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Testbericht

13. November 2015
Ob das erste Mal wirklich das schönste ist? Heißt es ja. Omas präzisieren da gern noch: Das erste Mal vergesse man nie. Kommt vermutlich schon eher hin. Erst recht mit einem offenen Ferrari. Dass es hier im Fahrbericht ein Ferrari 488 GTB Spider geworden ist, erfreut mich im Nachhinein ungemein. Schließlich lässt er seinen Vorgänger – und die meisten aktuellen Stars im Club der scharfen Sportler – leistungsmäßig gewaltig abblitzen. 670PS bei 8.000 Touren, 760 Newtonmeter Drehmoment schon bei 3.000/min. Resultat: DREI Sekunden für Nullhundert, 8,7 Sekunden auf Tempo 200.

Ferrari 488 GTB Spider rennt 325km/h
Mutige, die das rechte Bein gestreckt lassen, bekommen 325km/h eingeblendet. Topspeed! Ja doch, das Coupé rennt zehn km/h schneller. Und es beschleunigt auch ein paar Zehntel schneller auf 200km/h – interessiert aber nicht wirklich. Denn der Ferrari 488 GTB Spider hat ganz andere Vorzüge. Dazu gleich.Zuerst einmal Platz nehmen da unten – und staunen. Nicht nur über die Gelenkigkeit des eigenen Rückens, sondern über die Sportsitze, die trotz ihrer Zangenartigkeit weiche Polster bieten. Und über das kantige Armaturenbrett: Es wirft sich zwar etwas zerklüftet in den Raum, ist aber wunderbar auf den Fahrer zugeschnitten und angenehm aufs Wesentliche reduziert. Wer den verlöteten 488 kennt, weiß, was gemeint ist.Abgesehen von einem Klappschalter zwischen den Sitzen (fürs Dach) sind Spider und Coupé identisch eingerichtet. Heißt: kein zentraler Navi-Bildschirm (die elektronische Landkarte wird rechts neben dem Drehzahlmesser eingeblendet), kein Zündschloss, keine Lenkstockhebel für Blinker und Scheibenwischer. All das wird über Taster am Lenkrad bedient. So weit zur Einleitung. Jetzt geht’s endlich los.

Dach öffnet sich in 14 Sekunden
Die vielleicht wichtigste Zahl des Ferrari 488 GTB Spider lautet: 14 Sekunden. So schnell dreht sich das kleine Dach nach hinten und legt sich fein säuberlich unter einer Klappe über dem Motor ab. Vollautomatisch. Bis zu 45km/h. Der entscheidende Vorteil der Metamorphose sind nicht die einfallenden Sonnenstrahlen, sondern die ungefilterte Nähe zum Motor. Fahrer und Beifahrer sitzen nun direkt am Orchestergraben. Was die Bindung zu diesem Wagen ungemein schärft, denn endlich dringt der Beat des V8-Turbos unmittelbar in die Gehörgänge ein. Endlich klingt das so, wie man es von einem Projektil aus Maranello wünscht.Okay, sagen wir es frei heraus: Den Soundvergleich mit seinem Vorgänger – dem Ferrari 458 – verliert der Neue. An das bunte animalische Kreischen des alten V8-Saugers kommt der aktuell verbaute Biturbomotor nicht heran. Er tönt zurückhaltender, monotoner, dumpfer. ABER! Er serviert spürbar mehr Power. Kurz nach Standgas pressen seine beiden Turbos bereits einen derart explosiven Cocktail in die Brennkammern, dass 760 Newtonmeter wie ein gewaltiges Katapult wirken und die 1.525 Kilogramm Kampfgewicht nach vorn schleudern. Womit talentierte Sportler à la Lamborghini Huracán LP 610-4 Spyder und Porsche Turbo Cabrio beim Ampelduell keine Chance haben.Für alle, die sich gerade nicht erinnern: Den ersten Auftritt hatte dieser 3,9 Liter große V8 im California T. Für den 488 hat sich Ferrari die beiden Twin-Scroll-Lader auf schnellere Reaktionen getrimmt. Kugelgelagerte Turbinenräder aus Aluminium-Titan und spezielle Beschichtungen für kleinere Spaltmaße zwischen Gehäuse und Turbine sorgen für ein Ansprechverhalten, das die Existenz von Turbolöchern infrage stellt. In Zahlen: Im Ferrari 488 GTB Spider sprechen die Turbos um 21 Prozent schneller an als im California T.

Und wie geht der 488 GTB Spider nun?
Der Turbo-V8 erwacht auf Knopfdruck und haut gleich erst mal einen automatisch generierten Gasstoß raus. Damit ihm alle Aufmerksamkeit sicher ist. Das Doppelkupplungsgetriebe funktioniert denkbar einfach. Linkes Bein aufs Bremspedal, kurzer Zug am Schaltpedal, und schon ist der erste von sieben Gängen eingelegt. Nun braucht es nur einen Streichler am Gas, und der Ferrari 488 GTB Spider rollt im Fahrbericht den Hügeln von San Remo entgegen. Die Straßen sind zwar schmal und rissig, aber wunderbar leer und kurvig. Genau der richtige Zeitpunkt, um vom Alltagsmodus Sport in Race zu klicken (geschärfte Ansprechzeiten bei voll aktiven Helfern). Die ersten Kurven geht der Ferrari 488 GTB Spider mit der Präzision eines Lasers an – was auf den ersten Metern eine echte Herausforderung darstellt.Warum? Weil der eigene Kopf am Anfang gar nicht so schnell nachkommt, wie dieses Teil einlenkt, bremst, beschleunigt, schaltet. Nach ein paar Kurven gewöhnt man sich dann an die Wucht beim Gasgeben und genießt das Gefühl, auf jeder noch so kurzen Geraden zum Tennisball zu werden, der mit vollem Volley nach vorn geschlagen wird. Eins, zwei, drei – und 100km/h liegen an. Brutal. Man genießt zudem, die eigenen Bremspunkte immer weiter zu verschieben, weil die Bremszangen so heftig in die innenbelüfteten Carbonscheiben beißen und somit ganz locker die gewünschte Verzögerung hinbekommen – als wäre der Spider nur halb so schwer.

Wie gut ihm dieses neue Blau steht
Man genießt es, mittels der Schaltwippen das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe die Gänge durchreißen zu lassen. Jederzeit und blitzschnell. Man genießt, dem Wagen zu vertrauen und seine Ideallinie zu erkennen, auf der er lange Zeit frei von Lastwechseln schwindelerregend schnell nach vorn eilt. Wer es übertreibt, bekommt die Quittung in Form eines Heckschwenks – den die Elektronik jedoch gekonnt einbremst. Nach einer Stunde steht das Monster knisternd am Straßenrand. Wie flach und breit es ist. Wie gut ihm dieses neue Blau steht, Blu Corsa. Seine Ausmaße haben keine Sekunde gestört. Im Gegenteil, dieser zwei Meter breite Hammerhai fühlte sich die ganze Zeit wie ein kleiner Gokart an.Ein ganz schön teurer Gokart. Bei 228.368 Euro und 14 Cent beginnt die Preisliste des Spider. Neben seinen Asphalt-Talenten gibt’s dafür einen großen Vorteil zum Coupé serienmäßig: Ohne das Dach erlebt der Fahrer den Turbo-V8 viel emotionaler.
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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-13

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