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Testbericht

22. Oktober 2014
Bei unserer täglichen Arbeit haben wir es glücklicherweise immer wieder mit sehr unterschiedlichen Autos zu tun. Meist bleiben wir dabei ziemlich gelassen, ohne den eigenen Auftritt zu verändern – selbst wenn es mal ein flotter GTI sein sollte. Es gibt jedoch Autos, da hält man beim ersten Anblick inne, dreht auf dem Fuße um und schnappt sich noch schnell Sonnenbrille und Kapuzenpulli. Unsinn? Kann schon sein. Möchte man aber wirklich dem Groove des Autos nachspüren und neugierig-fragenden Blicken von Passanten gelassener begegnen, hilft es tatsächlich, sich dem Auto – stilistisch gesehen – ein wenig anzupassen. Die Trekking-Variante des Fiat 500L und der neue Kia Soul sind solche Kandidaten. Der eine mimt den robusten Kraxler aus Italien, der andere den feschen Stylisten, der auch als Studie auf einer asiatischen Messe für Industriedesign parken könnte.

Crossover mit 1,6-Liter-Turbodieseln
Beide Crossover-Modelle treten mit 1,6 Liter großen Turbodiesel-Vierzylindern an. Sonderlich günstig ist allerdings weder der Fiat 500L noch der Kia Soul. So kostet der um 13 Millimeter höhergelegte und 120PS starke 500L mindestens 22.650 Euro. Bis auf eine zweifarbige Hülle (450 Euro Aufpreis) rollt der Fiat damit aber in vollem Abenteurer-Ornat an: schwarze Schweller und Radhausverkleidungen, Unterfahrschutz, Diffusor, markante Seitenleisten, getönte Scheiben und schwarze 17-Zoll-Alus – alles da. Nur Allradantrieb sucht man vergeblich. Auf rutschigem Untergrund mühen sich wuchtige M S-Reifen und ein speziell abgestimmtes ESP, mit Bremseingriffen die Traktion der Vorderräder zu verbessern.Dem ebenfalls nur als Fronttriebler erhältlichen Kia Soul geht es da nicht anders. In Kombination mit dem 128-PS-Diesel ist er nur in der Topversion Spirit für 24.990 Euro zu haben. Das weniger robuste, aber dennoch auffällige "SUV-Urban-Stylingkit" mit reichlich Chrom und schwarzen Karosserie-Elementen schraubt Kia für diese Summe ebenso dran wie 18 Zoll große Leichtmetallräder.

Innenraum des Souls ist modern, hochwertig und aufgeräumt
Und wie sieht’s im Kia Soul innen aus? Modern, hochwertig und dennoch aufgeräumt. Die Stoffsitze sind straff gepolstert und bieten sehr ordentlichen Seitenhalt. Der Fahrer blickt auf ein scharf darstellendes LCD-Bordcomputer-Display, bestens ablesbare Rundinstrumente und darf sich an den vielen weichen Kunststoffen, sauber eingepassten Klavierlack- und Ledereinsätzen und einem leicht verständlichen Infotainment-System samt Navi erfreuen. Darin inbegriffen: eine detailgetreue Kartendarstellung, DAB, Soundsystem und große Direkttasten rundum. Noch zu wenig? Belüftete Sitze, Ambiente-Beleuchtung und Panorama-Glasschiebedach gibt’s gegen Aufpreis. Der luftige Fiat 500L Trekking hält mit ähnlichen Extras dagegen, will zudem mit zweifarbigem Interieur und optional einer portablen Lavazza-Espressomaschine locken. Doch toppen kann er den kaum minder geräumigen Kia Soul so nicht. Dafür trägt der Fiat zu viel simples Plastik und betrübt mit unübersichtlichen Instrumenten, einem orangefarbenen Uralt-Bordcomputer sowie einem allzu kleinen Touchscreen-Navi mit mäßiger Kartendarstellung.Zudem fehlt es allen Sitzen im Fiat 500L an Beinauflage und Seitenhalt. Ein schlechter Witz sind die Kopfstützen im Fond. Ihr Verstellbereich ist so gering, dass die Polster störend gegen den Nacken drücken.

Fiat 500L bietet den größeren Laderaum
Da hilft es auch nicht, dass sich die Lehnenneigung verstellen lässt. Immerhin: Die geteilte Bank ist verschiebbar. Entsprechend bietet der 4,27 Meter lange Fiat 500L wahlweise viel Beinfreiheit oder einen bis zu 455 Liter großen Standardkofferraum. Klappt man die Rückbank zusammen, ergibt sich schließlich ein großer und leicht zugänglicher Laderaum mit 1.480 Litern Volumen.Der 13 Zentimeter kürzere Kia Soul nimmt mit 354 bis 1.367 Litern deutlich weniger Gepäck mit. Zumal 116 Liter dem solide ausgefertigten Unterbodenfach gehören. Wer den gesamten Platz nutzen will, muss dieses Fach entfernen und den Boden absenken, verliert aber so die sonst ebene Ladefläche. Gut beim Kia Soul: die hohe Zuladung von 501 Kilogramm.Zeit, die beiden Vierzylinder-Diesel anzulassen. Während der acht PS stärkere Kia Soul vom Stand weg hurtig abzieht, kommt der Fiat 500L zunächst mühsam in Fahrt – drückt dann aber dank 320Nm so vehement, dass die 225er-Reifen kurz nach Traktion scharren. Der kultiviertere Kia-Selbstzünder liefert nur 260Nm. Und siehe da: Im Durchzug und auf dem Weg zur Höchstgeschwindigkeit von 183km/h geht der Multijet-Diesel druckvoller voran, fährt dem Soul deutlich davon, der zudem auch noch 0,4 Liter mehr Diesel verbraucht (7,6 zu 7,2 l/ 100 km). Trostspender im Kia: das präzise rastende Sechsgang-Schaltgetriebe, das der unexakten Box im Fiat klar überlegen ist und mehr Freude bereitet.

Kia bietet bis zu sieben Jahren Garantie
Gleichstand herrscht, sobald es über Querfugen oder Straßenschäden geht. So geben sich beide ziemlich stößig, rumpeln auch mal oder keilen unangenehm aus. Insbesondere vom Fiat hätten wir mehr Fahrkomfort erwartet. Denn während sich der Kia Soul agiler fährt, Kurven mit weniger Seitenneigung durcheilt und später untersteuert, gibt sich der größere Fiat 500L träger und fühlt sich eher an wie ein gemütlicher Van – aber leider nur bis zum nächsten Gullydeckel. Ebenfalls nicht überzeugend: Bremswege über 39 Meter, die sicherlich auch den montierten Ganzjahresreifen anzulasten sind. Coole Offroad-Optik hin oder her – wer früher stehen will, sollte lieber klassische Sommerreifen aufziehen. Wie der Kia. Der steht dank seiner 235er-Contis schon bereits nach rund 35 Metern.Ebenfalls nicht zu überbieten: die außergewöhnlich umfangreiche Herstellergarantie, die die Koreaner über sieben Jahre oder bis maximal 150.000 Kilometer gewähren. Selbst wenn man sich mit dem ungewöhnlich auftretenden Soul optisch absetzt, bleibt es eben doch ein grundsolider Kia. Teurer zwar, aber besser verarbeitet, durchdachter und deshalb klar besser als der bewusst rustikaler auftretende Fiat 500L Trekking. Schnöde Langweiler sind sie aber beide nicht.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-10-22

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