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Testbericht

23. April 2013
Menschen nehmen von Generation zu Generation an körperlicher Größe zu. Dieser Trend gilt auch für ihre Automobile: Traten der Fiat 500 und der Mini einst mit 3,55 und 3,6 Meter Länge noch als knuddelig-kompakte Kleinwagen an, mit genug Raum für Passagiere, aber nicht mehr für deren bisweilen sperriges Gepäck, so zeigen die jüngeren Sprösslinge der Familien jetzt einen deutlichen Zuwachs an automobiler Größe. Der viertürige Mini Countryman erstreckt sich heute immerhin über 4,1 Meter Karosserielänge, und der ebenfalls viertürige Fiat 500L übertrifft ihn sogar noch um weitere fünf Zentimeter. Vier Erwachsene finden in beiden Nutzwürfeln mit den kurzen Schnauzen hinreichend Platz, der fünfte Passagier nur dann, wenn er sich die hintere Sitzbank mit zwei nicht zu stämmig geratenen Mitreisenden teilt. Fiat 500L hat beim Raumkonzept die Nase vorn Die Gepäckräume liegen mit 400 Litern (Fiat 500L) beziehungsweise 450 Litern (Mini) auf gutem, durchschnittlichen Niveau. Sobald die Rücksitze aber flachgelegt und nach vorn geklappt werden, geht der Fiat 500L in Front. Unter seinem Zwischenboden führt zusätzlicher Raum mit ebener Durchlademöglichkeit zu nicht weniger als 1.310 Liter Gesamtvolumen, während der ebenfalls mit einer Zwischenbodenklappe bestückte Mini mit 1.170 Litern im Vergleich klar Zweiter wird. Bei den im Verhältnis ein zu zwei Drittel geteilten Fondsitzen, die in beiden Modellen längs um etwa zehn Zentimeter verschiebbar sind, bietet der Countryman durch seinen separat klappbaren Mittelteil mit Armlehne und gleichzeitiger Durchlademöglichkeit etwa für Skier etwas mehr Variabilität als der Fiat 500L. Eigenheit des kleinen Italieners: Die Rücksitz-Passagiere hocken im Fiat 500L eine Handbreit höher als ihre Vordermänner. Das soll einerseits die Sicht nach vorne verbessern, bringt andererseits aber die Köpfe der Insassen dem Dachhimmel relativ nahe, da der durch das Glasdach und dessen Rollo-Abdeckung ohnehin leicht tiefer hängt als in den Versionen ohne den Durchblick nach oben. Die Kopffreiheit ist also im Countryman etwas besser als im Fiat 500L, die Beinfreiheit hingegen hier wie dort erfreulich groß. Auf den vorderen Plätzen sammelt der Mini zusätzliche Pluspunkte. Im Fiat meint der Fahrer, auf einem leicht erhöhten Kutschbock mit schlecht erreichbaren Verstellhebeln zu thronen. Auch in der Disziplin Seitenführung könnte der Fiat 500L noch deutlich zulegen. Während die Sitze im Mini besser ausgeformt sind und den Körper seitlich auch bei zügiger Kurvenfahrt gut abstützen, fehlt es dem Frontgestühl aus Italien an Konturierung. Fiat 500L: Zweizylinder ist rau, aber kräftig So ähnlich die Konzepte, so unterschiedlich die Antriebe. Während der Mini aus vier Zylindern und 1,6 Liter Hubraum 98PS schöpft, wringt der Fiat 500L aus nur zwei Zylindern und putzigen 875 ccm immerhin 105PS – dem Turbolader seis gedankt. Klar, dass sich der Laufcharakter der beiden Aggregate voneinander abhebt wie ein rockiger Trommelwirbel von den sanften Harmonien eines Kammerquartetts. Hechelt der kleine Zweizylinder im Fiat 500L beim Gasgeben los wie ein freilaufender Kettenhund, mit Knurren und Beben und Zähnefletschen, legt der Mini-Motor an Drehzahl zu mit der unauffälligen Dienstfertigkeit eines Salon-Setters, der Aufregungen aller Art lieber Frauchen überlässt. Der Twinair-Zweizylinder zwirbelt im Fiat 500L ungerührt bis hinauf zur Nenndrehzahl von 5.500/min, während der Mini-Vierzylinder den Eindruck zurücklässt, er hätte eigentlich gerne schon ab 4.000/min seine Ruhe. Müssen es denn unbedingt die 6.000 Touren aus den technischen Daten sein? Mit seinem feurigen, leicht ungehobelten Auftreten erinnert der Fiat 500L-Motor an einen 19-jährigen Liebhaber aus Sizilien, stets bereit, alles zu geben. Der Mini-Treibsatz scheint dagegen von den motorischen Idealen seiner Mutter-Marke BMW meilenweit entfernt. Läuft er beim Spurt von null auf 100km/h mit 13,5 Sekunden dem Fiat 500L noch um 0,2 Sekunden davon, verliert er bei den Elastizitäts-Messungen betrüblich deutlich: Von 60 bis 100km/h braucht er im fünften der sechs Gänge 4,9 Sekunden mehr Zeit. Runterschalten bringt nichts: Auch im vierten Gang ist der Fiat 500L noch um fast vier Sekunden hurtiger. Näher kommen sich die beiden Vergleichskandidaten erst wieder bei der Höchstgeschwindigkeit: Der Mini lässt es bei 173km/h bewenden, der Fiat 500L schwingt sich immerhin zu 180km/h auf. Mini bietet mehr Fahrdynamik Während der Mini auf der Autobahn hauptsächlich durch sein leiseres Motorengeräusch und die im Vergleich zum Fiat 500L fehlenden Vibrationen auffällt, entfaltet der englische Landmann seine sportlichen Talente mit Vorliebe auf den Landstraßen, und zwar frei nach dem Motto: je kurviger, desto besser. Durch seinen niedrigeren Aufbau und auch die tieferen hinteren Sitze unterbindet er in zügig umrundeten Kurven erfolgreich große Wankwinkel. Dadurch bleibt er auch in schnellen Wechselkurven deutlich ruhiger. Und dann sind da noch die Bremsen. Nach zehn Vollbremsungen bringen sie den Mini aus Tempo 100 schon nach 36,1 Metern zum Stehen; der Fiat 500L rollt dagegen 3,6 Meter weiter, also um fast eine ganze Autolänge. Federung und Dämpfung, Sitzposition, die präzise ansprechende Lenkung und die leistungsfähige Bremse machen den Countryman zum besseren Freund, wenn es darum geht, möglichst hurtig durch den New Forest zu fräsen, auf den Spuren von Stirling Moss und Graham Hill. Der höher bauende Fiat 500L liegt in den Kurven etwas schwammiger, scheint dabei in S-Kurven mit früherem Aufschaukeln zu drohen und winkt auch schon mal mit dem Heck, womit hier die Tendenz zum Mitlenken der Hinterhand umschrieben werden soll. Obwohl der Mini im Kapitel der Eigenschaftswertungen den Fiat 500L knapp auf Distanz hält, schlägt der 500L unter allen Strichen dann doch den englischen Rivalen. Sein Motor ist zwar knurriger, hängt aber besser am Gas, seine Lenkung ist nicht ganz so präzise, aber sein Platzangebot größer. Vor allem jedoch punktet der Fiat 500L mit guter Ausstattung, geringerem Verbrauch und niedrigeren Kosten. Dazu besitzt er Qualitäten auch die Umwelt betreffend. Sein mäßiger Benzindurst produziert unter dem Strich weniger CO2 als der Vierzylinder des Mini.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-04-23

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