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Testbericht

14. Juni 2016
Jetzt also auch Ford: Was Marken wie Audi, Porsche und BMW recht ist, kann bei den Kölnern billig sein. Wir reden von limitierten Modellen. Stückzahl, nicht Tempo. Und statt billig sagen wir lieber: preiswert. 24.640 Euro für einen ordentlich ausgestatteten Viermeter-Knaller mit 200PS.

200PS? Manchmal sind es sogar 215!
Was kann der? Fiesta ST200, limitiert in Stückzahl (zunächst mal 500, können aber auch noch mehr werden) und Farbe (asphaltgrau, mattschwarze Felgen), jedoch nicht beim Fahrspaß. Dazu kommen wir gleich, vorher noch ein kurzes Briefing. In diesem Jahr wird der Fiesta 40 (was, schon?) und da dachte sich Ford, statt schalen Whisky, plörrigen Rotwein oder eine olle Krawatte zu schenken, hauen wir doch lieber eine heißgemachte Variante des Fiesta ST raus. Außerdem verabschieden sie damit das aktuelle Modell mit einem würdigen Oberhaupt in den Ruhestand. Und das protzt nicht mit Technik-Overkill, sondern einfach zehn Prozent mehr Leistung und 20 Prozent mehr Drehmoment als das ST-Brüderchen. Wenn es pressiert, legt der 1,6-Liter-Turbo sogar noch einen Overboost auf. 20 Sekunden lang prasseln dann 320 Newtonmeter und 215PS auf die Vorderachse.

Ford Fiesta ST200 kann Druck und Drehzahl
Kriegt die das gebacken? Das checken wir jetzt mal an. Los geht es. Platz nehmen in den saugend passenden, jedoch nach wie vor etwas hoch montierten Recaros – beim ST 200 serienmäßig mit Leder-Stoffbezug und Ziernaht. Kurzes Staunen über das inzwischen etwas angejahrte Ambiente und den fitzeligen Navibildschirm (Aufpreis 430 Euro, die man sich sparen kann). Egal: Startknopf drücken. Der ST200 startet genauso lässig wie Europameister ST, der mit 30.000 Stück meistverkaufte in seiner Klasse. Die Gänge der Sechsgangschaltung rasten exakt, mit der richtigen Mischung aus knochig und flutschig. Unter Last brummt der Einssechser schon bei niedrigem Tempo bassig, der Sound-Composer leistet ganze Arbeit, ab 3.000/min schiebt er kräftiger, bei 4.500/min scheint er nochmal zuzulegen, röhrt energisch bis über 6.000.Brazilian waxing? Gibt’s in Wolfsburg, in Köln darf man ruhig noch ein paar Haare auf der Brust zeigen. Und auf fetzige Unterhaltung verstand sich schon der ST, der 200 legt noch eins drauf. Etwa mit seinem dynamisierten Antriebsstrang, der mehr Leistung mit einer sechs Prozent kürzeren Gesamtübersetzung mixt, wovon nicht nur die Standardbeschleunigung, sondern auch der Durchzug profitiert.

Fahrwerk des Ford Fiesta ST200 ist neutral und ehrlich
Den spürt man deutlich beim Hechten von Kurve zu Kurve, die der ST200 mit Heißhunger inhaliert. Fest und verbindlich die Lenkung, nicht zu leicht- und nicht zu schwergängig. Erst unter Volllast schummeln sich Antriebseinflüsse rein, kommt der Grip beim Rausbeschleunigen aus Kurven an die Grenze Nun, wenn 290 Newtonmeter anliegen, dürfen die Gummis schon mal anschwitzen. Doch dann wieder: Anbremsen, Linie anpeilen, rein damit. Klasse. Untersteuern? Praktisch keines. Wer akkurat fährt, wird vom ST200 mit Neutralität belohnt. Auch das Heck spielt mit, setzt sich in die Kurve, lenkt quasi mit, drückt erst beim provozierten Gaslupfen zart. Klasse. Kein Wunder: Ford montiert eine steifere Drehstabfederung sowie einen dickeren Stabi an der Hinterachse und softet die Dämpferkennung für mehr Komfort etwas ab. Damit rollt der sportliche zwar immer noch nicht flauschig ab, einmal in Fahrt passt es aber, selbst ungepflegte Landstraßen sind kein Problem.Umso schöner, dass die Goodies auch dem modellgepflegten normalen ST zugutekommen. Gleiches gilt für die simulierte Vorderachssperre per Bremseingriff. Klar kann so etwas keine richtige mechanische, wie etwa im Opel Corsa OPC ersetzen, dafür gibt es aber kein Gezerre in der Lenkung, entfällt der Kampf beim Einlenken. Überhaupt: vergessen wir jetzt mal den ganzen Technikkram, machen uns nochmal schnell die Straßen der Seealpen Untertan.

Das passt perfekt!
Wie der geneigte Pressesprecher versprach: Fahren, sonst nix. Das kann er, der ST200. Flüstert dir Vertrauen ein, während der erstarkte Turbo-Vierer die Steigungen hinaufberserkert, obenraus fast so energisch wie ein zorniger kleiner Sauger brüllt, nur dass er schon untenrum Druck auf dem Kessel hat, obenraus kontinuierlich nachlegt. Dieses Paket passt perfekt für Landstraße mit Geraden und Kurven, erst recht für Pässe-Feinkost wie den Col de Vence. Hier posert dich kein Testo-Monster die nächste Gerade rauf um dich vor der Kurve mit jeder Menge kinetischer Energie alleinzulassen. Ruckzuck hangelst du an der Haftgrenze lang, genießt im Sport-Modus die Freiheit der langen ESP-Leine (ganz aus geht natürlich auch), cuttest die Innenkurven, schraddelst am Grünstreifen entlang und freust dich über jeden optimal getroffenen Brems-, Scheitel- und Schaltpunkt.Und das für 24.640 Euro. Dafür bieten die ganz oben erwähnten Marken ein nettes Optionsbündel, Ford hingegen ein ganzes Auto. Herzlichen Glückwunsch, Fiesta! Und wer die 24 großen Scheine gerade nicht auf Tasche hat, der normale ST ab 20.640 Euro ist ebenfalls ein toller Typ, wenn auch nur mit 182PS.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-06-14

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