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Testbericht

31. Mai 2009

Ein glückliches Händchen im Umgang mit der Hybrid-Technik kann man Honda nicht gerade nachsagen. Die erste Insight-Generation , 1999 vorgestellt, wurde lediglich als Schaustück an die deutschen Händler, aber nicht an Kunden geliefert. Den ersten käuflichen Hybrid im Civic nannten sie IMA (integrated motor assist = integrierte Motor-Unterstützung), so dass ihn potenzielle Kunden erst gar nicht als Hybrid erkannten.

Honda Insight günstiger als Toyota Prius Mit Insight Nummer zwei will Honda aber jetzt Ernst machen und bietet ihn schon für 19.550 Euro an. Zum Test ist allerdings die besser ausgestattete Elegance-Version für 22.200 Euro angetreten. Trotzdem kostet ihr direkter Konkurrent, der kurz vor dem Modellwechsel stehende Toyota Prius II bei vergleichbarer Ausstattung 3.650 Euro mehr.Wie ist das möglich? Kleiner ist der Honda Insight nicht, er rückt dem Toyota Prius in allen Abmessungen bis auf wenige Zentimeter auf den Pelz. Allerdings steckt unter der 4,40 Meter langen Kompaktwagen-Hülle viel Technik aus dem eng verwandten Kleinwagen Honda Jazz , mit dem er sich weite Bereiche von Plattform und Chassis teilt. Das bringt die Entwicklungs-und Stückzahlkosten auf ein erträgliches Niveau. Die Kunden bekommen einen Hybrid, der erfahrene Nutzer dieser Zwei-Motoren-Technik zunächst etwas verwundert. Denn lautloses Rangieren oder elektrisches Anfahren an der Ampel sind nicht möglich, und doch kann man den Insight wie ein E-Mobil bewegen. Allerdings muss er dafür schon rollen, und eine Steigung darf ihm besser nicht in den Weg kommen. Wenn man unter 50 km/h vom Gas geht, der Antrieb in den Schiebebetrieb wechselt und den 1,3-Liter-Vierzylinder abschaltet,beginnt der E-Motor den Akku zu laden. Bei zarter Bedienung des Fahrpedals lässt sich die Geschwindigkeit allein mit dem E-Motor halten und sogar langsam steigern - aber wirklich nur sehr langsam. Start-Stopp-System in der Light-Version Der Elektromotor ist lediglich dreieinhalb Zentimeter dick und wirkt wie eine Scheibe seiner selbst. Dennoch unterstützt er den kleinen Verbrenner wirkungsvoll, wenngleich nicht allzu lange. Schließlich ist die Batteriekapazität gering und an langen Autobahnsteigungen schon nach kurzer Zeit ausgeschöpft. Muss man einen Überholvorgang abschließen, wirken die 88 PS des Benzinmotors schon ziemlich mickrig. Die kleine Batterie sorgt auch an der Ampel für Aha-Effekte. Ganz hybridtypisch verfügt auch der Honda Insight über eine Start-Stopp-Funktion, die den Benzinmotor im Stillstand abschaltet. Laufen jedoch Klimaanlage und elektrische Verbraucher wie das Licht, wird der Vierzylinder schon kurz nach dem Abstellen wieder angeworfen - der Honda Insight verfügt offenbar nur über eine Light-Version des Start-Stopp-Systems.

Honda Insight ist Lehrmeister in Sachen Spritsparen Wer die Stopps verlängern will, sollte den grünen Econ-Knopf (Econ = Effective Control) drücken. Dann sind die Leistungs- und Drehmoment-Abgabe um vier Prozent gekappt, die Gaspedal-Kennlinie wird sanfter eingestellt, das CVT-Getriebe schaltet später, die Bremsenergie-Rückgewinnung wird verstärkt, und die Klimaanlage erlaubt größere Temperaturschwankungen, bevor sie anspringt. Alles Maßnahmen, die helfen sollen, den Kraftstoffkonsum zu senken und eben auch die Stopp-Phasen zu verlängern. Zumindest Letzteres ergab sich beim Test aber nicht. Immerhin muss man nicht im Econ-Modus unterwegs sein, damit der Honda Insight zum Lehrmeister in Sachen Spritsparen wird. Schließlich ist eine ganze Reihe von optischen Anzeigen bemüht,dem Fahrer sparsames oder verbrauchsintensives Fahren zu signalisieren. So lässt sich der Momentanverbrauch im Display anzeigen, wahlweise werden Pflänzchen dargestellt, denen nur dann Blätter wachsen, wenn man ökonomisch unterwegs ist. Oder man wählt die Anzeige der Energieflüsse vom Akku zum Antrieb oder umgekehrt. Als weitere Möglichkeit lässt sich ein Balken abbilden, der beim Beschleunigen oder Bremsen möglichst geringe Ausschläge zeigen sollte. Optisch am eindrucksvollsten ist jedoch das Farbwechselfeld hinter dem digitalen Tacho. Die Fahrer mit schwerem Gasfuß bekommen kaltes blaues Lichtgezeigt, die umweltbewussten Lenker dagegen werden tiefgrün angestrahlt. Wer mit tiefgrünem Licht, vielen beblätterten Pflanzen und einem zum Strich verschlankten Balken unterwegs ist, muss an der Zapfsäule nach 100 Kilometern gerade mal 4,9 Liter Super nachfüllen. Ein absoluter Spitzenwert, der den Insight in die Nähe sehr sparsamer Diesel rückt und der im Segment der kompakten Benziner lediglich vom Toyota Prius unterboten wird. Honda Insight-Verbrauch liegt bei 6,1 L/100 km Weil wir aber nicht in einer idealen Welt leben und gelegentlich eben doch stärker gebremst und zackig beschleunigt werden muss, liegt der Testverbrauch im Mittel bei 6,1 L/100 km, was 142 g/CO2 entspricht. Die eigentliche Sensation ist freilich, dass er den Toyota Prius mit seinem sehr viel aufwendigeren Antriebs-System um mehr als einen halben Liter unterbietet. Sparsamer ist derzeit kein kompakter Benziner und nur wenige Diesel; der von auto motor und sport unter allen aktuellen Kompaktwagen als Sparkönig ermittelte Volvo C30 1.6 D DrIVe liegt mit 5,7 L/100 km im Testmittel kaum darunter. Mit 150 g/CO2 übertrifft er den Honda Insight sogar, weil beim Verbrennen von einem Liter Diesel mehr Kohlendioxid frei wird als beim Verfeuern der gleichen Menge Benzin. Günstiger Preis ist dem Honda Insight anzusehen Nun nützt aber der sparsamste Antrieb wenig, wenn das Auto drum herum kein stimmiges Gesamtpaket darstellt.Wie ist es nun um die automobilen Qualitäten des Honda Insight bestellt? Seinen niedrigen Preis sieht und fühlt man im Interieur. Die hier verwendeten Materialien lassen ahnen, wo Kosten eingespart wurden. An der Hartplastik-Verarbeitung gibt es allerdings wenig auszusetzen. Nicht wenige Öko-Autos enttäuschten in der Vergangenheit zudem mit zu langen Bremswegen, weil sie nur mit schmaler Spar-Bereifung ausgerüstet waren. Der Honda Insight bremst dagegen sehr manierlich. Gutes Raumangebot für Fahrer und Beifahrer Auch die Raum-Ökonomie leidet kaum unter der aerodynamisch geformten Karosserie - zumindest nicht in der ersten Reihe. Selbst Großgewachsene finden hier kommode Platzverhältnisse und sitzen bequem. Die Ergonomie für den Fahrer stimmt, und das ungewöhnlich anmutende Armaturenbrett lässt sich nach kurzer Eingewöhnung leicht bedienen. Eine Ausnahme bildet das Infotainment-System, das neben der Musikanlage und der Navigation eine ganze Reihe weiterer Funktionen parat hält. Ausgerechnet beim Radio-Empfang zeigt die Anlage jedoch Schwächen.

Honda Insight mit 408 Liter Kofferraumvolumen Im Fond sitzt man wenig entspannt, wenn die Körperlänge 180 Zentimeter überschreitet. Dann fehlen Bein-, und Kopffreiheit, die der ausgeprägt abfallenden Dachlinie geopfert wurden. Dafür kann sich der Kofferraum mit seinem Basisvolumen von 408 Litern in der Kompaktklasse sehen lassen. Nach Vorklappen der asymmetrisch geteilten Rückbanklehne wächst der Stauraum auf maximal 1.017 Liter. Problematisch wird es, wenn im Fond voluminöse Kindersitze montiert werden müssen, weil die Sicherheitsgurte sehr kurz ausfallen. Auch der Blick nach schräg hinten offenbart die Nachteile des bereits in den dreißiger Jahren von Wunibald Kamm erfundenen windschlüpfigen Heckabschlusses. Die massige C-Säule verdeckt weite Bereiche, dicke A-Säulen erschweren zusätzlich den Blick nach schräg vorn. Und wie fährt der Honda Insight nun? Wie ein größerer Honda Jazz , was keine Überraschung ist. Hier wie dort gibt es spürbare Komfortschwächen auf kurzen Bodenwellen, der Honda Insight rollt laut ab und poltert über schlechte Straßen. Lange Wellen werden dagegen mit Anstand egalisiert. Die sehr synthetische Lenkung ist bei einem Ökomobil verzeihlich. Positiv fällt auf, dass dem Fahrwerk jede Tücke fehlt. Lastwechsel bleiben ohne unangenehme Reaktionen, zu schnell angegangene Kurven werden mit bravem Untersteuern durchmessen. ESP ist ohnehin serienmäßig an Bord. Honda Insight zeigt noch Verbesserungspotential Das starke Wanken in Wechselkurven zeigt ein weiteres Mal, dass dieses Modell fürs Cruisen gemacht ist. Schnelle Etappen werden auch deshalb unangenehm, weil der auf Reibungsarmut getrimmte Motor über 5.000/min aufdringlich laut plärrt. Eine bessere Schalldämmung wäre wünschenswert. Lässt man es dagegen ruhig angehen, bleibt der Vierzylinder akustisch unauffällig. Im Detail zeigt der günstige Honda Insight II also noch Verbesserungspotenzial,beim Spritsparen macht ihm aber derzeit keiner etwas vor. Damit passt er so gut in die Zeit wie nur wenige automobile Neuerscheinungen der letzten Monate.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-05-31

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