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Testbericht

21. Januar 2010

Evolution - das klingt doch nett. Netter jedenfalls als ihre große Schwester, die Revolution. Bei diesem Begriff denkt man ja schon mal an Umsturz, Chaos oder rollende Köpfe. Widmen wir uns also lieber der Evolution, der sanften Verbesserung. Obwohl sie auf Dauer ebenfalls Unnötiges aussiebt - Darwin lässt grüßen. Den hatte vielleicht auch die Fiat -Truppe im Hinterkopf, als sie dem Grande Punto ein zartes Fitnessprogramm verordnete.

besonders rockig wirkt der Fiat Punto Evo nicht Weg mit Grande , her mit Evo - dazu ein neu gezeichnetes Gesicht plus technische Veränderungen wie etwa optimierte Akustikdichtungen. Zudem besitzt der neue Fiat Punto serienmäßig ESP, sieben Airbags und eine Berganfahrhilfe. Letzteres ist etwas, an das Italien-Freaks im Zusammenhang mit dem Begriff Evo als allerletztes denken. Ihre glühenden Herzen huldigen lieber dem Lancia Delta Integrale Evoluzione, der breitspurig und turbopeitschend über Asphalt und Schotter rockte. Besonders rockig wirkt der Punto Evo allerdings nicht, zumal er sich von seinem maseratiartigen Grill trennte. Die Linie des neuen Fiat Punto wirkt stimmig Sein neues Antlitz geht glatt als fernöstliches Irgendwas durch - allerdings ein sehr sauber gemachtes. Im Zusammenspiel mit den Schwellern der Racing-Version wirkt die Linie jedenfalls stimmig - von den Scheinwerfern mit serienmäßigem Abbiegelicht über die Aluminiumräder bis zu den umgestylten Rücklichtern. Nicht zu vergessen die inneren Werte. So liefert der Punto Evo Racing zum Preis von 18.300 Euro Stereo- und Klimaanlage sowie eine Freisprecheinrichtung mit. Benutzer von Tom-Tom-Navigationsgeräten könnte das entsprechende Dock im Armaturenbrett (60 Euro) interessieren. Das Armaturenbrett des Fiat Punto Evo präsentiert sich äußerst geschmackvoll Apropos Armaturenbrett: Hier haben die Fiat-Leute gegenüber dem attraktiven Vorgänger nochmal nachgelegt. So spannt sich Kunstlederbezug noch großflächiger über den Armaturenträger, paktiert mit hochglänzenden Passagen in Klavierlack-Optik plus silbrigen Rahmen. Und das derart geschmackvoll, dass man die immer noch vorhandenen Hartkunststoffflächen gnädig übersieht. Es bereitet ohnehin mehr Freude, auf die schicken Rundinstrumente in Höhlen zu blicken, denen man sogar die unpraktische Skalierung verzeiht.

Der 1,3 Liter große Multijet-Diesel des Fiat Punto kommt relativ zäh aus den Blöcken Dazwischen steckt das aus diversen Fiat-Modellen bekannte Digitaldisplay, dem man nach kurzer Eingewöhnung - die Bedienung läuft über Lenkradhebel sowie Tasten - diverse Informationen zu Durchschnittsverbrauch und mehr entlocken kann. Den teils trägen Lauf der Nadeln zu verzeihen fällt deutlich schwerer. Schuld an deren phlegmatischer Bewegung trägt der 1,3 Liter große Multijet-Diesel. Trotz überarbeiteter Common-Rail-Einspritzung (1.600 bar), variabler Ladergeometrie und mehr Leistung sowie Drehmoment als der Vorgänger (jetzt 95 PS und 200 Newtonmeter) kommt er verhältnismäßig zäh aus den Blöcken. Was auch daran liegt, dass sie ihm bei Fiat im Zuge der Evolution den sechsten Gang geklaut haben. Bei hohen Drehzahlen wird es laut im Fiat Punto Evo Das verbessert zwar die Ausgangsposition beim Messprozedere der ECE-Normverbräuche, zwingt ihm aber im Gegenzug große Gangsprünge auf. Subjektiv gerät die Abfahrt wegen der Verbindung aus langem Gaspedalweg und tiefem Turboloch damit wenig erquicklich. Na ja, der 1,3-Liter braucht halt Drehzahl, meinen Sie? Dann wird es aber laut im Innenraum. Metallisch greinend und vibrierend dokumentiert der Multijet, dass ihm höhere Touren ebenso wenig liegen wie stämmiger Antritt aus dem Drehzahlkeller. Sei’s drum, ökonomisch soll er ja sein, wozu er eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik nebst Schaltanzeige im Cockpit mitbringt.

Der Fiat Punto Evo verbraucht 6,3 Liter auf 100km Das allein spart laut Fiat bis zu 15 Prozent Diesel. Im Test konsumierte der Fiat Punto Evo mit 6,3 L/100 km zwar 0,2 Liter weniger als sein Vorgänger, aber fast einen Liter mehr als ein 105 PS starker VW Polo 1.6 TDI . Um den Konsum noch weiter zu reduzieren, möchte Fiat zusätzliche 15 Prozent Sparpotenzial zwischen den Ohren des Fahrers mobilisieren und bietet dazu im Internet kostenlose Software an, die den eigenen Fahrstil analysiert, bewertet und Tipps zur Verbesserung gibt. Etwas Verbesserung könnte die elektrisch unterstützte Servolenkung vertragen, die reichlich synthetisch agiert. Das hindert den 1,2-Tonner nicht daran, flink und kalkulierbar um Kurven zu wetzen. Im gut vier Meter langen Fiat Punto Evo reist es sich komfortabel Das gegenüber dem Grande Punto mit besser geräuschdämmenden Gummilagern versehene Fahrwerk bleibt dennoch weiterhin im Kleinwagen-Mittelfeld stecken. Holziges Ansprechen auf kurze Unebenheiten sowie eine ausgeprägte Stuckerneigung auf holprigen Betonplatten-Autobahnen kosten Sympathien. Dafür bleibt das Innengeräuschniveau bis auf den stets präsenten Dieselmotor unaufdringlich, sowohl Wind als auch Fahrwerk halten sich akustisch zurück. Damit reist es sich im gut vier Meter langen Punto Evo komfortabel. Das Platzangebot auf den befriedigend gepolsterten Sitzen im luftig gestalteten Innenraum genügt problemlos vier Erwachsenen. Selbst auf längeren Strecken sind keine Meutereien von der Rückbank zu erwarten. Viel Stauraum mit umgeklappten Rücksitzlehnen Verlangt der Standardgepäckraum von 275 Litern noch etwas Zurückhaltung beim Kofferpacken, bietet der Punto mit flachgelegten Rücksitzlehnen 1.030 Liter. Folgerichtig sah Fiat hier keinen Evolutionsbedarf. Beim Dieselmotor und dem Fahrwerk hätte die Verbesserung ruhig etwas habhafter ausfallen können. Die harmonische Optik des Punto Evo hätte es verdient.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-01-21

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