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Testbericht

28. Juni 2014
Ein normaler Golf ist Ihnen also zu klein, der Variant zu lang, ein Touran nicht mehr frisch genug und der Tiguan zu teuer? Na dann mal herzlich willkommen im Golf Sportsvan. Im Gegensatz zum schmächtigen Hochsitz-Vorgänger Plus zielt der jüngste Hut auf VWs modularem Querbaukasten auf Familienversteher wie den Ford C-Max. Wobei Hut nicht abwertend gemeint ist, sondern die korrekte Bezeichnung für alles oberhalb der Bodengruppe darstellt, wie Karosserie und Interieur.

Viel Sinn fürs Praktische Und da hat VW tatsächlich einiges in den Hut gezaubert: Obwohl nur eine Handbreit länger als die Ausgangsbasis, sitzen Fahrer und Co. deutlich luftiger hinter dem kantigen Armaturenbrett und freuen sich über den bequemeren Einstieg durch die sechs Zentimeter höhere Sitzposition. Noch größer fallen die Unterschiede in Reihe zwei aus. Wenn statt Beinfreiheit maximales Kofferraumvolumen gefragt ist, rutscht die angenehm gepolsterte und in der Lehnenneigung justierbare Rückbank um 18 Zentimeter nach vorn. An Kopffreiheit besteht ohnehin kein Mangel, selbst wenn – wie im Testwagen – das Panorama-Schiebedach den Innenraum mit Licht flutet. Liegt der Ladeboden in der oberen Position, entsteht beim Umlegen der Rückbank eine nahezu ebene Fläche, die bei vorgeklappter Beifahrerlehne (93 Euro) über 2,50 Meter lange Regale oder Bierbänke schluckt. Liebe zum Detail verraten die beiden Nasen, die den hochgestellten Kofferraumboden arretieren, oder Deckel, die Kleinkram am Verschwinden unter der Rückbank hindern. Bei Umzügen oder Sommerpartys dürfte Sportsvan-Besitzern der Fahrerjob sicher sein – keine schlechte Aussicht für alle, die lieber durch die Gegend düsen, als Möbel zu schleppen oder Gemüse einzukaufen.

Ford C-Max bereitet jede Menge Spaß Mit seinen Fondsitzen qualifiziert sich auch der Ford C-Max zum Chauffeurs-Auto: Wird das schmale Mittelstück der Rückbank weggeklappt (230 Euro), rutschen die äußeren Sessel ein Stück nach hinten und zur Mitte – bei schräg gestellter Lehne fehlt zum Business-Gefühl nur noch ein Gläschen Tomatensaft. Obwohl schon seit 2010 auf dem Markt, gehört der Ford C-Max nach wie vor zu den begabtesten Lademeistern mit bis zu 1.723 Litern Maximalvolumen. Damit schluckt der C-Max einen Kleinwagen-Kofferraum mehr als der Sportsvan. Der XL-Laderaum will jedoch hart erarbeitet werden: Da die Sessel selbst zusammengeklappt noch im Weg stehen, müssen sie einzeln ausgebaut und irgendwo zwischengelagert werden. Transporter-Charme versprühen auch Teile der Innenausstattung: In unterschiedlichen Grautönen schimmerndes Hartplastik wirkt ebenso wenig hochwertig wie die einfach gepolsterten und schmal geschnittenen Vordersitze, die bei geöffneter Heckklappe sichtbaren Karosserie-Schweißpunkte oder die statt eines Motorhaubenlifts verwendete simple Klemmstange. Das 870 Euro teure Navi mit Mini-Bildschirm und wirrer Bedienung liefert zudem wenig Argumente gegen eine 100-Euro-Saugnapf-Alternative aus dem Elektronikmarkt. Doch der Weg dorthin bereitet jede Menge Spaß: Mit seiner direkten Lenkung wirft sich der Ford C-Max mit Wonne in Kurven, bleibt selbst in schnellen Kehren leicht beherrschbar. Darüber hinaus stemmt der 1,6-Liter-Ecoboost-Vierzylinder den Ford mit Wucht aus dem Startblock und wuselt leichtfüßig durchs Drehzahlband. Erfreulich: Seine Agilität erkauft sich der Ford C-Max nicht mit einer harten Abstimmung. Trotz Serie-50-Rädern geht er geschmeidig über Asphaltflicken und tiefe Verwerfungen hinweg.

Kräftiger und kultivierter VW Golf Sportsvan TSI Der VW Golf Sportsvan TSI federt ähnlich komfortabel, braucht hierfür jedoch die adaptiven Dämpfer (1.000 Euro). Ansonsten erinnert der Vergleich an die Geschichte vom Hasen und Igel: Vieles, was der Ford C-Max gut kann, beherrscht der Sportsvan nochmals einen Tick besser. Sein 1,4-Liter-TSI beschleunigt kräftiger, zieht im langen Gang wuchtiger durch, bleibt leiser und sparsamer (7,6 zu 8,7 l/100 km). Im Testparcours wedelt der VW schneller um die Pylonen und erreicht die kürzeren Bremswege. Mit seiner präzisen und stoßarmen Lenkung sowie den geringen Karosseriebewegungen sorgt der XL-Golf für das entspanntere Fahrgefühl, zu dem auch die bequemeren Sitze und die hochwertigen Materialien beitragen.

Teures Infotainment im VW Golf Sportsvan Kritikpunkte muss man bei ihm mit der Lupe suchen: Die Lenkradfernbedienung ist mit zu vielen Knöpfen überfrachtet, zudem verwehrt VW seinen Sportsvan-Kunden das praktische Mirrorlink-System aus dem Polo, mit dem sich Handys als preiswerte Infotainment-Gehilfen einspannen lassen. Wer aktuelle Online-Dienste möchte, muss daher zu den sehr guten, aber auch sehr teuren Navigationsgeräten greifen. Mit 27.600 Euro kostet der VW Golf Sportsvan TSI als Highline ohnehin über 2.000 Euro mehr. Da er jedoch besser ausgestattet ist (u. a. mit Xenonlampen) und im Unterhalt günstiger kommt, macht der agile und geräumige Ford bei den Kosten kaum Boden auf den praktischen und edlen Sportsvan gut. Wir ziehen daher den Hut vor VW neuestem Hut.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-06-28

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