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Testbericht

4. April 2016
Es tut sich was bei der nobelsten Autofirma der Welt, die seit 2003 zu BMW gehört und im südenglischen Goodwood zuletzt (2015) immerhin 3.875 Autos produzierte: Im Herbst läuft die Produktion der großen Phantom-Reihe aus, wonach das Werk von zwei auf eine Fertigungslinie umgestellt und mit einer modularen Spaceframe-Architektur die Voraussetzung für eine flexiblere Modellpalette geschaffen wird. Ende 2017 folgt dann der Phantom-Nachfolger nur noch als Limousine, ein Jahr später der erste SUV und Allradler der Marke namens Cullinan.

Rolls-Royce will sich breiter aufstellen
Angesichts solcher Umwälzungen wirkt der neue Dawn (= Dämmerung) vergleichsweise konventionell, setzt die lange Tradition offener Viersitzer à la Corniche (1971 bis 2002) auf Basis des Coupés Wraith fort. Trotz ähnlicher Technik und Abmessungen sind jedoch 80 Prozent der Karosserieteile neu – vom zurückgesetzten Kühlergrill und den breiteren Stoßfängern über die geschwungene Schulterlinie bis hin zum leicht angehobenen Heck mit offenporigem Canadel-Holz auf dem Verdeckkasten. Eine Yacht auf Rädern eben, und für 330.000 Euro sind makellose Eleganz, feinste Materialien und Perfektion bis ins Detail schließlich Ehrensache, Kompromisse bei Kunden und Hersteller gleichermaßen verpönt.

Rolls-Royce Dawn leise wie ein Coupé
Besonders stolz ist man bei Rolls-Royce auf die vollwertigen, bequemen Einzelsitze im Fond mit würdiger Knie- und Kopffreiheit, die hohe Verwindungssteifigkeit sowie das dick gefütterte, sechslagige Textilverdeck. Es macht den Dawn so leise wie das Coupé, aber dank zahlreicher Verstärkungen und des automatischen Überrollschutzes auch 200 kg schwerer. Auf Knopfdruck öffnet und schließt das Verdeck völlig geräuschlos in 22 Sekunden sowie bis Tempo 50, und erstmals stehen sogar ventilierte Massagesitze vorn, Lenkradheizung und Windschott zur Verfügung. Auf eine Nackenheizung muss man jedoch ebenso verzichten wie auf Schaltpaddel, verschiedene Fahrprogramme oder einen Drehzahlmesser.Stattdessen gibt es links im Cockpit eine Anzeige, die die aktuellen Kraftreserven von null bis 100 Prozent beziffert. Bei normaler Fahrt werden selten mehr als zehn Prozent abgerufen, aber selbst beim Überholen oder auf Steigungsstrecken bleibt gut die Hälfte meist ungenutzt. Dabei hat das Cabrio statt des stärkeren Wraith-Motors mit 632PS und 800Nm den 6,6-Liter-V12-Biturbo aus dem Ghost unter der Fronthaube, der es immer noch auf 570PS und 780Nm bringt. Damit spurtet der 2,6-Tonner bei Bedarf in nur 4,9 Sekunden von null auf Tempo 100 und weiter bis zu elektronisch abgeregelten 250km/h, doch die vielen Pferde dienen eher der Ent- statt der Beschleunigung.

Eine Hochebene von Motorhaube beim Rolls-Royce Dawn
Sie halten den großen Wagen völlig unangestrengt und vibrationsfrei in Bewegung, lassen die Insassen auf einer Woge von Drehmoment dahingleiten und die überwältigende Stille genießen. Genauso souverän leitet die Achtstufen-Wandlerautomatik mit dem Wählhebel hinter dem großen, filigranen Lenkrad die Kraft an die Hinterräder, nutzt dabei GPS-Daten über Fahrstil und Streckenverlauf für eine optimale Schaltstrategie. Das funktioniert so effizient und unauffällig, dass man sich ganz dem prächtigen Ausblick über die Hochebene der Motorhaube widmen kann, an deren Horizont sich die silberne, auf Wunsch beleuchtete Kühlerfigur gegen den Fahrtwind stemmt.Wenn man sich erst mal an die ausladenden Abmessungen gewöhnt hat, lässt sich das Dickschiff erstaunlich präzise mit zwei Fingern durch den Verkehr dirigieren. Die Lenkung arbeitet gefühlsecht, das luftgepolsterte Fahrwerk mit den optionalen 21-Zoll-Rädern scheint dagegen nur auf Querfugen oder groben Pisten in einer realen Verbindung mit der Straße zu leben. Denn nirgendwo sonst diesseits des Phantom reist man so entkoppelt von den Niederungen des Alltags und gemeiner Erschütterungen, nirgendwo sonst wird man gleichzeitig so runtergeholt und erhoben. Und wenn die Straße kurviger wird, kommt sogar das Fahrerherz auf seine Kosten.

Rolls-Royce Dawn auch im Preis groß
Apropos Kosten: Mit 330.000 Euro liegt der Dawn zwar fast 130.000 Euro unter einem Phantom Drophead, aber immer noch weit über einem Bentley Continental GTC oder einem Mercedes S 500 Cabrio. Und neben speziellen Lackfarben oder Hölzern müssen selbst Nachtsichtgerät, Head-up-Display, Rundumkamera und das Bespoke-Audiosystem mit 16 Lautsprechern, das die Lautstärke automatisch an die Umgebung anpasst, extra bezahlt werden.Da ist der Normverbrauch von 14,2 l/100 km nur noch eine quantité négligeable. Doch für Zweifler hatte Firmengründer Henry Royce schon vor 90 Jahren einen Trost bereit: "Die Qualität bleibt, wenn der Preis längst vergessen ist."
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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-04-04

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