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Testbericht

29. Mai 2008

Die um 100 Kilogramm erleichterte Extremversion des F430 kommt dem F1-Ableger Enzo nahe - ähnlich hohes Faszinations-Niveau für ein Viertel dessen aktuellen Wertes. Etwa die LED-Blitze am Lenkrad (2.425 Euro), die ab 6.500/min den Drehzahlbegrenzer anzählen. Oder die Technik- Schizophrenie des automatisierten Sechsgang-Getriebes: knallharter 60-Millisekunden-Kick? Nur bei Volllast und hoher Drehzahl. Sonst verschmelzen die Zahnradpaare butterzart, selbst beim Herunterschalten. Dann das Rennwagen-Ambiente, so ungeschönt wie verlockend: Schweiß-Narben, Riffel-Aluminium, Loch-Pedalerie. Oder der Achtzylinder.

Der V8 ist omnipräsent

Omnipräsent, nicht nur im Ohr, sondern sogar im Rückspiegel. Die Kohlefaser-Luftsammler seiner beiden Zylinderköpfe ragen ins Bild - als Altar zur Huldigung des Verbrennungsmotors. Bliebe noch sein größtes Talent: Auf der Rennstrecke hievt der Scuderia Durchschnittsfahrer auf Rundenzeiten, die bislang außer Reichweite lagen. Dann ist der Zweisitzer im Wettbewerbs- und der Beifahrer im Warum bremst-der-nicht-Modus.

Obwohl die letzte Rille längst übersprungen scheint, lenkt der Ferrari ein. Fading? Untersteuern? Nicht vorgesehen. Statt ab fliegt er um den Kurs, und der schwummrige Fahrgast sucht Zuflucht im stützenden Sportsitz. Der Enzo light besitzt einen Echtzeit-Eisspion: das elektronische Sperrdifferenzial an der Hinterachse, erstmals samt F1-Trac, der Traktionskontrolle des 599 GTB Fiorano. Technik-Transfer aus der Formel 1, effektiv wie nie zuvor. Die beiden Gripschnüffler arbeiten im Verborgenen, detektieren den Reibwert, sperren, teilen zu, jonglieren mit Drehmoment - ohne dem Piloten ins Handwerk zu pfuschen, wie etwa die Lamellenkupplung des Porsche Turbo.

Beim Ritt über die borstige Asphalt-Prärie hilft die Möglichkeit, das erhöhte Schlupf-Angebot von Race mit der anschmiegsamen Dämpferkennung von Sport zu kombinieren. Damit scheint die Traktion selbst auf Buckelpisten endlos - durchdrehende Räder haben die Konstrukteure nicht vorgesehen. Zum perfekt ausbalancierten Kurvenverhalten trägt die Position des Motors im Souterrain bei; fast schürft das Kurbelwellen-Gehäuse über den Asphalt. Der 4,3-Liter darf freier ansaugen, auf die Vorkats verzichten und enthemmter auspuffen, was die Leistungsausbeute auf 510 PS erhöht, nicht aber den Verbrauch steigen lässt. Lufteinblasung beim Kaltstart ermöglicht weiterhin Euro 4-Abgaswerte. Wenn die Drosselklappen auf Durchzug stehen und der Drehzahlmesser 3.500 Touren anzeigt, öffnet auch der Schalldämpfer seine Schotten. Dann ist der hohe Mitteldruck des Rennmotors hör- und spürbar.

Ein flammendes Plädoyer für das Saugmotor-Prinzip

Aus Super scheint Super-Doppelplus zu werden, so schnell dreht der schwungmassenarme Vierventiler hoch. Ein flammendes Plädoyer für das Saugmotor-Prinzip. Zu den besten Fahrwerten führt der automatisierte Rennstart. Das Manettino steht auf CST off; aus dem Leerlauf legt man den ersten Gang ein, zieht danach das linke Schaltpaddel, bis ein Piepton schrillt. Dann Fuß von der Bremse, voll aufs Gas. Der Motor gellt bei etwa 5.000/min, Schlupf landet in der Kupplung statt am Rad und der Scuderia nach 3,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Gnädiger geht die per Knopfdruck aktivierbare Launch Control mit der Kupplung um, verheizt stattdessen die Hinterreifen - mit dem Gasfuß modelliert der Fahrer die Dramatik des Burnouts. Qualmt es nur leicht, sieht die perfekte Beschleunigung für Zaungäste nach Daumenkino aus: In jedem Gang macht der Scuderia einen Satz nach vorn.

Er gibt alles. Und zeigt es immer. Schlüpft im Heckbereich in den heftigen Charakter des Enzo, bleckt mit dem Rasierklingen-Diffusor und hochragenden Endstücken. Selbst wer ihn nicht erfahren darf, soll ihn erleben und erkennen: Da glüht einer vor unbedingter Leidenschaft. Damit untermauert der 430 Scuderia wie kein zweiter den Pathos-Anspruch der Marke, ist der Vorzeige-Hengst der Cavallino-Zucht. Und ragt aus der aktuellen Modellpalette heraus. Alles unterhalb des Superlativs wäre hier zu schwach: Der 430 Scuderia ist schlicht Ferrarissima.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-05-29

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