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Testbericht

23. September 2015
Wenn sich die Diskussion in Internetforen auf Kompaktsportler einschießt, dann knistert die Luft. Ähnlich wie ein Honda Civic Type R, nachdem er hart rangenommen wurde. Oder wie ein Seat Leon Cupra 280. Wobei wir damit bereits zwei Kontrahenten hätten, deren Fanboys verbal besonders unerbittlich aufeinander einschlagen. Warum? Weil beide die Gemüter erhitzen – Heißsporne eben.Beide sind die Topversionen von eher beschaulich-allgemeingültigen Modellreihen. Beide schicken so viel Leistung an die Vorderachse, dass eine Differenzialsperre helfen muss. Und beide stürzen sich mit Heißhunger in Kurven. Nur, dem Seat sieht man das kaum an. Doppelrohrauspuff, markante Lufteinlässe und große Räder gehören heute bei vielen Designern schließlich zum Standardrepertoire. So kommt der Cupra 280 als Inkognitosportler ums Eck. Und der Civic? Der ist ein Marktschreier auf vier Rädern und begeistert damit eher ein extrovertiertes Publikum. Da wird nichts hinter dem Berg gehalten – man zeigt, was man hat. Und man hat viel: Kotflügelverbreiterungen, Schürzen, Schweller, Vierrohrauspuff und einen monströsen Heckflügel, der die eine oder andere Kontrolle des Fahrzeugscheins auslösen dürfte. Das macht den Honda zum Tourenwagen für die Straße.

Honda Civic Type R bietet maximales Motorsport-Feeling
Tief in den etwas hoch montierten Schalensitzen kauernd, das griffige Lenkrad mit der Linken fest umschlossen, die Rechte am aus dem Schaltbock ragenden Alustumpf, zappt man sich durchs knackige Getriebe. Bremst sich bis tief in die Biegungen hinein, schnupft eine Ideallinie nach der anderen, geht schon vor dem Scheitelpunkt ans Gas, lässt sich differenzialgesperrt in die Kurve ziehen und turbobefeuert auf die nächste Gerade katapultieren.Bereits von fern kündigt sich ein heranfliegender Type R an, denn die Honda-Techniker haben den Vorschalldämpfer nonchalant eingespart – zugunsten von tiefbassigem, um 5.000/min leider dröhnigem Sound. Bei diesem optischen wie akustischen Schauspiel wird den meisten Augen- und Ohrenzeugen zunächst kaum auffallen, dass dem Eyecatcher ein Seat folgt. Tarngrau, verschämt murmelnd, aber dicht auf den Fersen.

Seat Leon Cupra 280 lässt sich nicht abschütteln
Auf der Landstraße kann der Civic den Leon nicht abschütteln – und dabei gibt er bereits alles, stellt beim Einlenken sogar sein Heck heraus, um den Kurvenradius zu verkleinern. Doch der Cupra hält unerschütterlich mit, lässt sich punktgenau dirigieren, wobei sein Fahrer nicht einmal ins Schwitzen gerät. Ein Rätsel angesichts des Leistungsunterschieds? Schließlich zieht der Honda bei ähnlichem Gewicht mit 30PS und 50Nm mehr ins Rennen.Ein Blick auf die Fahrleistungen: Beim Sprint stemmt sich der Type R zunächst kraftvoller aus dem Startblock, nimmt dem Cupra 280 bis Tempo 100 eine halbe Sekunde ab, beim Zwischensprint von 60 auf 100km/h immer noch 0,4 Sekunden, und er darf bis Tempo 270 statt 250 durchglühen. Sein Zweiliter-Turbo nimmt sich für den Druckaufbau aber merklich Zeit, bevor er dann umso strammer Richtung Drehzahlgrenze marschiert, bis die Schaltblitze aufflammen – während der Seat gleichförmiger loslegt. Sein nutzbares Drehmoment liegt einen Hauch früher an.

Optionale Sportreifen sorgen für mächtig Grip beim Cupra
Doch wirklich Boden gut macht der Cupra Performance mit seinen Sportreifen. Sie sind optional und bieten genau jene Klebrigkeit, die atemberaubende Bremswerte und mitreißende Kurventempi erlaubt. Damit wedelt der Seat etwa so schnell wie ein Porsche 911 GT3 um die Pylonen – bei warm gefahrenen Reifen auf trockenem Asphalt. Bei starkem Regen bauen die profilarmen Reifen dagegen kaum Seitenhalt auf, weshalb der Leon Abzüge bei Fahrsicherheit und Traktion einfährt.Einen kräftigen Punktemalus kassiert der Seat zudem in der Kostenwertung, weil sich die weichen Sportreifen auf griffigem Asphalt beängstigend schnell abfahren. Um den Cupra 280 auf das Ausstattungsniveau des hier antretenden Civic Type R der GT-Linie zu bringen, müsste man für rund 5.000 Euro Extras hinzubestellen – etwa Schalensitze, Navigationssystem, Rückfahrkamera, HiFi-Anlage samt DAB-Radio und diverse Assistenten. Zudem verursacht der Leon die höheren Verschleißteilkosten.

Spaß, Vernunft - oder beides ?
Doch der Seat macht vieles wieder wett – mit Argumenten, welche die Fanboys der gegnerischen Seite stets als unwichtig diffamieren. So bietet der Leon mehr Platz für Passagiere und darf auch mal schweres Gepäck schleppen (Zuladung: 516 Kilogramm. Honda: 297). Anders als der Civic verkneift er sich Klapper- und Knarzgeräusche, und sein Infotainment ist schon aus dem Stegreif leichter zu bedienen. Wegen des kleineren Wendekreises und der besseren Übersichtlichkeit nach hinten gelingt das Einparken deutlich geschmeidiger.Kurz gesagt: Der Leon meistert den Alltag besser – ohne Sportreifen (selbst dann ist der Cupra sauschnell) wäre er das Musterbeispiel eines Erstwagens, der Spaß und Vernunft perfekt in Gleichklang bringt. Zumal er dank breiter Spreizung seiner adaptiven Stoßdämpfer noch komfortabler federt und im Testdurchschnitt etwas weniger verbraucht (8,3 zu 8,7 Liter auf 100 km).Der Seat vereint eben zwei Charaktere, gleitet unspektakulär und leise durch den Alltag, macht einen auf harmlos – dabei hat er es faustdick hinter den Ohren, sobald man Gas gibt. Ein wenig erinnert das an den Plattformbruder VW Golf GTI. So wundert es auch nicht, dass der Alleskönner trotz der schlechteren Ausstattung am Ende diesen Vergleichstest gewinnt.

Honda Civic Type R hält eine Lobrede an die Unvernunft
Ob ein ausgeglichener Typ wie er allerdings in die Annalen eingehen wird? Zweifelhaft, denn im Gedächtnis setzen sich eher Extreme fest. Autos wie der Civic Type R, die ganz offensiv für ihre Sache eintreten, und die heißt: schnell sein – ohne Wenn und Aber. Lobrede an die Unvernunft Toll, dass sich Honda zu diesem Radikalo bekennt. Ihn nicht von Bedenkenträgern kleinargumentieren lässt. Oder ihn zeitgeistig grün zu legitimieren versucht. Der Type R hält eine Lobrede an die Unvernunft und, ja, ist damit etwas aus der Zeit gefallen. Herrlich, nicht?
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-09-23

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