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Testbericht

13. Januar 2011

Die zwei Zylinder sind aber nicht das Einzige, was im Fiat 500 Twin Air vermisst wird. Die Einlassnockenwelle beispielsweise, deren Funktion eine vollvariable, elektrohydraulische Ventilsteuerung namens Multiair übernimmt, die zudem die Drosselklappe nahezu arbeitslos macht. Sie bleibt im Fiat 500 Twin Air stets geöffnet und springt nur noch in Notsituationen ein. Zusammen mit der Benzin-Direkteinspritzung soll das den Wirkungsgrad erhöhen, während ein Turbolader gleichzeitig aus den 875 Kubikzentimeter Leistung pressen muss.

949 Kilo kämpfen im Fiat 500 Twin Air gegen 85 PS Das Ergebnis: Der Fiat 500 Twin Air stellt 85 PS und ein maximales Drehmoment von 145 Nm bei 1.900 Umdrehungen bereit. Der Gegner: 949 Kilogramm Leergewicht, die beim ersten Tritt aufs Gas von der Motorleistung umgehend niedergerungen werden. Gierig schnappt der Zweizylinder nach jeder Regung des rechten Fußes, dreht begeistert hoch, stupst jedoch bereits bei 6.000/min den Begrenzer an. Die bis 8.000 Umdrehungen reichende Skala des Drehzahlmessers im Fiat 500 Twin Air wird damit als Gigolo ihres Standes entblößt. Bei den Beschleunigungswerten hinkt der Viersitzer ebenfalls hinterher, lässt sich für den Spurt von null auf 100 km/h mit 11,8 Sekunden acht Zehntel mehr Zeit, als der Hersteller verspricht. Allerdings unterbietet der Fiat 500 Twin Air damit die zu einem früheren Zeitpunkt gemessene 100-PS-Variante. Twin Air pröttelt kernig Die flotten Fahrleistungen werden mit einer eigens komponierten Hitsingle akustisch unterlegt. Die beiden Zylinder im Fiat 500 Twin Air prötteln kernig, aber nie störend um die Wette. Mit etwas Fantasie könnte der Klang sogar aus dem Heck kommen. Wer zum ersten Mal einen Vertreter dieser Motorgattung bewegt, tippt zunächst noch auf kariöse Schweißnähte am Krümmer, sympathisiert dann aber schnell mit der warmen, südländisches Temperament verheißenden Akustik. Von so viel Lebendigkeit angesteckt macht es dem Piloten im Fiat 500 Twin Air sicher nichts aus, häufig zum hoch platzierten Schalthebel zu greifen. Die fünf Gänge des nur mäßig exakten Getriebes wollen beschäftigt werden, denn trotz Aufladung hält sich die Durchzugskraft in einem überschaubaren Rahmen. Dabei fällt auf, dass Vibrationen bis in den Schalthebel und das Lenkrad vordringen, obwohl der Hersteller verspricht, diesen Konstruktionsnachteil mit einer Ausgleichswelle eliminiert zu haben. Eco-Modus senkt Verbrauch und Fahrspaß im Fiat 500 Twin Air Doch selbst das verzeiht man dem wuseligen Fiat 500 Twin Air. Nur sollte die rechte Hand nicht aus Versehen die Eco-Taste erwischen, denn dann verkrümelt sich jegliche Lebenslust zurück hinter den Brenner. Ein zweites Kennfeld der Motorelektronik reduziert die Leistung des Fiat 500 Twin Air auf 57 PS, das Drehmoment schrumpft auf 100 Newtonmeter. Gleichzeitig reagiert der Motor deutlich träger auf Gaspedalbefehle, und die Lenkung arbeitet im extrem leichtgängigen City-Modus.

In einem eigens konzipierten, unter Alltagsbedingungen gefahrenen Testzyklus sank der Verbrauch des Fiat 500 Twin Air zwar um bis zu 14 Prozent, doch der Fahrspaß mindestens in gleichem Maße. Mit der im Infotainment-System Blue & Me enthaltenen Eco-Drive-Software bietet Fiat eine weitere Hilfestellung zum Spritsparen. Weniger als 5,1 Liter/100 km waren allerdings nicht zu erreichen - weit von den 4,1 L/100 km entfernt, die das Fiat verspricht. 1.600 Euro Aufpreis für den Fiat 500 Twin Air Kleiner Trost: Der deutlich trägere Vierzylinder-Bruder des Fiat 500 Twin Air mit 69 PS kam ebenfalls nicht mit weniger Kraftstoff aus, und angesichts des flotten Temperaments und der kalten Witterung kann man den Testverbrauch von 6,6 L/100 km durchaus als günstig bezeichnen. Deutlich mehr Fahrspaß, niedriger Verbrauch - spricht überhaupt noch etwas für die anderen Benziner? Kaum, denn selbst der Preisaufschlag von 1.600 Euro des Fiat 500 Twin Air gegenüber dem Basismodell dürfte angesichts der üppigen Ausstattungsquote der bislang verkauften Fahrzeuge eine untergeordnete Rolle spielen. Zudem bietet der Fiat 500 Twin Air serienmäßig die ansonsten 300 Euro teure, zuverlässig arbeitende Start-Stopp-Automatik. ESP muss aber weiterhin mit 350 Euro extra bezahlt werden - unverständlich. Der Zweizylinder treibt dem 500 also sein Phlegma aus, nicht jedoch einige bekannte Macken. So trippelt die Vorderachse noch immer nervös stuckernd über kurze Bodenwellen, die Lenkung verweigert jegliche Rückmeldung.

Kein Platz für vier im Fiat 500 Merkwürdigerweise schafft es der Fiat dennoch, ein hohes Maß an Agilität zu suggerieren. Das liegt unter anderem an der straffen Fahrwerksabstimmung, die nur geringe Seitenneigung und immerhin noch etwas Federweg zulässt. Gleichwohl erweist sich der Fiat 500 Twin Air beim Komfort als Illusionist: Wer vorne einsteigt, freut sich über das Raumangebot und die straffe Polsterung, um gleich darauf festzustellen, dass die Sitze viel zu klein sind und sich über die billigen, fragilen Hebel auch nur unzureichend verstellen lassen. Und wer angesichts der 3,55 Meter langen, kugeligen Karosserie tatsächlich genügend Platz für vier und Gepäck erwartet, wird höchst unangenehm überrascht. Die über eine halbe Million Käufer eines Fiat 500 leben damit offenbar prima. Jeder weitere kann mit dem Fiat 500 Twin Air nun einen quirligen, genügsamen Motor für den emotionalen Kleinwagen bekommen - und ein Auto fahren, das drei Mal so viele Scheibenwaschdüsen wie Zylinder aufweist. Das können nur wenige von sich behaupten.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-01-13

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