen die Pflänzchen im Display voll im Saft, dann war der grüne Gasfuß am Werk. Lassen sie verdorrt die Köpfe hängen, dann wurde hemmungslos Haushaltsgeld in Kohlenstoff umgewandelt.

Spaß am Sparen Die Weltverbesserer-Optik seines zweisitzigen Vorgängers hat der neue Honda Insight abgelegt. Formal betrachtet ist er zwar etwas belanglos, doch inhaltlich ein familienfreundlicher Kompakter mit Heckklappe, vier Türen, fünf Sitzplätzen, getrennt umklappbaren Rücksitzlehnen und ausreichend großem Kofferraum (358 bis 1.017 Liter Volumen). Beim ersten Kennenlernen umwirbt der Insight Interessenten nicht gerade. Blumen im Display reichen für einen wohnlichen Eindruck nicht aus. Geschäumte Kunststoffe? Softlack? Enttäuscht treffen die Finger auf schroffe, harte Materialien. Eher Ackerscholle als Humusboden. So also sind die erstaunlich günstigen 20.000 Euro zu erzielen, die als möglicher Preis kursieren. Üppig ist dagegen die Zahl der Bedienelemente. Neben dem Zündschloss ist der Econ-Knopf links vom Lenkrad das Wichtigste. Dieser soll den nervösen Gasfuß beruhigen und für eine phlegmatische Drosselklappe sorgen. Sparpotenzial: bis zu zehn Prozent Kraftstoff. In diesem Blumenzüchter-Modus leistet der Motor etwa vier Prozent weniger, die Start-Stopp -Funktion wird häufiger genutzt, und die Klimaanlage arbeitet vorwiegend auf Umluft. Zusätzlich aktiviert man mit einem Knopf rechts auf dem Lenkrad das Display mit den Beschleunigungs- und Brems-Balken - je weniger sie ausschlagen, desto wirtschaftlicher ist die Fahrweise. Dann kann die erste Ausfahrt beginnen. Beim Sparen , also dem Blumengießen, hilft ein virtueller Eco-Gärtner. Er hat auf Wunsch plakative Tipps parat: Ist die digitale Tempoanzeige grün unterlegt, dann gibt der Fahrer umweltbewusst Gas. Dominiert dagegen die Farbe Blau, so entlarvt das System den Umweltsünder, der zu forsch beschleunigt oder bremst. Zusätzlich verteilt das System Fleißsternchen in Form von Blättern an stilisierten Blumen im Drehzahlmesser-Display. Je mehr dieser Symbole für grünes Fahrverhalten in der Anzeige erscheinen, desto ökonomischer verlief die Autoreise. Wachsen dann noch Blüten aus den virtuellen Pflanzen, dann ist ein besonders strebsamer Vollgas-Verweigerer am Steuer. Hobby-Gärtner müssen rekuperieren, also im Schiebebetrieb oder mittels Motorbremse die Batterie laden, wobei es eine echte Motorbremse nicht gibt - die Zylinder schalten sich ab, um Pumpverluste zu vermeiden. Was man als leichte Verzögerung spürt, ist in Wirklichkeit der Elektromotor, der in diesem Fall als Generator arbeitet. Es dauert nicht lange, dann wird man tatsächlich zum Streber und freut sich wie ein Erstklässler über die Auszeichnungen für lobenswertes Verhalten.

Kein rein elektrisches Fahren Während die Schlange hinter einem immer länger wird und sich Unmut über den Insight-Schleicher breitmacht, gedeihen die Blumen im Display hervorragend. Über eines muss man sich im Klaren sein: Wer den ausgelobten Durchschnittsverbrauch von 4,4 Liter (4,6 mit 16-Zöllern) auf 100 Kilometer erreichen will, kriecht über die Straßen. Und selbst dann sollte man am besten einen Lehrgang für Hybrid-Fahren absolvieren, um wirklich das volle Sparpotenzial auszunutzen. Rein elektrisches Fahren wie im Toyota Prius funktioniert übrigens nicht, der Verbrennungsmotor läuft immer mindestens auf Standgas mit, schaltet sich nur bei Standzeiten etwa an der roten Ampel ab (Start-Stopp-Funktion). Der Starter-Generator (Elektromotor) lässt den Vierzylinder wieder an, sobald der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt, was man an einer deutlichen Vibration spürt. Im Teillastbereich arbeitet der Benziner unauffällig und leise; wer jedoch entgegen aller guten Vorsätze beherzt Gas gibt, weckt den Heuler: Das stufenlose CVT-Getriebe versucht, den Motor im optimalen Leistungsbereich zu halten, was bei Vollgas plärrige Drehzahlen von rund 6.000/min bedeutet. Nach wie vor fühlt sich das Beschleunigen mit dem CVT-Getriebe an, als würde die Kupplung rutschen - und als müsste erst ein großes Schwungrad auf Touren gebracht werden, das anschließend seine Rotationsenergie an die Räder abgibt. Niemand wird den 1,3-Liter häufiger als nötig zur vollen Leistung zwingen; schon deshalb dürfte der Verbrauch niedrig ausfallen. Bei der ersten Ausfahrt waren es laut Bordcomputer im Schnitt genügsame 6,3 Liter/100 Kilometer. Seit der Einführung des ersten Insight 1999 hat Honda das Hybrid-System vier Mal optimiert. Nun ist es noch einmal 19 Prozent kleiner und 28 Prozent leichter als die Einheit im Stufenheck-Civic, wiegt jetzt 58 Kilogramm.

15 Jahre Garantie Sanyo liefert die Nickel-Metallhydrid-Batterie; sie sitzt unter dem Kofferraumboden und besteht aus sieben Modulen (Civic: elf), diese sind aus 84 Einzelzellen mit 1,2 Volt zusammengesetzt. Die Gesamtspannung der Batterie beträgt 100,8 Volt und hat eine Kapazität von 5,75 Ampere-Stunden (Civic: 5,5). Die Sorge um eine defekte und damit teuer zu ersetzende Batterie nimmt Honda allen Interessenten und gibt 15 Jahre Garantie bis maximal 240.000 Kilometer Laufleistung, auf den Hybridantrieb acht Jahre (160.000 km), auf den Rest drei Jahre (100.000 km). Das und der niedrige Preis (rund 6.000 Euro unter dem technisch aufwendigeren Toyota Prius) sollen die Verkäufe im Vergleich zum Vorgänger deutlich anziehen lassen. Diesen brachte Honda weltweit nur 17.000 Mal auf die Straße, 123 davon fuhren beziehungsweise fahren durch Deutschland. Das Hybrid-Feld wollen die Japaner in Zukunft fleißiger bestellen. Alleine vom Insight ist ein Absatz von 200.000 Exemplaren pro Jahr geplant, davon 5.000 in Deutschland. Im nächsten Jahr folgt ein sportliches Coupé sowie 2012 ein Jazz -Hybrid. Schöne neue Hybrid-Welt - die Straßen sind voller Gärtner, und Hunderttausende von Blumen werden erblühen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-02-18

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