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Testbericht

2. Juli 2017
Eines der vielen ungelösten Rätsel im Automobilgeschäft ist ja jenes, wieso die japanischen Hersteller das lukrative und wachstumsstarke Segment der Mittel- bis Oberklasse-SUV praktisch kampflos der europäischen – meist deutschen – Konkurrenz überlassen haben. Zumal sie ja allesamt passende Modelle in den USA auf dem Markt haben: Toyota 4Runner, Nissan Pathfinder oder Mazda CX-9, um nur einige zu nennen. Ford und Hyundai zieren sich da nicht so, sie kommen mit den ebenfalls für den US-Markt konzipierten Edge und Santa Fe nach Europa. Und mit kräftigen Dieseln sowie serienmäßigem Allradantrieb machen sich die beiden in der 50.000-Euro-Klasse gar nicht schlecht, oder?

Preise beginnen bei fast 50.000 Euro
Schauen wir mal in die Preislisten, die bei beiden nicht allzu viele Auswahlmöglichkeiten bieten. Den Ford Edge etwa gibt es hierzulande ausschließlich mit dem Zweiliter-Diesel, 180 PS als Schalter, 210 mit Power-shift (Doppelkupplungsgetriebe), lieferbar jeweils als Titanium und ST-Line. Günstigstes Modell ist der mager ausgestattete Trend in Schaltversion (ab 41.900 Euro), der Titanium mit Automatik kostet mindestens 45.650 Euro.Die vergleichbare Langversion des Hyundai wird nur mit dem 200-PS-Diesel sowie Sechsstufenautomatik geliefert und kostet 47.900 Euro. Noch preiswerter ist der fast 21 Zentimeter kürzere Santa Fe ohne Grand, der mit 200-PS-Dieselmotor, Allradantrieb und Automatik stolze 4.000 Euro günstiger ist. In den USA heißt der kleine Santa Fe übrigens Sport, beim Großen fehlt der Namenszusatz „Grand“.

Kompakter Edge bietet überraschend viel Platz
Wobei das Grand ja hier tatsächlich wörtlich genommen werden darf. Doch obwohl ihm kaum eine Handbreit zum Fünf-Meter-Maß fehlt, verschafft ihm das keinen wirklichen Vorteil beim Raumangebot gegenüber dem kompakteren Edge. Die Laderäume sind praktisch gleich groß, und auch im Passagierabteil wirkt der Hyundai nicht luftiger als der ebenfalls sehr großzügige Ford. Nur wenn es darum geht, mehr als fünf Personen zu verfrachten, spricht alles für den Santa Fe, denn den Edge gibt es auch nicht gegen Aufpreis als Siebensitzer.Dass Zustieg und Aufenthalt in der dritten Sitzreihe sich eher für Kinder empfehlen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Besser untergebracht fühlen sich bei beiden SUV natürlich die fünf Insassen auf den Standardsitzplätzen. Sie profitieren unter anderem von den angenehm hohen sogenannten Hüftpunkten, die Sitzflächen schweben jeweils rund 70 Zentimeter über der Fahrbahnoberfläche – für viele nicht mehr so ganz jugendliche Interessenten bekanntermaßen einer der guten Gründe, einen SUV zu kaufen. Zum Vergleich: In einer Mercedes E-Klasse oder einem VW Passat sitzen die Passagiere rund 20 cm tiefer.Da wir nun schon bei den Vorteilen sind, wollen wir die Nachteile des Konzepts natürlich ebenso wenig verschweigen. Beim Fahrkomfort etwa reichen beide nicht an die Qualitäten guter Mittelklasse-Limousinen heran. Vor allem der Ford gibt sich etwas ruppig, poltert vergleichsweise hölzern über Unebenheiten und spart nicht mit Fahrwerksgeräuschen. Wenig hilfreich sind dabei die 19-Zoll-Räder, die beim Testwagen mit Conti Sport Contact 5 im 235/55-Format besohlt sind. Der Santa Fe trägt serienmäßig 18-Zoll-Alus, die hier mit Hankook Ventus Prime 2 bereift sind. Mit seiner weicheren Abstimmung bügelt er zwar geschmeidiger durch die Lande, zeigt jedoch auch ausgeprägtere Karosseriebewegungen – eine Eigenart, die nicht jedem behagt. Da der Edge zudem die komfortableren Sitzmöbel mitführt, liegt er bei der Komfortwertung hauchdünn vorn.Den etwas laufruhigeren Diesel hat wiederum der Hyundai. Der Ford-Vierzylinder gibt sich etwas rauer und akustisch vernehmlicher, doch ansonsten ist er in diesem Vergleich das bessere Triebwerk. Vor allem beim Verbrauch liegt der Zweiliter-Biturbo vorn, kommt im Testmittel mit 1,1 Litern weniger 100 Kilometer weit – auch in der 50.000-Euro-Klasse ein Argument.Und obwohl seine Fahrleistungen auf dem Papier erst ab etwa 130 km/h besser sind, wirkt er auf der Straße um einiges spritziger als der etwas träge Hyundai. Was nicht zuletzt am Getriebe liegt: Die Powershift-Schaltbox des Edge reagiert schneller, schaltet fixer und fährt sich so zeitgemäßer als die etwas träge agierende Sechsgang-Wandlerautomatik im Grand Santa Fe.

Ford im Unterhalt günstiger
Deutlich flinker und agiler zeigt sich der Ford ebenso bei Kurvenfahrten. Seine Karosserie neigt weniger zum Wanken, die Lenkung arbeitet direkter und gefühlvoller, und auch der Allradantrieb scheint bei Traktionsproblemen schneller zu reagieren.Beide SUV sind ja im Grunde ihrer Plattformen Fronttriebler, wobei der Edge einen Teil der Kraft per Haldex-Kupplung an die Hinterachse leitet, im Santa Fe hingegen eine in Kooperation mit Magna entwickelte Lamellenkupplung. Maximal 50 Prozent des Drehmoments kommen so bei Bedarf hinten an, was natürlich ebenso beim Ziehen schwerer Anhänger ein Vorteil ist. 2.000 Kilo sind zwar unter großen SUV nicht gerade üppig, doch mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 2.500 kg zählen die beiden zu den Leichtgewichten unter den Groß-SUV. Eine Anhängekupplung ab Werk gibt es übrigens nur für den Ford (abnehmbar, 750 Euro), bei Hyundai bieten die Händler Nachrüstlösungen.Im Übrigen ist der Ford im Unterhalt günstiger, in der Anschaffung liegt der Grand Santa Fe vorne. Selbst in der schlichter ausgestatteten Style-Variante verfügt der Hyundai serienmäßig über Lederpolsterung – ein Luxus, der im Edge Titanium 1.950 Euro zusätzlich kostet. Auch die fünfjährige Garantiezeit wirkt sich positiv auf den Wiederverkaufswert aus, während es beim Edge nur die üblichen zwei Jahre gibt. In seinem Heimatland ist Ford allerdings nicht so zimperlich, dort gibt es fünf Jahre Garantie auf den Antriebsstrang. Manchmal hat Amerika es halt doch besser.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-07-02

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