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Testbericht

8. Mai 2013
Ein Testgelände ist natürlich eine Frechheit. Aus Sicht eines Modells der Marke Land Rover zumindest, eines Kraftwagens also, der noch den Geist des Empires in sich trägt und nicht dazu gebaut wird, etwas auszuprobieren, sondern etwas zu Ende zu bringen – fremde Völker zu entdecken und zu unterwerfen etwa. Weil sich mittlerweile dazu kaum mehr die Möglichkeit bietet, treffen wir den Range Rover in Wülfrath – was nicht ganz so weltgewandt klingt, wie er es wohl gerne hätte. Immerhin ist er der vierte Herrscher einer Dynastie, die seit 1970 beweist, dass man steiflippige Manieren nicht aufgeben muss, nur weil sich auf dem Weg von Chile nach Brasilien die Anden oder Bolivien in den Weg stellen. Seit 43 Jahren ist der Range Rover der King off the Road, woran auch die zeitgeistigen Prioritäten der Neuauflage nichts ändern. Den Technikern sei es gelungen, so vermeldet Land Rover stolz, das Gewicht des Range Rover im Vergleich zu seinem Vorgänger um bis zu 420 kg zu reduzieren, was etwa so viel bringt, als hackte man vier Doppelzentner aus einer Pyramide. Nach der sehr optimistischen Werksangabe stehen da noch immer 2.330 Kilo Britannien im Kies. Fiat Panda 4x4 mit Einfach-Allrad Exakt halb so schwer ist der Fiat Panda 4x4. Vor 30 Jahren startete die Allradkiste; Steyr-Daimler-Puch entwickelte damals einen Simpel-4WD für den ersten Panda. Zwischen den Vordersitzen entspringt ein Hebel, reißt man den im Stand hoch, verzahnt sich der Hinterradantrieb. Dabei zuckt der Panda I zusammen, als habe ihn jemand in den Hintern gekniffen. Doch dann wühlt sich der kleine Bär so energisch durch Feld, Wald und Wiesen, dass er bis heute das bevorzugte Vehikel miesepetriger Bergbauern blieb, die mit ihm durch Serpentinen semmeln, dass die Schmutzlappen wehen. Obwohl das Marketing beim Debüt des Fiat Panda 4x4 letzten Herbst über das dringliche Allradbedürfnis der ja immer jungen, hippen Stadtmenschen fabulierte, zielt auch der Panda III als 4x4 auf das wilde, echte Leben, behält seine muntere Aufmüpfigkeit. Warum sonst sollte er jetzt in den Steinbruch stürmen, eine Staubfahne hinter sich, runter zum Range Rover, der da steht und versucht, die Contenance zu wahren, als der Fiat Panda 4x4 neben ihm stotterbremst, dass die Kiesel spratzeln? Dann startet der Motor des Range Rover V8 Supercharged, ein V8-Benziner, dem ein Kompressor zu launigen 510PS und stabilem Durst verhilft. Etwas träge erhebt sich der Wagen, wird von der serienmäßigen Luftfederung auf die vollen 30,3 Zentimeter Bodenfreiheit gepumpt. Den Range Rover verlässt nie der Mut Land Rovers 120.000 Quadratmeter großes Experience Center ist für ihn nur ein Spielzimmer. 800 Tonnen Sand, 2.500 Tonnen Fels und viel Geröll haben sie ihm zu einem Parcours mit 45 Hindernissen hingeschüttet. Der Range Rover überwindet sie alle mit arroganter Lässigkeit. Dabei reden wir hier nicht von sacht eingeschotterten Waldwegen, sondern von Rumpelpisten mit Kratern groß wie Badewannen. Doch die erkennt das Terrain Response²-System im Range Rover, legt automatisch die Untersetzung ein, reckt den Wagen per Luftfederung auf das passende Niveau, regelt Differenzialsperren, passt Kennlinien an. Dann stelzt der Range Rover durchs Gelände, während du müßig am Lenkrad sitzt. Es genügt, die Richtung auszuwählen – um alles andere kümmert sich die perfekte Technik, die im Gegensatz zum Fahrer nie der Mut verlässt. So droht dem Abenteuer, das Abenteuerliche abzugehen. Du könntest dich eigentlich in die Fondsitze flauschen und an etwas Champagner aus der gekühlten Mittelkonsole nippen, während der Range Rover auf seinen 22-Zoll-Rädern Schotterpisten glattbügelt, Dünen plättet, Berge erniedrigt und Erdölreserven verknappt. Nur in engen Passagen droht sich das Trumm zu verkanten. Da helfen die Rundum-Kameras, um nicht aus Versehen eine Sandfurt, einen Baumstumpf oder einen Fiat Panda 4x4 zu übersehen (immerhin schaltete Terrain Response² ja rechtzeitig auf den Modus Sand, Wald oder Geröll). Im Fiat Panda 4x4 gibt es ein anderes Surround-View-System: Rausgucken. Schon wegen der knapperen 16 Zentimeter Bodenfreiheit kann er keine solch enormen Brocken überwinden oder derart tiefe Löcher durchsteigen wie der Range Rover. Muss er auch nicht, da fährt er einfach drumrum. 40,1 Zentimeter schmaler, 23 niedriger und 131 kürzer, kann er aus drei, vier Spuren durch den Schlamm wählen, wo dem Range Rover nur eine bleibt, duckt sich unter Ästen, die der Brite mit den A-Säulen wegschieben muss. Er kann wenden und umkehren, wo der Brite gezwungen ist, weiterzukämpfen. Fiat Panda kämpft sich tapfer durch So wühlt der Fiat Panda 4x4 mit seinem einfachen, bei Bedarf zuschaltenden Allradsystem clever und talentiert los, gleicht Leistungs- und Technikdefizit mit Wendigkeit und beherztem Einsatz aus. Wenn der Range Rover mit Untersetzung (2,38:1), in der zweiten Stufe seiner Achtgangautomatik und bei Bedarf mit 625Nm über alle Berge ist, nagelt sie der Diesel-Panda mit 75PS im ersten Gang hochtourig hinauf, rutscht auf dem Unterboden Sandhügel hinunter. Mit Kupplungsschleifen und der elektronisch simulierten Differenzialsperre wühlt er sich auf kleinen 15-Zoll-M&S-Reifen durch ein Felsgebirge und eine Wüste, plantscht schließlich durch einen reißenden Fluss. Aus der Perspektive des fast acht Mal teureren, doppelt so schweren und sieben Mal stärkeren Range Rover ist der Fluss eine Pfütze, die Wüste ein Sandkasten, das Gebirge ein kleiner Haufen Steine. Ist er deswegen ein elitäres Auto? Na, selbstverständlich. So wird er statt fremder Länder die Society erobern. Dagegen zeigt die tapfere Allradkiste von Fiat, dass viel Kies nicht fröhlicher stimmt als etwas Schotter.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-05-08

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