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Testbericht

12. September 2014
In den 15 Sekunden, in denen sich das Dach faltet, rechnen wir nach, wie lange wir den Cinque schon kennen: sieben verflixt fröhliche Jahre – vor allem die seit Sommer 2009, als der Fiat 500C debütierte. Wir trafen ihn damals in Turin; Fotograf Hans-Dieter kam nach einer Kaskade aus Unpünktlichkeit, Streik und Gepäckverbummeln, wie sie italienische Flughäfen voll beherrschen, erst nach Mitternacht an. Früh um sechs bekamen wir den Schlüssel zum 500C, krempelten das Verdeck zurück, fuhren in die Berge. Und alles wurde gut. Nicht im Sinn, dass der Cinque ein besonders perfektes Auto darstellte, sondern darin, dass er besonders war. Und blieb. Seit dem Faltdach beschränkten sich die nennenswerten Neuerungen auf die Twinair-Turbos 2010. Jetzt bekommt er digitalisierte Instrumente und 20PS mehr, was uns mal wieder die Möglichkeit bietet, ihn mit seinem Lieblingsrivalen zu vergleichen.

Fiat 500C bietet Vorteile beim Raumangebot
Dazu kurvt das Mini Cabrio um die Ecke. Es basiert noch auf der zweiten Generation des New Mini, deren baldiger endgültiger Abgang uns betrübt, seit wir den neuesten New Mini kennen – weil eben auch Perfektion einem Auto schaden kann. Das Mini One Cabrio dagegen ist der Perfektion seit März 2009 unverdächtig, trotz des aufwendigen Softtops. Im Gegensatz zum Fiat 500C schiebt der Mini sein Verdeck zunächst wie ein Faltdach zurück, takelt es bis Tempo 30 komplett ab. Der Wind fegt viel wilder durch ihn – im 500C fächelt er nur sacht –, und bei Gefahr preschen Überrollbügel empor. All das rechtfertigt, dass der Cabrio-Aufpreis beim Mini mit 3.700 Euro zwölf Hunderter über dem des C liegt.Wobei das historisch korrekte Cabriolimousinen-Konzept des Fiat 500C gerade bei so einem kleinen Auto Vorteile hat: Kofferraumgröße und Platzangebot unterscheiden sich nicht von der 40 Kilo leichteren Limousine, mit geschlossenem Dach ist die Rücksicht nicht gar so erheblich eingeschränkt wie beim Mini. Dessen Laderaum reduziert sich bei offenem Verdeck von 170 auf 125 Liter. Was nichts daran ändert, dass der Brite Passagiere bequemer und raumreicher unterbringt – vorn ist er acht Zentimeter breiter, hinten bietet er mehr Knieraum. Pilot und Co. integriert er tief auf optionalen Sportsitzen, veranstaltet vor ihnen das bekannte Bedien-Chaos vom Mitteltacho über die Kippschalterreihe bis zu einem Radio, an dem selbst erfahrene Unterhaltungselektroniker verzweifeln.

Fiat 500C mit einem Anflug von Turboprop
Warum der Fiat 500C Lieder vom USB-Stick nur in alphabetischer Reihenfolge abspielte, blieb ebenfalls unergründlich. Ansonsten gibt es bei ihm von den zu hoch positionierten und erstaunlich unbequemen Sportsitzen aus das neue Digitaldisplay für die Instrumente zu bestaunen. Es vermag die Effizienz des Fahrstils aufzuzeigen, ebenso Quer- sowie Längskräfte, zudem sogar Geschwindigkeit und Drehzahl.Und den Tourenzähler braucht es wirklich, wenn der nun 20PS stärkere Zweizylinder-Turbo des Fiat 500C losprustet – so um die 2.000/min, wenn er sein Anfahrzögern ablegt. Dann rattert er ungestüm und mit dem Klang einer Turboprop-Maschine im Sturzflug bis in den Begrenzer bei 6.000. Schnell den nächsten der sechs knapp gestuften Gänge reinhakeln und wieder los. Wobei der Parallel-Twin – bei unverändertem Drehmoment – energisch zieht und bei sachter Fahrt sparsam bleibt, wie die Verbrauchsrunde mit 5,1 l/100 km belegt. Die 6,8 l/100 km im gesamten Testdurchschnitt zeigen die Begeisterungsfähigkeit des Motors.Sie steht in umgekehrtem Verhältnis zum Handling – da verfügt der Fiat 500C wirklich nicht über großes Talent. Er begibt sich untersteuernd um Kurven, von der Lenkung unpräzise geführt, vom ESP grob gebremst. Weitere Schwächen zeigt das Fahrwerk mit der ruppigen Federung und den schwachen Bremsen.Dagegen verzögert das Mini Cabrio vehement, federt manierlich. Und wenn das Glück auf der Straße liegt, findet man es im Mini in einer Kurve. Er lenkt so unmittelbar ein, bleibt so verbissen neutral auf seiner Linie, lässt sich so präzise steuern – mittels der hyperdirekten Lenkung oder sachter Lastwechsel. Und alles mit einer Leichtfertigkeit, die der neue Mini verloren hat. Den Fiat 500 C hängt er schon beim Ausparken ab.

Mini holt sich nur knapp den Sieg
Nur auf Geraden kommt der Fiat 500C dank Turboschub hinterher. Obwohl bei dieser Mini-Generation die Leistung eigentlich immer egal war – selbst die 75PS der Basis fühlen sich schnell an, wenn ein Auto um Kurven fegt wie die Achterbahn –, könnte etwas mehr Wumms nicht schaden.Immerhin wiegt das Mini Cabrio 129 Kilo mehr als der Fiat. Gegen das aufgedrehte Temperament des Twinair wirkt der kultivierte Sauger im One trotz doppelt so vieler Zylinder und 723 Kubik mehr Hubraum durchzugsmatt, drehmiesepetrig und durstig. 7,4 l/100 km braucht der Testwagen mit Start-Stopp-System, das wie eigentlich alles beim Mini Aufpreis kostet. Ausstattungsbereinigt liegt er 6.000 Euro über dem Fiat 500C und so am Ende nur knapp vor ihm. Aber was sind schon Punkte oder Euro bei zwei Autos, bei denen du nach 15 Sekunden feststellst, dass sie nicht perfekt sein müssen, um vollkommen zu sein.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-09-12

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