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Testbericht

10. Dezember 2009

Anno 1983 sah die Revolu­tion auf vier Rädern aus wie ein vorne angeschrägter Holzklotz, war 4,26 Meter lang, bot innen bis zu sieben Einzel­sitze und trug ein Kleid aus Kunststoff - der Renault Espace begründete das Segment der Mini-Vans und streitet sich bis heute mit dem Chrysler Vo­yager um diesen Titel. Wie sich 13 Jahre später mit dem Renault Scé­nic zeigen sollte, funktioniert das Espace-Konzept auch eine Fahrzeugklasse darunter. Seit diesem Frühling steht bei den Händlern dessen dritte Genera­tion, die nun erstmals von Peugeot Konkurrenz bekommt.

Grand Scénic und 5008 bieten viel Platz Mit der dort bei Nischenmo­dellen üblichen Doppel-Null in der Modellbezeichnung, jedoch ohne den typischen Kühlergrill im XXL-Format, empfiehlt sich der Peugeot 5008 platzbedürftigen Fa­milien. Allerdings kosten die Sitze sechs und sieben selbst in der zum Test angetretenen Topversion Platinum 700 Euro Aufpreis. Renault verlangt üb­rigens genau so viel, der Test­wagen verzichtet allerdings auf dieses Extra. Vorteil Peugeot: Alle fünf Fondsitze lassen sich zu einer ebenen Ladefläche im Boden versenken. Die Sitze in der zweiten Reihen können überdies in Längsrichtung ver­schoben und in der Neigung justiert werden. Darüber hinaus lassen sich die Sitzflächen hochgeklappen und das ge­samte Paket nach vorn rücken, was den Zugang zur letzten Reihe erheblich erleichtert. So findet jeder Passagier bequem seinen Platz unter dem großen Panoramadach, das leider nicht geöffnet werden kann. Außerdem schränkt es die Kopffreiheit im Fond spürbar ein, weshalb nur Passagiere bis 1,85 Meter Körpergröße aufrecht sitzen können. Peugeot 5008: Nicht wirklich bequem Wirk­lich bequem reist es sich auf den schmalen und harten Stühlen dann noch immer nicht. Auf den beiden hin­tersten Plätzen haben nur Kin­der ihren Spaß, weil sie von dort aus die tolle Aussicht ge­nießen können und weder mit Kopf noch Knie schmerzhaft anecken. Wie es sich wohl im rund 22 Zentimeter kürzeren Ur-Espace angefühlt hat? Er­wachsene sind jedenfalls nur ganz vorne bequem unterge­bracht. Die Sitze sind breit, an­genehm weich gepolstert und bieten sogar ein bisschen Sei­tenhalt. Der Verstellbereich wurde ausreichend großzügig bemessen, wenngleich die Lehnenverstellung per Hebel grobrastig und nicht beson­ders hochwertig wirkt. Das Peugeot-Cockpit wirkt hochwertig Beim Rest des Cockpits hat sich Peugeot dagegen viel Mü­he gegeben. Edle Chromränder - zumindest täuschend echte Imitate - fassen die Instru­mente ein und werten die Wippschalter in der Mittelkon­sole auf, genarbte und ge­schäumte Kunststoffe ergießen sich über das üppige Armatu­renbrett. Dort fährt mittig der Navigationsbildschirm aus, und vor dem Fahrer richtet sich eine kleine Polykarbonat­scheibe für das Head-up-Dis­play auf. Neben der Geschwin­digkeit informiert es über den Status von Tempomat und Ab­standswarner. Die Navigation überzeugt mit einer klaren Kartendarstellung (auch in 3D) und einer angenehmen Stimme, die in fehlerfreiem Deutsch die Anweisungen gibt, sowie einer reaktionsschnellen und zuverlässigen Sprachsteu­erung. Das klingt - wie der Aufpreis von 2.200 Euro - schon fast nach Oberklasse. Peugeot 5008: Gute Bremsen, aber enttäuschender Fahrkomfort Der Abstandswarner kann da nicht mithalten, da er weder über eine akustische Warn­funktion verfügt noch mittels der Geschwindigkeitsregelung automatisch den optimalen Abstand zum vorausfahrenden Auto hält. Das System warnt lediglich durch Blinken, wenn der vom Fahrer gewählte Min­destabstand unterschritten wird - was dieses beim Plati­num serienmäßige Feature generell in Frage stellt. Wirklich hilfreich sind dagegen die auf konstant hohem Niveau verzögernden Bremsen. Die Fahrwerksabstimmung lässt wiederum Konsequenz vermissen. In flott angegangenen Kurven untersteuert der 5008 sehr früh und zeigt überra­schende Lastwechselreakti­onen, weshalb das ESP oft ein­greifen muss. Dabei wankt die Karosserie deutlich. Wer nun daraus folgert, dass der Peu­geot ausgesprochen komforta­bel federt, wird speziell beim Überfahren kurzer Bodenwel­len enttäuscht. Ziemlich grob werden diese an die Insassen weitergereicht, der Fahrer spürt die Verwerfungen bis in die Lenkung hinein.

Kultivierter Zweiliter-Diesel im Peugeot 5008 Dabei hätte der 150 PS starke Dieselmotor ein komfortabel abgestimmtes Fahrwerk ver­dient. Das Zweiliter-Triebwerk gehört zu den kultiviertesten seiner Klasse, bei Betriebstemperatur dringt selten mehr als zufriedenes Brummen zu den Passagieren - es sei denn, man trotzt ihm hohe Drehzahlen ab. Doch ab 3.500/min nimmt die Drehwilligkeit rapide ab, der Geräusch­pegel dagegen stark zu. Macht nichts, denn für das maximale Drehmoment von 340 Newton­metern stellt das Fahrzeugge­wicht von über 1,7 Tonnen kein ernsthaftes Hindernis dar. Fleißiges Schalten bleibt dem Fahrer erspart - er hätte auf­grund der ausgeleiert wir­kenden Führung des Sechs­ganggetriebes ohnehin nicht viel Spaß daran. Die schalt­faule Fahrweise wirkt sich zu­dem positiv auf den Testver­brauch (7,5 L/100 km) aus. Der Renault Grand Scénic ist etwas flotter unterwegs Noch flotter, wenn auch weni­ger ökonomisch geht es im Renault voran. Daran haben weniger die zehn Mehr-PS als vielmehr das zusätzliche Dreh­moment von 40 Nm erheb­lichen Anteil. Fast drei Sekun­den nimmt der Grand Scénic dem 5008 bei der für sichere Überholvorgänge relevanten Elastizitätsprüfung ab. Selbst hohe Drehzahlen scheut der Direkteinspritzer nicht, was ihm wiederum einen leichten Vorsprung beim Sprint von null auf 100 km/h einbringt (10,0 zu 10,4 Sekunden). Und wenn die Gerade ein Ende hat, bleibt der kleine Bruder des Espace weiter deutlich vor dem Peugeot 5008 . Durch die etwas straf­fere Dämpfung bewahrt er in schnellen Kurven länger die Neutralität, die Lenkung trägt mit ihrer direkteren Auslegung unterstützend dazu bei. M ehr Individuali­tät im Cockpit bei Renault Nun liegt die Vermutung nahe, dass die höhere Fahrdynamik zu Lasten des für Vans viel be­deutenderen Komforts geht. Tatsächlich federt der Renault Grand Scénic deutlich trockener, ver­meidet aber dabei übertriebene Härte ebenso wie unflätig über Unebenheiten polternde Räder. Lange wie kurze Bodenwellen werden souverän absorbiert, wobei sich die Karosseriebe­wegungen in Grenzen halten. Die Sitze in der ersten Reihe sind passend dazu mit etwas mehr Seitenhalt versehen. Im Cockpit leistet sich der Renault mit dem zentralen Di­gital-Display mehr Individuali­tät, die jedoch zu Lasten der Praktikabilität geht. Lässt sich die Geschwindigkeit noch gut ablesen, muss man sich für alle anderen Informationen et­was umständlich durch Menüs scrollen. Selbst das intuitive Anwählen des Lieblings-Radio­senders gelingt nicht jedem.

Der Renault Grand Scénic bietet Fondpassagieren mehr Platz und Komfort Auch das festeingebaute Tom­Tom-Navi reicht weder bei der Routenwahl noch bei der Kar­tendarstellung an das aufwen­dige Peugeot-Gerät heran, kostet dafür mit 490 Euro erheblich weniger. Den Mitreisenden in der zwei­ten Reihe dürfte das egal sein. Sie freuen sich über ergono­mischer geformte und be­quemer gepolsterte Sitze. Überdies bleibt mehr Luft über dem Scheitel. Störend sind da­gegen die ausziehbaren Kopf­stützen, deren Unterkante selbst in der höchsten Position unangenehm auf die Wirbel­säule drückt. Hinsichtlich der Variabilität sind die Talente der Rücksitze ebenfalls begrenzt. Sie lassen sich weder verschieben noch platzsparend versenken. Statt­dessen können nur die Leh­nen oder das gesamte Sitzpaket nach vorne geklappt werden. Um eine ebene Lade­fläche zu erhalten, müssen die schweren Möbel ganz aus­gebaut werden. Vom Erfinder des Mini-Vans hätte man mehr Einfallsreichtum erwar­ten können.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-12-10

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