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Testbericht

9. April 2012

Früher gab es den Kalten Krieg, und wir hatten Angst vorm Russen. In diesem Februar kam ein so genannter Kaltlufttropfen aus dem Osten und machte sogar den Russen selbst zu schaffen. Auch bei uns rötete Väterchen Frost lange Zeit kräftig die Nasen. Winterharten Cabriofahrern hingegen glühten höchstens die Wangen vor Freude, Minustemperaturen sind für sie generell kein Grund, kalte Füße zu bekommen. Roadster-Treiber sind ab minus fünf Grad entschuldigt, Besitzer offener Audi A5, BMW 3er oder Mercedes E-Klassen müssen aber eigentlich bei jedem Wetter raus. Speziell dann, wenn sie das komplette Wohlfühlprogramm an Bord haben. Bullernde Heizungen gehören eh dazu, Sitzheizung ist ein Pflicht-Extra. Dazu kommen mechanisch ausklappbare Windschotts (bei allen optional), die allerdings die Eleganz eines Stützstrumpfs ausstrahlen und beim ersten Ausfalten an Siegfrieds Kampf mit dem Drachen erinnern.

Mercedes E-Klasse Cabrio macht auch bei Minusgraden Spaß Ganz einfach auf Knopfdruck pusten dagegen die Düsen in den Vordersitzlehnen bei Audi und Mercedes warme Luft in den Nacken. Die Mercedes E-Klasse hat sogar noch was ganz Ausgefuchstes im Programm und setzt sich für 821 Euro extra eine Luftmütze (Aircap) auf. Hört sich nach Marketing-Gag an, funktioniert aber. Aircap besteht aus einem ausfahrbaren Spoiler auf dem Frontscheibenrahmen und einem ebenfalls elektrisch betätigten Heck-Schott zwischen den Kopfstützen im Fond. Die pfiffigen Windstopper ersetzen damit die Falt-Lösung und kooperieren so geschickt, dass im Innern des Mercedes E-Klasse Cabrio bei offenem Dach praktisch keine Wirbel entstehen, die Heizungsluft ungestört einen so genannten Warmluftsee bildet. Was sich ungefähr so euphemistisch anhört wie "Entsorgungspark", funktioniert klasse. Immerhin rühmen sich die Daimler-Leute, an dieser Nummer seit dem Modell W124 aus den Neunzigern zu tüfteln. Gut gemacht, möchten wir ihnen zurufen, als wir mit Tempo 200 über die freie Autobahn pfeilen. Minusgrade und viel Spaß dabei. 3er-Klappdach bleibt ab minus zehn Grad geschlossen Etwas geringer fällt derselbe bei Audi A5 und BMW 3er aus. Hier bläst der eisige Hauch deutlich schwungvoller durch die Kabine. Wenn er denn überhaupt reinkommt, denn das 3er-Klappdach bekommt ab minus zehn Grad offiziell kältefrei, während die Verdeck-Pendants noch munter ihre Stoffbahnen auf- und abspannen. Doch verlassen wir nun den Kaltlufttropfen und wenden uns zügig dem heranrollenden Frühling zu. Zügig - Auftritt der Sechszylinder-Benziner, zwischen drei und 3,5 Liter groß und mit jeweils eigenem Charakter. So lädt Audi seinen Dreiliter-V6 ungeachtet der Bezeichnung TFSI per Kompressor, BMW seinen Dreiliter-Reihensechser namens "Twin Power Turbo" mit nur einem Lader, und Mercedes lässt seinen neuen 3,5-Liter-V6 frei ansaugen. Das Mercedes E 350 Cabrio setzt auf die dritte Generation der Benzindirekteinspritzung, füttert die sechs Zylinder im 60-Grad-V mit 200 bar - strahlgeführt und homogen. Und der Motor dankt es mit einer satten, sahnigen Kraftentfaltung, die Trauer über mangelnde Aufladung mit einer gleichmäßigen, 370 Newtonmeter hohen Drehmomentwelle hinwegspült. Schon klar, an den mächtigen Bumms des BMW-Turbos kommt der Daimler nicht ran. Allein schon dessen Zahlen beeindrucken: 400 Newtonmeter Drehmoment ab 1.200/min. Und erst der Antritt und die Drehwilligkeit des rauchigen Reihensechsers - Bayerische Motoren Werke eben.

Mercedes E-Klasse Cabrio verführt zur Gelassenheit Der Audi A5 spricht ebenfalls bayerisch und liefert 400 Newtonmeter - den Biss des BMW 3er besitzt er trotzdem nicht. Seine Kompressorwucht kommt dafür gleichmäßig und kultiviert. Mit 272 PS bei recht frühen 4.780/min ist er zwar die leistungsreduzierte Variante des 333-PS-Bruders, in den gemessenen Fahrleistungen kann er dennoch mit dem über 30 PS stärkeren Mercedes E 350 Cabrio gleichziehen. Der Spritkonsum der drei unterscheidet sich nur wenig, ebenso der Schaltkomfort. Sieben Gänge haben sie alle, Audi und BMW setzen auf Doppelkupplung, Mercedes auf Wandler-Automatik. Der Testverbrauch liegt bei gut zwölf L/100 km, Cabriowanderer können aber mit neun auskommen. Vor allem das Mercedes E-Klasse Cabrio verführt zur Gelassenheit. Obwohl er dank präziser Lenkung und ausgewogenem Handling auch Express beherrscht, schlendert es sich mit ihm enorm lässig. Sonor wummernder Motor, gelungener Abroll- und Federungskomfort sowie die bequemen Sitze mit weitem Verstellbereich verbinden sich zu einem tollen viersitzigen Cabrio-Paket. Viersitzig, genau, denn im Gegensatz zur Konkurrenz ist sein Fond selbst bei offenem Dach kein Spaß-Sperrgebiet.

Audi A5 mit stößiger Lenkung und Federung Der Audi A5 bemüht sich, erreicht aber weder die Steifigkeit noch die Gelassenheit des Mercedes. Sicher, seine Sitze sind ebenfalls bequem, doch die in ihrer Servounterstützung wechselhafte, manchmal etwas stößige Lenkung agiert synthetischer, und die Federung mit Adaptiv-Dämpfern wirkt insgesamt stößiger als die des Mercedes E 350 Cabrio. Wechselhaft? Nicht beim BMW 335i. Seine Lenkung arbeitet etwas schwergängig, aber fein rückmeldend, die Federung auf Autobahnen und Nebenstraßen gelassen. Allerdings könnten seine Sitze kuschliger und der Kofferraum bei offenem Dach größer ausfallen. Was solls: Es können schließlich nicht alle Cabrios so universell sein wie der Mercedes E 350.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-04-09

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