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Testbericht

2. Mai 2014
In den USA ist der neue Cherokee bereits seit 2013 am Start, bei uns dauerte es einige Monate länger, um die Europa-Spezifikationen zu integrieren und den neuen Jeep Cherokee zu den Händlern zu rollen. Und auch wenn sein Design mit den drei Leuchten-Ebenen und der keilförmigen Nase polarisiert, bleibt er auf seine Art einer gewissen Tradition treu. Denn an keinem Modell hat Jeep designtechnisch derart experimentiert wie am Cherokee. War der erste Kompakt-Jeep aus dem Jahr 1984 noch wie mit der Abkantbank gestaltet, versuchte sich Generation zwei ein einem rundlichen Kindchen-Schema. Der dritte Cherokee gab sich wieder gewaltig die Kante und eiferte dem relativ glücklosen Jeep Commander nach. In Deutschland wurde die dritte Generation Cherokee im Jahr 2011 eingestellt, in den USA war ein Jahr später Schluss.

Erster Jeep auf Fiat-Plattform Nun also wieder rund statt Kante. Der neue Jeep Cherokee ist der erste Offroader des Hauses, der auf einer Fiat-Plattform aufbaut. Der Hersteller sieht ihn in der gehobenen Mittelklasse der SUV im Wettbewerb gegen Premium-SUV wie den Mercedes GLK oder den BMW X3 und versucht entsprechend auch ausstattungsseitig gleichzuziehen.Den neuen Jeep Cherokee gibt es als Diesel in den zwei Ausstattungsvarianten Longtitude und Limited, wobei traditionell bereits die "Basis"-Ausstattung sehr reichhaltig möbliert ist. So sind stets unter anderem eine Zweizonen-Klima-Automatik, Tempomat, uConnect-Mediacenter mit Touchscreen und Sprachsteuerung, Multifunktions-Lederlenkrad und 17-Zoll-Leichtmetallräder am Start. Die werden beim Jeep Cherokee Limited in 18-Zoll-Format angeschraubt, die teurere Ausstattung verfügt außerdem noch über zahlreiche Extras wie Lederausstattung, Multidisplay im Zentralcockpit, Bi-Xenon-Scheinwerfer, eine elektrische Heckklappe und ein größeres Multimedia-System.Den Zweiliter-Multijet-Diesel liefert Jeep in zwei Leistungsvarianten mit 140 und 170PS, das Drehmoment von maximal 350 Newtonmeter ist bei beiden Versionen identisch. Nicht jedoch das Getriebe: den 140-PS-Diesel erhalten die Kunden ausschließlich mit einem Sechsgang-Handschaltgetriebe, während die 170-PS-Version nur mit der neuen Neungang-Automatik ausgeliefert wird – übrigens eine Entwicklung von ZF.Auf unserer ersten Testfahrt waren wir mit dem Jeep Cherokee Limited in der 140-PS-Ausführung unterwegs. Der Verzicht auf Automatik und höhere Spitzenleistung spart 3.600 Euro, muss aber kein Verlust sein. Denn schon mit den 140PS setzt sich der neue Jeep Cherokee Multijet durchaus proper in Bewegung. Das ordentlich eingeschenkte Drehmoment erlaubt eine schaltfaule Fahrweise, bei der auch mal der eine oder andere Gang übersprungen werden kann,eine Stufe höher zieht er immer noch ordentlich durch.

140-PS-Diesel reicht im neuen Jeep Cherokee Die geringere Spitzenleistung merkt man dem 140-PS-Cherokee nur auf der Autobahn an, wenn jenseits der Richtgeschwindigkeit Tempo-Gebolze verlangt wird. Da wird es naturgemäß etwas zäher, bis die zur 170-PS-Variante nahezu identische Höchstgeschwindigkeit erreicht wird. Der Unterschied für den Sprint von 0-100km/h (12,0 statt 10,3 Sekunden) fühlt sich im Alltagsbetrieb allerdings weniger dramatisch an als er im Datenblatt aussieht: bereits mit der schwächeren Maschine ist der neue Jeep Cherokee völlig ausreichend motorisiert. Der Fiat-Dieselmotor im Jeep Cherokee macht aus seiner Arbeitsweise keinen Hehl, sein dezentes Genagel ist in jeder Fahrsituation präsent. Das liegt allerdings auch an der ansonsten recht gelungenen Geräuschdämmung, die Wind- und Abrollgeräusche ordentlich ausblendet. Der neue Jeep Cherokee ist insgesamt ein leises Auto geworden. Und eines mit dem in dieser Klasse verlangten Federungskomfort. Kurze Stöße wie lange Wellen kontert das Fahrwerk souverän aus, ohne zur schaukeligen Sänfte zu geraten. Die Lenkabstimmung beteiligt sich dabei, will keinen Sportwagen nachahmen, ist aber präzise und handlingfreundlich

Offroad hat keine Priorität mehr In der Limited-Ausstattung bleiben kaum Wünsche offen, hier tritt der neue Jeep Cherokee in einer ähnlich luxuriösen Form an wie das Flaggschiff Grand Cherokee. Das geht bis hin zu den klimatisierten Vordersitzen und der Heckklappe, die auf Knopfdruck aufschwenkt. Aufpreis-Extras gibt es beim Limited im Gegensatz zur europäischen Konkurrenz wenig: Navi-Funktion, ein Winterpaket mit beheiztem Lenkrad, das große Panorama-Glasdach sowie Sonderlacke stehen noch in der Preisliste. Das Fahrassistenzpaket mit Spurhaltung, adaptivem Tempomat mit Kollisionsvermeidung sowie dem Fernlicht-Assistent lässt sich Jeep allerdings mit 2.000 Euro extra vergüten.Weder für Geld noch gute Worte gibt es jedoch ein Detail, auf das sich mancher Jeep-Fan gefreut hätte: die Dieselversionen des neuen Cherokee sind maximal mit dem untersetzungsfreien Permanent-Allrad Active Drive I ausgestattet, die günstigste Ausführung setzt sogar auf reinen Frontantrieb. Der hoch potente Active Drive Lock-Allrad mit einer 100-Prozent-Differentialsperre an der Hinterachse und kernig-kurzer Geländeuntersetzung bleibt dem Cherokee Trailhawk vorbehalten, den Jeep auch in Europa ausschließlich mit dem 3,2-Liter-V6-Benziner anbietet, ab 48.000 Euro. Als Diesel-Modell bleibt der Jeep Cherokee damit im Gelände deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück und sortiert sich auch diesbezüglich bei der straßenorientierten Konkurrenz ein.


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Fazit
Jenseits jeder Optik-Diskussion ist der neue Jeep Cherokee von technischer Seite aus ein gelungener SUV, der in seinem Preis-Segment allerdings auf starke und etablierte Konkurrenz trifft. Der 140-PS-Diesel ist völlig ausreichend, die Serienausstattung schon in der Basisversion großzügig. Schade ist der Verzicht auf den tollen Active Drive Lock-Allrad, mit dem Jeep ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse hätte.
Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-05-02

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