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Testbericht

24. April 2014
Als Eltern noch nicht ständig mit To-Go-Cappuccino herummarschierten, sondern daheim in der Küche Kaffee durch Filterpapier mit Aromaporen brühten, gipfelten Kindergeburtstage im Heimchauffieren der Gäste. Von denen durften immer zwei im Kofferraum mitfahren – ohne Sitz und Gurt. Es waren, wie in solchen Fällen betont wird, andere Zeiten. Die endeten 1999, als mit dem Opel Zafira der erste Kompaktvan mit sieben Sitzen startete. Anderthalb Jahrzehnte später hat er sein Monopol längst verloren. In der Klasse bis 25.000 Euro rangeln siebensitzige Vans und Kastenkombis. Wir testen die wichtigsten sieben auf die entscheidenden Punkte: Platz und Sicherheit.

Dacia Lodgy Nein, der Dacia Lodgy ist kein Auto für die Liebe auf den ersten Blick, überzeugt aber mit inneren Werten, beherbergt sieben Passagiere in Raumfülle. Auf der Zweierbank in Reihe drei reisen selbst Erwachsene im Dacia Lodgy bequem, dahinter bleibt Platz für 207 Liter Gepäck. Dazu darf der Dacia Lodgy mit 873 Kilo am meisten zuladen, bleibt sogar bepackt in Handling und Slalom sicher – stets rigide eingebremst vom ESP. Es regelt im Slalom so heftig, dass die Lenkung verhärtet. Während er kurze Unebenheiten überrumpelt, steckt der Dacia Lodgy lange Wellen gut weg. Doch die Sicherheitsausstattung sollte besser sein, und er kommt sehr preisoptimiert daher. Eine Empfehlung ist er aber, weil er beherrscht, worauf es ankommt.

Fiat 500L Living Das mit der Siebensitzerei beim Fiat 500L Living ist ein Missverständnis. Die Plätze da hinten im Kofferraum sind zwar ohne Einschränkung für Passagiere jeder Größe zugelassen, aber selbst Grundschüler können da kaum sitzen – und dürfen es auch nicht, weil die Hocker nicht für Kindersitze zugelassen sind. Mit 4,36 Metern Länge ist derFiat 500L Living zu kurz für sieben Passagiere, auch wenn 556 Kilo Zuladung dafür noch ausreichten. Fünf Passagiere kommen bequem unter, dazu steigert die geteilt klapp-, verschieb- und lehnenneigungsverstellbare Reihe zwei die Variabilität, die Espressomaschine (249 Euro) den Unterhaltungswert. Davon bietet der Fiat 500L Living beim Fahren mit rückmeldungsscheuer Lenkung und trägem Handling nur wenig, kurvt besonnen und sicher – früh, heftig und ganz im Sinne der Sicherheit vom ESP eingebremst. Dazu federt er ordentlich, nur über kurze Unebenheiten stolpert der Fiat 500L Living.

Kia Carens Dagegen ist der Kia Carens mit kurzen wie langen Unebenheiten vor allem an der torsionsgefederten Hinterachse überfordert – schon lange bevor die volle Zuladung von 642 Kilo ausgenutzt ist. Auch beim Handling strauchelt der Kia Carens, lässt das ESP deutlicheres Untersteuern und stärkere Lastwechselreaktionen als bei den Konkurrenten zu, bevor es – noch immer rechtzeitig – eingreift. Innen überzeugt der Kia Carens mit Variabilität, alle Rücksitze klappen separat um, die in Reihe zwei lassen sich längs verschieben. Die Plätze auf den engen Klappsitzen müssen mühsam erklettert werden. So bleiben solide Verarbeitung und sieben Jahre Garantie die größten Vorzüge des Kia Carens – ein besonders günstiger Preis übrigens nicht mehr.

Opel Zafira Tourer Der Opel Zafira Tourer etwa kostet nur erschwingliche 1.610 Euro mehr. Und rechtfertigt den Aufschlag mit dem großzügigen Platzangebot für fünf. Ärgerlich für Familien ist allerdings, dass Kindersitze nur auf dem Beifahrersitz und den verschiebbaren Außensitzen der zweiten Reihe montiert werden dürfen – Oma und Opa müssen nach ganz hinten auf die Faltsitze, kommen da schwer hin, aber einigermaßen bequem unter. In seiner dritten Generation optimiert der Opel Zafira Tourer seine Variabilität mit den fünf zur Ebene klappenden Rücksitzen, überwacht die hohe Fahrsicherheit mit dem fein abgestimmten ESP, erlaubt sich sogar ein wenig Handling und bietet auch ohne Adaptivdämpfer den besten Federungskomfort – zusammen mit dem Kangoo.

Renault Grand Kangoo Der ist sich bekanntlich für nichts zu schade, trat schon als lifestyliger Zweitürer Bebop (sozusagen Short Wheel Base) auf. Dann reckten ihn die Techniker – wohl ohne Konsultation eines Designers – zum Grand mit 3,4 Kubikmetern Platz hinterm Fahrersitz. Auf den zwei Sitzen im Kofferraum des Renault Grand Kangoo sitzen Erwachsene mit viel Platz und mit bester Aussicht, dahinter bleiben 300 Liter für Gepäck. Die beiden bequemen Sessel hat der Renault Grand Kangoo aus dem Scénic, sie lassen sich längs verschieben und vorklappen. Reihe zwei bietet genug Platz für drei Kindersitze oder taucht bei Bedarf komplett zur Ebene ab.Wenn er sich dann aufmacht, Handlingkurs oder Slalom zu absolvieren, dann gemächlich und vom ESP schon bei zartesten Dynamik-Anwandlungen heftig zurechtgebremst. Aber, Freunde, wie er federn kann: Auch mit sieben Passagieren (646 Kilo Zuladung) verlieren sich lange wie kurze Unebenheiten in den 3,08 Metern Radstand.

Toyota Verso Der Toyota Verso geht ganz auf Nummer sicher, weist etwa mit einem Aufkleber im Kofferraum darauf hin, man möge die beiden Klappsitze nicht während der Fahrt aufstellen. Zeigt er beim Slalom noch maßvolle Sportlichkeit, bremst ihn das ESP bei voller Zuladung (702 Kilo) auf dem Handlingkurs rigide ein. So biegt der Toyota Verso langsam, aber neutral und sehr sicher um Kurven, bietet gleichzeitig gute Rückmeldung in der Lenkung. Dem steht die herbe Federung entgegen. Und das in der dritten Reihe klaustrophobische Raumangebot. Es fehlt gleichermaßen an Kopf- und Knieraum, dazu ist es wegen der kleinen Fenster duster da hinten. Wie bei Carens, Zafira und 500 bleibt mit sieben Sitzen kein nennenswerter Kofferraum übrig. Immerhin klappen alle Rücksitze des Toyota Verso eben um.

VW Caddy Eben mag es auch die Federung des VW Caddy, schon über sachte Unebenheiten rumpelt er herb, auf stärkere bockt die blattgefederte Starrachse bei voller Zuladung (699 Kilo). Auch lange Wellen filtert er nicht so gut weg wie die Rivalen. ESP bremst ihn bei Slalom und Handling früh und etwas grob ein. Ansonsten überzeugt der VW Caddy, der mit enorm viel Platz bis in die dritte Reihe und den großen, praktischen Schiebetüren den Familienalltag erleichtert. Selbst Kindersitze dürfen auf die bequem gepolsterte Zweierbank im Heck, und zwei Erwachsene reisen dort erstaunlich langstreckenkommod. Anders als beim Dacia Lodgy lässt sich die Bank nicht vorklappen, nur die Lehne legt sich flach. So versperrt sie den Kofferraum, muss jedesmal ein- und ausgebaut werden, je nachdem, ob man Gepäck oder Passagiere mitnehmen möchte. Trotzdem bescheinigen wir dem VW Caddy: eine gute Kinderstube.

So haben wir getestet Nach umfangreichen Vergleichsfahrten auf normalen Straßen kamen die sieben Testwagen auf das Bosch-Prüfgelände in Boxberg. Dort mussten sie sich jeweils mit sieben Personen an Bord auf Schlechtwegestrecken, Handlingkurs und im Slalom bewähren. Bei Handling und Slalom bewerteten wir nicht Schnelligkeit, sondern Fahrsicherheit und Beherrschbarkeit.

Wie sitzt man in der dritten Reihe? Vollwertige Siebensitzer sind nur Dacia Lodgy, Renault Grand Kangoo und VW Caddy. Mehr als Notsitze bieten Kia Carens, Opel Zafira Tourer und Toyota Verso nicht, der Fiat 500L Living nicht einmal das. Dort verklemmen sich schon Kinder auf den Klapphockern, stoßen mit den Knien gegen die Rückenlehnen der zweiten Reihe – selbst wenn die ein Stück vorgerückt ist. Auf solche Schieberei können Lodgy, Caddy und Kangoo leicht verzichten, bringen sie doch selbst Erwachsene – nach etwas Kletterei dorthin – in Reihe drei auf bequemen Sitzen und Bänken unter.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-04-24

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