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Testbericht

7. Juli 2013
Ohne praktische Intelligenz kommen wir hier nicht weiter. Wenn es gilt, Familienmitglieder, Haustiere, Sportgeräte oder Wochenend-Einkäufe und Bausatzmöbel zu transportieren, können nur ausgesprochen pragmatische Autos bestehen. Die Sekundärtugenden wie Raumangebot, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit sind eben bei einem kompakten Kombi wichtiger als Fahrspaß, Überholprestige oder Nordschleifen-Zeiten. Wenn es nach schlichten Zahlen und Vergleichstestpunkten, also nach Vernunft, ging, war der Skoda Octavia Combi immer schon der Klassenprimus. Die Kombination aus ausgereifter VW-Technik und solider Produktqualität zum konkurrenzfähigen Preis erwies sich meist als unschlagbar. Was sollte da bei der neuen Skoda Octavia-Generation anders werden? Doch ganz so einfach wollen wir es dem Musterknaben aus Mladá Boleslav nicht machen. Der Skoda Octavia Combi muss sich im Vergleichstest zwei etablierten Konkurrenten stellen, dem Ford Focus Turnier und dem Opel Astra Sports Tourer. Und weil es auch in dieser Kombi-Klasse nicht immer der Diesel sein muss, kommen diesmal die Benziner zum Zug: der Ford mit dem hochmodernen, 150PS starken Direkteinspritzer 1.6 Ecoboost, der Opel mit dem 1.4 Turbo und 140PS sowie der Skoda Octavia mit dem gleichstarken 1.4 TSI-Triebwerk. Derart motorisiert, in den feinen Ausstattungsvarianten Titanium, Innovation und Elegance sowie mit ein paar Extras aufgeputzt, sind die Kompakt-Kombis dann jeweils knapp über 24.500 Euro teuer, liegen also im Bereich des durchschnittlichen Neuwagenpreises in Deutschland – echte Volks-Kombi. Immerhin gibt es die drei Kombis mit gleicher Motorisierung, aber weniger Ausstattung bereits ab knapp über 20.000 Euro.

Skoda Octavia bietet am meisten Platz Rund 80 Prozent aller Skoda Octavia werden in Deutschland als Combi verkauft – kein Schreibfehler, denn die Steilheck-Skoda schreiben sich nun mal so. Nicht ganz so hoch ist der Anteil bei Astra und Focus, da entscheiden sich jeweils knapp über 50 Prozent der deutschen Käufer für die Kombi-Varianten – die im Übrigen im Falle des Ford selbstbewusst den traditionellen Namen Turnier tragen, während der Astra vom gewohnten Caravan in Sports Tourer umbenannt wurde. Außer dem Namen verlor der Astra-Kombi beim Modellwechsel vor drei Jahren auch 40 Liter maximales Laderaumvolumen. Doch die jetzt verfügbaren 1.550 Liter sind ein sehr ordentlicher Wert, an dem es nichts zu bemängeln gäbe, böte der Octavia Combi nicht deutlich mehr. Bei geringeren Außenmaßen, denn der ausladende Astra ist mit fast 4,7 Meter Gesamtlänge vier Zentimeter länger als der ebenfalls gar nicht mehr so kompakte Octavia. Fast 15 Zentimeter kürzer als der Astra ist der Focus Turnier, in dessen praxisgerechter geformtes Heck etwas weniger reinpasst (höchstens 1.516 Liter), das sich jedoch mit der steileren Heckscheibe als besser nutzbar erweist. Die ausgeprägtesten Kombi-Talente hat jedoch der Skoda Octavia, dessen Ladevolumen selbst das mancher Mittelklasse-Konkurrenten klar übertrifft. Dabei kommt das ausgesprochen großzügige Platzangebot des Skoda Octavia nicht nur dem Ladegut, sondern auch den Passagieren zugute. Vorne wie hinten sitzt es sich ausgesprochen luftig auf bequemen Sitzgelegenheiten, die im Falle des Testwagens mit aufpreispflichtigen (820 Euro) Leder-Alcantara-Bezügen versehen sind. Nicht dass man sich in den beiden Konkurrenten wesentlich schlechter untergebracht fühlte, doch die Sitze sind in beiden nicht ganz so komfortabel. Auch nicht die optionalen Ergonomie-Sitze des Opel (Fahrersitz 390 Euro), die zwar hervorragenden Halt bieten, aber äußerst umständlich zu verstellen sind. Leichter hat man es, wenn es gilt, aus der Fondlehne eine Ladefläche zu basteln. Das geht in allen drei Kombis erfreulich flott, mit leichten Vorteilen wieder für den Skoda Octavia, wenn dieser mit der optionalen Fernentriegelung (80 Euro) versehen ist. Für den Opel ist ebenfalls eine Fernentriegelung lieferbar (Flexfold, 195 Euro), zudem lässt sich die Rückbank komplett vorklappen und ausbauen, ein kleines Plus an Variabilität. Überhaupt sind die drei Kombis sehr praxisgerecht eingerichtet, auch wenn es einiges nur gegen Aufpreis gibt, wie etwa das empfehlenswerte FlexOrganizer-Paket (220 Euro) zur Ladungssicherung bei Opel, die elektrisch schließende Heckklappe des Skoda Octavia (350 Euro) oder den Türkantenschutz beim Ford (150 Euro).

Einfachste Bedienung im Skoda Octavia Wer Zeit in das Studium der Preislisten investiert und ausgefallenere Ausstattungswünsche hat, findet bei den nüchternen Kompaktwagen weniger Optionen vor als bei einigen teureren Konkurrenten. Immerhin ist Xenonlicht bei allen dreien verfügbar, bei Opel beispielsweise das aufwendige und sehr gute Adaptivlicht AFL für 1.250 Euro. Ähnlich teuer ist das adaptive Xenonlicht des Skoda Octavia (1.298 Euro), für den Focus gibt es normale Bi-Xenon-Scheinwerfer für günstige 960 Euro. Wenn es um einfache Bedienung geht, liegt schon wieder der Skoda Octavia vorn. Seine Bedienelemente sind übersichtlich und logisch angeordnet, die Instrumente bestens ablesbar, und der große, hochauflösende Navimonitor ist schlichtweg eine Generation moderner als die grobpixeligen Kleinbildschirme in Ford und Opel.

Ford Focus federt am besten Falls Ihnen jetzt beim Lesen langweilig wird, weil der Skoda Octavia immer so ein Streber ist: Beim Fahrkomfort erlaubt er sich eine kleine Schwäche. Sowohl Focus als auch Astra federn besser, wobei der Opel mit dem 980 Euro teuren adaptiven Flexride-Fahrwerk antritt. Doch besonders der Ford gefällt sowohl bei der Fahrt über Autobahnen und Landstraßen als auch auf den Rüttelstrecken des Bosch-Testzentrums Boxberg mit feinem Ansprechen und unaufgeregtem Ausfedern von gröberen Unebenheiten. Fast so gut schneidet der Opel ab, der in der "Tour"-Stellung des Adaptiv-Fahrwerks ebenfalls ordentlich anspricht, doch mehr Karosseriebewegung zeigt als der ausgeglichene Ford. Bei all diesen Übungen wirkt der Skoda Octavia nicht so souverän. Seine Vorderradaufhängung kann eine leichte Stuckerneigung nicht verbergen, und die Hinterachse steckt kleine Stöße weniger elegant weg als die des Ford. Selbst beladen ändert sich daran nicht viel, wobei festzuhalten gilt, dass der Skoda Octavia die geringste Zuladung hat. Er ist zwar mit 1.378 kg der Leichteste des Trios, doch 464 kg sind für einen so großen Kombi etwas spärlich. Focus und Astra dürfen da mit 500 kg und 537 kg schon etwas mehr einpacken, ohne dass sich an ihren guten Federungseigenschaften etwas entscheidend änderte. Der Focus bringt übrigens nur ein paar Kilo mehr auf die Waage als der Skoda Octavia, während der Astra mit 1.503 Kilogramm rund zwei Zentner mehr wiegt. Schön auch, dass bei allen die maximale Zuladung nichts an den sicheren Fahreigenschaften ändert. Sie bleiben selbst bei provozierten Lastwechseln ruhig, regeln allzu großen Übermut mit gezielt eingreifendem ESP weg und bleiben so stets sicher beherrschbar. Vorteile verbucht hier der Ford mit seiner sehr feinfühligen Lenkung, die etwas sauberer arbeitet als diejenige des Skoda Octavia und deutlich mehr Rückmeldung zeigt als die gefühllose Opel-Lenkung. Überhaupt ist Fahrer-Feedback nicht die Stärke des Astra, wie auch die Bremse mit matschigem, undefinierbarem Druckpunkt zeigt. Was leichter zu verschmerzen wäre, wenn sie besser als nur durchschnittlich gut bremste. Da glänzt wiederum der Skoda Octavia, der leer wie beladen aus 100km/h nach kaum mehr als 35 Metern zum Stillstand kommt – ein Wert, der vor wenigen Jahren noch zu Sportwagen und nicht zu einem Kompaktkombi gehört hätte.

Skoda Octavia ist fix und sparsam Bei den Antriebsqualitäten müssen wir schon wieder den Skoda Octavia loben, sein 140PS starker 1.4 TSI ist in fast allen Belangen der Konkurrenz überlegen. Er geht nicht nur nach Messwerten eine ganze Klasse besser als der ebenfalls hochmoderne Ecoboost und der betagte Opel-Turbo, im wahren Leben fühlt er sich noch schneller an. Der Direkteinspritzer ist lebendig und drehfreudig, hängt so gut am Gas, dass die offizielle Leistungs- und Drehmomentangaben eher untertrieben erscheinen. Ein kleiner Blick auf die Messtabellen gefällig? Beim Beschleunigen im sechsten Gang von 80 auf 120km/h nimmt der Skoda Octavia dem Ford über vier Sekunden ab (11,3 und 15,6), der Opel benötigt für die gleiche Übung mit 22 Sekunden fast doppelt so lang – eine andere Liga. Doch das Astra-Triebwerk agiert nicht nur ausgesprochen zäh und lustlos, sondern schluckt auch noch mehr als die Konkurrenz – sowohl beim Minimal- wie auch beim Testverbrauch. Sparmeister ist der TSI-Motor des Skoda Octavia, der mit vorsichtigem Gasfuss bewegt kaum mehr als fünf Liter konsumiert und im Testmittel auf 7,4 Liter kommt. Focus und Astra benötigen im Testmittel rund einen Liter mehr Superbenzin. Den vibrationsärmsten und leisesten Lauf bietet wiederum das Ford-Triebwerk, der Skoda Octavia-Motor hat eine etwas kernigere Aussprache, doch wirklich störend dröhnig ist keiner der drei Vierzylinder-Benziner. Wenig Unterschiede zeigen sich bei der Kraftübertragung, lang übersetzte Sechsgang-Schaltgetriebe sind hierzulande Standard in dieser Klasse. Knackig und schnell lässt sich das Focus-Getriebe schalten, fast ebensogut funktioniert das im Skoda Octavia, etwas schlechter – weil hakeliger – im Astra. Wer übrigens lieber schalten lässt, kommt beim Skoda Octavias chlecht weg: Ein DSG gibt es nur für den 180PS starken 1.8 TSI, womit ein Aufpreis von rund 4.000 Euro fällig würde. Anders beim Ford: Das Doppelkupplungsgetriebe Powershift ist nur für den 125PS starken Benziner lieferbar, den es ab 22.670 Euro gibt. Bei Opel hingegen ist eine Sechsstufen-Automatik zu haben, für 1.295 Euro Aufpreis.

Teurer Opel, günstiger Skoda Da wir ohnehin vom Geld reden: Das teuerste Auto muss nicht das beste sein. Ausstattungsbereinigt kostet der Astra Sports Tourer 2.500 Euro mehr als der Skoda Octavia Combi und 2.200 mehr als der Focus Turnier. Bei Vernunftsentscheidungen kann so ein Unterschied ausschlaggebend sein.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-07-07

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