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Testbericht

11. August 2016
Der eine Motor hat seinen Ursprung in Aachen, ist mit Auszeichnungen hochdekoriert und gilt als der Aufbruch in neue Antriebszeiten. Ein Downsizing-Wunder, schrieben nicht wenige, als er 2012 auf den Markt kam. Der andere ist ein V8, born in the USA in den 90ern, als CO2 für die meisten nur das Sprudeln im Mineralwasser war. Einem älteren Herrn auf dem Edeka-Parkplatz sind diese Fakten egal, er glüht nur für den Mustang. Als stünde ihm ein leibhaftiger Dinosaurier gegenüber, changiert sein Gesichtsausdruck zwischen Respekt und Begeisterung, sobald er die 5.0 am Kotflügel entdeckt: Ist das echt ein Fünflitermotor? Was schluckt so einer? Genau das ist die Frage. Wir Autofahrer haben uns inzwischen daran gewöhnt, dass uns fast alle Herstellerangaben beim Verbrauch irreführen. Wenn es um den realen Verbrauch geht, packt man am besten immer noch etwas Mehrwertsteuer auf die EU-Angabe drauf.

V8 verbraucht weniger als beim NEFZ
Doch dann schippert eben eines Tages dieses große Stück Metall über den Atlantik und schafft auf der auto motor und sport-Eco-Runde das Kunststück, 4,3 Liter oder 32 Prozent unter seiner NEFZ-Angabe von 13,5 Litern pro 100 km zu bleiben. Was vor allem daran liegt, dass der NEFZ mit seinen festen geschwindigkeits- (!) und nicht drehzahlabhängigen Schaltvorschriften ein Tritt in die Weichteile eines jeden großen Motors mit Schaltgetriebe ist. Selbst beim ams-Testverbrauch konsumiert der V8 spürbar weniger, als die EU-Norm sagt.Und wir sind ehrlich: Überragend langsam fährt die ams-Crew einen V8-Mustang im Test nicht. Ein Einliter-Dreizylinder in einem Ford Mondeo wird – bei allem Respekt vor seinen 125 PS – im Test dagegen nicht überragend schnell bewegt. Wie auch? Trotzdem kippte sich der Direkteinspritzer je nach Fahrweise fröhlich gurgelnd ein bis fünf Maß Super mehr in seine Brennräume als nach EU-Norm versprochen. Was passiert also, wenn man diese beiden sogar auf der gleichen Ford-CD-Plattform aufbauenden Verbrenner der Extreme zu einem Verbrauchs-Roadtrip einlädt? Gleiche Strecke, gleiches Wetter, gleiches Tempo und gleiche Fahrer.

Ford Mustang 5.0 V8 schnaubt im Stadtverkehr
Die Strecke vom Brandenburger Tor in Berlin zur Classic Remise in Düsseldorf soll es sein. Rund 600 km, viel Autobahn mit einem Abstecher über die Landstraße und zum Start eine Berlin-Citytour. Los geht’s. Der 421 PS starke V8 schnaubt zum Start dunkel-bassig, was der Dreizylinder mit einem Knattern kontert, als müsste er gleich den Rasen im Tiergarten mähen. Da hört der Fachmann doch gleich, wer von den beiden Trinker-Potenzial hat. Und so kommt es: Bei jeder Ampelphase genehmigt sich der V8 ’nen Kurzen Super 95, die interne Reibung dominiert, das Getriebe kämpft mit den niedrigen Tempi, und der rettende, lange sechste Gang läuft erst ab 45 km/h ruckelfrei. Resignierend registriert der Fahrer 15 Liter pro 100 Kilometer am Ortsausgangsschild auf dem Bordcomputer.

Ford Mondeo 1.0 Ecoboost röhrt und gurgelt
Und der Mondeo? Röhrt und gurgelt sich start-stoppend von Ampel zu Ampel. Stadtverkehr liegt dem Motor. Noch spritzig kommt er mit seinen 170 Nm aus dem Drehzahlkeller und meldet stolz 8,2 Liter auf seinem Bordcomputer. Die echten Tankwerte sparen wir uns: zu wenig Kilometer für einen sauberen Vergleich. Sollen wir die Tour lieber abbrechen? Der V8 bekommt seine nächste Chance: Die nächsten 300 Kilometer über viel Autobahn und etwas Landstraße werden zur Prüfung für jeden Motoren-Gourmet. Es herrscht strenge Gas-Askese und Richtgeschwindigkeitspflicht. Vom präsenten Klang des Einliters ist nichts mehr zu hören.Im Mondeo herrscht entspannte Ruhe. Sein Motor ist ein hochmodernes Kerlchen mit Direkteinspritzung, variabler Ventilverstellung und Turboaufladung sowieso. Ein wenig verloren scheint er quer im großen Motorraum zu schweben. In Wikipedia steht, er sei eine Entwicklung des Kölner Ford-Entwicklungszentrums und der Kollegen im englischen Dunton. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Vor allem die Downsizing-Spezialisten der FEV in Aachen haben kräftig mitentwickelt. Seinen ruhigen Lauf verdankt er einer definierten Unwucht in der Kurbelwelle, die die mächtigen Rundlauflücken eines Dreizylinders ausgleicht.

Hightech gegen Hubraum
Noch wichtiger als diese Laufruhe-Kür ist es aber, so kleinen Aggregaten das Volllast-Saufen abzugewöhnen. Wenn es dem Zylinder zu heiß wird, lässt er das normalerweise durch die Einspritzung regeln. Die pumpt mehr Sprit rein, als mit der vorhandenen Luft verbrannt werden kann (Anfettung), der Kraftstoff verdunstet – und das kühlt den Zylinder. Um dies einzudämmen, gießt Ford Zylinderkopf und Krümmer in einem Stück und integriert eine Wasserkühlung, die wiederum getrennt vom unteren Teil des Motors läuft. Kühlere Luftverhältnisse und damit weniger Volllast-Anreicherung und Verbrauch sind die Folge – so die Theorie.Der V8 läuft derweil subtil grummelnd im sehr langen sechsten Gang. Wenn der Mondeo-Triple bei Tempo 120 schon mit rund 2.750 Touren rotiert, schöpft der große Sauger gemütlich bei 2.000/min aus den Tiefen seines Hubraums. Rund ein Drittel weniger Drehzahl egalisiert einiges vom Reibungsnachteil von acht zu drei Kolben. Der Coyote-V8 kämpft nicht an der harten Technikfront. Direkteinspritzung oder gar einen Lader verkneift er sich. Immerhin besitzt er 32 Ventile, zwei obenliegende Nockenwellen – bei einem Ami-V8 durchaus erwähnenswert – und als Erster dieser Ford-Motorenfamilie eine variable Ventilzeitverstellung mit optimiertem Ansaugtrakt. Reden wir nicht drum herum: Hier schwingt ein veritabler Baseballschläger gegen eine kleine, feine Klinge.

Mega-Verbrauch für den V8
Und die Keule trifft an der Tanke: Nur 8,4 Liter pro 100 km beim V8 lassen selbst die Tester nur noch staunen. Der 265 kg schwerere Mustang verbraucht nur zwei Liter mehr als sein Bruder – das ist eine Klatsche für 20 Jahre Motorenentwicklung. Logisch wird der Mustang bei Volllast auch zum Trinker – wen wundert’s physikalisch bei der Leistung –, aber er kann eben auch sparsam.Dabei fehlt noch die Königsetappe: die zügige Autobahnfahrt mit bis zu 170 km/h. Ein höheres Tempo wurde mit Rücksicht auf die Fähigkeiten des Ecoboost und damit die Geduld des Fahrers nicht gewählt. Der Ritt auf dem Fünfliter-Mustang begeistert dagegen. Der V8 grummelt böse, die Haube vibriert, und der Apparat schiebt souverän voran. Währenddessen nölt der Einliter, beleidigt von so viel Leistungsdruck, und stellt, egal in welchem Gang, merklichen Vortrieb ein. Dem intern Fox genannten Motor ist das zu viel: zu viel Auto, zu viel Tempo, zu viel Drehzahl. An der Tankstelle die Quittung: 10,3 Liter auf 100 Kilometer für den Mondeo, nur 1,9 Liter mehr für den V8. Jetzt hat der Herr am Edeka seine Antwort – und die hätte ihn erst recht erstaunt.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-08-11

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