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Testbericht

17. März 2016
Seat expandiert: Mit dem aktuellen Leon gelang der VW-Tochter der lang ersehnte Durchbruch und die Spanier etablierten sich nach Jahren wieder unter den Marken mit nennenswerten Absatzzahlen. Aber eine besonders wichtige Fahrzeuggattung fehlte noch im Portfolio: ein SUV, der den Absatzrückgang bei Vans wie dem Alhambra kompensiert. Damit hat sich Seat lange Zeit gelassen.

Der Ateca kommt für Seat zur richtigen Zeit
Ab Juli 2016 schließt der Ateca diese Lücke. Knapp 4,50 Meter lang, dezent höhergesetzt aber eindeutig mit der Seat-DNA versehen rollt der Ateca auf unsere Straßen. Bestellbar ist das Kompakt-SUV auf Basis des Modularen Querbaukastens (wie Golf, Leon und Tiguan) schon jetzt, zu einem Kampfpreis von nur 19.990 Euro für die Basisversion. Seat erhofft sich von ihrem neuen SUV die zweitbesten Verkaufszahlen nach dem Leon, der sich – wie wir wissen – auch ausgezeichnet fährt. Gilt das auch für den Ateca?Steigen wir doch erst einmal ein. Das fällt leicht, und wenn wir es nicht gewusst hätten, könnten wir auch schwören, in einen Alhambra gestiegen zu sein. Man sitzt nicht besonders hoch. Das erhabene SUV-Gefühl, die Übersicht von oben herab, das fehlt beim Seat Ateca.

190-PS-TDI im Seat Ateca als stärkster Motor
Den von uns gefahrenen Ateca treibt ein 190 PS starker 2.0 TDI an. Diese Version kostet allerdings mindestens 35.580 Euro. Sie kommt dafür ab Werk mit Allradantrieb und dem neuen 7-Gang-Direktschaltgetriebe. Und es damit geht es flott vorwärts: Dank maximal 400 Nm Drehmoment dauert es nur 7,0 Sekunden bis der knapp 1,5 Tonnen leichte Seat Ateca auf 100 km/h beschleunigt hat. Beachtlich für ein SUV. Schneller geht’s derzeit nicht, der stärkste erhältliche Benziner hat lediglich 150 PS. Aber mehr braucht’s auch wirklich nicht.Neutral und nicht hilflos untersteuernd zirkelt sich der Kompakt-SUV um die engen Kurven im Hinterland Barcelonas, und - obacht: Dieses SUV kann richtig Spaß machen! Auch als 150-PS-Version und vor allem als Handschalter, den wir kurz fahren konnten. Hier flutscht der Schalthebel so zackig durch die Gassen wie bei einem Leon Cupra.Das DSG arbeitet im Normalfall ebenfalls zuverlässig, ließ aber bei der Probefahrt im Normal-Modus die Drehzahl weit unter 1.200/min sinken. Die Folge: Um wieder zu beschleunigen, musste die Antriebseinheit erst wieder aus dem Tiefschlaf geholt werden. Im Sport-Modus funktioniert das besser, aber dann wird die Drehzahl fast schon zu hoch gehalten, um entspannt unterwegs zu sein. Und mal ehrlich: Wer forciert ein Kompakt-SUV ständig aufs äußerste? Trostpflaster: Der Doppelkuppler soll lernfähig sein. Außerdem entkoppelt er im Eco-Modus den Antriebsstrang und segelt im Leerlauf dahin.

Seat Ateca mit straffem, aber komfortablen Fahrwerk
Die variable Lenkung fühlt sich im Eco- und Normal-Modus arg leichtgängig an. Sport passt von der Gängigkeit der Lenkung am besten: nicht zu schwer, nicht zu leicht. Feedback kommt nicht gerade viel an, aber mit dem Ateca wird am Wochenende wohl kaum der Hockenheimring erkundet.Chassis und Fahrwerk überzeugen: Zwar federt der Ateca vergleichsweise straff, etwa auf BMW X1-Niveau, berichtet durchaus von Unebenheiten im Asphalt. Das kann man gut finden, immerhin lässt es einen nicht in schaukeliger Unwissenheit zurück. Und auch für Langstrecken ist der Seat geeignet, selbst wenn momentan noch keine Dämpferverstellung bestellbar ist. Das kommt aber auch noch, lässt Seat auf Nachfrage wissen.

Großzügiger Fond und Kofferraum im Ateca
An Platz mangelt es dem Seat Ateca nicht: Im Fond finden zwei Personen mehr als genug Platz vor, selbst wenn der Vordermann zwei Meter misst. In den Kofferraum mit 510 Liter (Vorderrad-Varianten) respektive 485 Liter (Allradler) passt das Gepäck jeder vierköpfigen Familie. Dabei hilft die Komfort-Öffnung der Heckklappe mit einer Kickbewegung unter die Stoßstange. Wer besonders auf Messi steht, kann den imaginären Fußball unter dem Ateca gerne nochmal antippen. Dann schließt sich der Kofferraum wieder. Clever, gerade beim Ausladen von Getränkekisten oder Ähnlichem.

Neues Infotainment und viele Assistenzsysteme
An die Infotainment-Fans hat Seat auch gedacht: Ein neuer 8-Zoll-Touchscreen integriert alle bekannten Funktionen. Navigieren, Musizieren, Telefonieren. Wie schon beim Leon oder Ibiza reagiert das System, wenn sich eine Hand nähert und zeigt dann Optionen an, die sonst verborgen bleiben. Besonders cool: Das Mobiltelefon kann induktiv geladen werden, wenn es dieses Feature unterstützt. Apples iPhone kann das nur mit einer speziellen Hülle, bei Geräten von Samsung oder Sony funktioniert das kabellose Laden jetzt schon.Zu den Systemen, die den Fahrer beim Fahren unterstützen, zählt nicht nur ein Abstandsregel-Tempomat oder ein Notbremsassistent, sondern auch ein Notfallsystem, das automatisch Hilfe ruft, sollte der Fahrer kollabieren. Außerdem verfügt der Seat Ateca über Kameras an Front- und Heckschürze sowie in den Außenspiegeln. Das hilft beim Rangieren und Einparken. Die Front- und Seitenkameras sind dann sehr nützlich, falls man mit dem Ateca doch einmal Offroad unterwegs sein sollte. Wir konnten das testen und blieben selbst bei schlammigen Geläuf mit extremen Böschungswinkeln nicht stecken. Aber Matsch und Geröll dürfte der erste Seat-SUV eher selten zu Gesicht bekommen.

Fazit
Mit dem Ateca bleibt Seat konservativ und wagt keine riskanten Experimente. Er sieht aus wie ein hochbeiniger Leon, und er fährt auch so. Dafür ist er gefälliger als ein Alhambra und günstiger als ein VW Tiguan. Souverän, aber der Wow-Effekt bleibt aus. Außer man fährt Offroad.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-03-17

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