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Testbericht

19. April 2013
Wir könnten jetzt über happige Spritpreise lamentieren, über Parkplatznot in Innenstädten oder den steigenden CO2-Ausstoß. Alles prima Argumente für Kleinwagen und doch alles nur die halbe Wahrheit. Mit vier Türen, knapp 300 Liter Laderaum und kräftigen Benzinmotoren hat sich die Vier-Meter-Fraktion längst vom rationalen Problemlöser zum perfekten Alltagsbegleiter hochgearbeitet. Ford Fiesta mit überzeugendem Turbomotor Wie zum Beispiel der jüngst modellgepflegte Ford Fiesta: Sein 125PS starker Dreizylinder heimste schon viel Lob ein, doch selbst die schwächere Ecoboost-Variante mit 100PS überzeugt auf ganzer Linie. Dank Turboaufladung liegt das volle Drehmoment schon ab 1.400/min an, entsprechend emsig wuselt das vibrationsarme Einliter-Aggregat durchs Drehzahlband. Bestens zum gebotenen Elan passt die direkte und gefühlvolle Lenkung, mit der sich der Fiesta zackig durch Kurven scheuchen lässt und per Gaspedallupfer sogar leicht mit dem Heck lenkt. Wie von Ford gewohnt geht das Temperament nicht zu Lasten des Komforts. Das beim Facelift verfeinerte Ford Fiesta-Fahrwerk bügelt kurze Querfugen und tiefe Verwerfungen gleichermaßen gekonnt aus. Für hohe Langstreckentauglichkeit sorgen ausreichend Platz für vier Erwachsene sowie bequeme Sitze vorn und hinten. Trotz des überzeugenden Gesamtpakets finden sich auch Schwächen im Detail: So hat Ford den Rückwärtsgang des Fünfgang-Getriebes dort hingelegt, wo sonst der Sechste ist, eine wirksame Sperre jedoch vergessen. Das Beladen des Kofferraums wird zudem durch den schmalen Heck-Ausschnitt erschwert. Den Puls am meisten nach oben treibt jedoch die mit Knöpfen übersäte Mittelkonsole samt konfusen Infotainment-Menüs. Immerhin verschafft ein Blick auf die Tankrechnung Entspannung: Mit 4,7 Liter Minimalverbrauch besitzt der Ford Fiesta einen der sparsamsten Motoren im Test. Peugeot 208 ist ein Leichtgewicht Einen, aber nicht den sparsamsten. Der sitzt nämlich im Peugeot 208, hat ebenfalls drei Zylinder und kommt bei Minimal- und Testverbrauch nochmals auf ein Zehntel weniger – was ihm zusammen mit dem 50-Liter-Tank zu dieseligen Reichweiten verhilft. 82PS genügen für muntere Fahrleistungen, auch weil der VTi ein bis zwei Zentner weniger zu schleppen hat als seine Konkurrenten. Doch der 1.200er muss ohne die belebende Wirkung eines Laders auskommen, entsprechend tranig macht er sich ans Werk, um beim Ausdrehen kernig zu vibrieren. Auch wegen der gefühllosen Lenkung und ellenlangen Schaltwege lässt es sein Fahrer lieber entspannt angehen, freut sich über den geschmeidigen Federungskomfort und das moderne Infotainment-System mit großem Touchscreen-Monitor. Die zu weichen Sitze wirken jedoch nur im ersten Moment bequem, zudem stört das kleine Lenkrad, das einen Teil der hoch positionierten Instrumente verdeckt. Auch bei Qualitätsanmutung, Agilität oder Raumangebot kann der erst seit einem Jahr gebaute 208 nicht wirklich überzeugen. Opel Corsa mit hoher Funktionalität Der 2006 vorgestellte Opel Corsa geht mit 1,4 Liter Hubraum und damit dem Big Block unter den Zwerg-Motoren an den Start. Ohne Aufladung oder Direkteinspritzung entspricht der 100PS starke Vierzylinder alter Maschinenbau-Schule und ist daher etwas durstiger: Als Einziger lässt er sich nicht unter sechs Liter/100 km drücken, ohne sich mit besonderem Einsatz zu revanchieren. Dafür entschädigt der Opel mit klassischen Karosserie-Tugenden, die windkanal-optimierten Spritsparern immer mehr abtrainiert werden: Hohe Türen erlauben einen bequemen Einstieg vorn und hinten, die schmalen Dachpfosten ergeben die beste Übersicht. Zudem verhilft der variable Kofferraumboden bei umgeklappter Rückbank zu einer ebenen Fläche ohne Stufen und Ladekanten. Unterwegs wird das Wohlgefühl jedoch von einer poltrigen Federung und dem wenig ambitionierten Handling getrübt – das können die meisten Kleinen inzwischen besser. Zudem kommt der Corsa nicht besonders günstig: Trotz des höchsten Listenpreises von fast 18.000 Euro bietet er als Innovation längst nicht die beste Ausstattung. Kia Rio gibt den Ausstattungsriesen Ausstattung? Willkommen bei Kia: Obwohl fast 3.000 Euro günstiger als der Corsa, klotzt der Kia Rio Spirit mit 17-Zoll-Rädern, beheizbarem Lenkrad, Park- und Regensensoren sowie Klimaautomatik – Extras, die selbst in der Mittelklasse noch extra kosten. Sieben Jahre Garantie schaffen ebenfalls Vertrauen. Dabei will der koreanische Spätstarter nicht mehr nur über den Geldbeutel Marktanteile abknapsen: So sorgt der längste Radstand im Test für dynamische Proportionen und viel Platz im Innenraum. Dass die Anfangsjahre automobiler Minimallösungen bei Kia Geschichte sind, beweist das solide Cockpit samt erwachsenen Instrumenten und fein klickenden Schaltern sowie körpergerecht geformten Sitzen. Doch auch die Hyundai-Tochter hat noch Luft nach oben, Beispiel Motor: Der biedere 1,2-Liter-Sauger mit 85PS kommt kaum aus den Puschen, auch weil ein großer Übersetzungssprung vom ersten zum zweiten Gang die Drehzahl in den Keller fallen lässt. Für den Zwischensprint von 80 auf 120 benötigt der Rio zudem 50 Prozent länger als der Rest des Testfeldes. Oder das Fahrverhalten: Trotz straffer Abstimmung und entsprechend kernigem Federungskomfort geht der Rio Kurven unentschlossen an, schiebt früh über die Vorderräder und wird von hektischen ESP-Eingriffen gebremst. Seat Ibiza mit Sahne-Antrieb Fehlt noch der Seat: Als sportliche Polo-Alternative positioniert, darf sich der Seat Ibiza die Filetstücke vom VW-Buffet stibitzen, wie das famose Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Bi-Xenon-Lampen oder den 1,2-Liter-TSI. Sowohl bei Beschleunigung, Durchzugskraft als auch Laufkultur spielt der Vier-zylinder-Turbo in einer eigenen Liga. Dafür genehmigt er sich ein paar Zehntel mehr als der Ford Fiesta-Dreizylinder. Zudem stürmt der Seat nicht ganz so aufgeregt durch enge Kehren wie der Ford, lässt sich mit seiner gefühlvollen und gelassenen Lenkung jedoch leichter in der Spur halten und verschreckt selbst bei unüberlegten Gaspedallupfern nicht mit zickigen Reaktionen. Im Vergleich zu Antrieb und Fahrverhalten ragen die übrigen Ibiza-Qualitäten weniger deutlich heraus. Der Qualitätseindruck im Cockpit ist zwar sehr ordentlich, erreicht jedoch nicht ganz VW-Niveau, die Sitze sind bequem, wenngleich etwas kurz. Auch die Handhabung gibt keine Rätsel auf, die Radio-Fernbedienung wäre auf statt hinter dem Lenkrad jedoch besser aufgehoben. Darüber hinaus gehen die flach stehenden Seitenscheiben zu Lasten des Raumgefühls in Reihe zwei, freilich ohne dass es dadurch eng im Ibiza würde. Eng geht es in diesem Vergleich nur beim Testergebnis zu. Mit fünf Punkten liegt der Seat Ibiza am Ende vor dem Ford Fiesta, womit die beiden Turbos den Sieg unter sich ausmachen. Mit ihren schlapperen Saugmotoren fahren Kia Rio, Peugeot 208 und Opel Corsa auch punktemäßig hinterher.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-04-19

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