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Testbericht

19. Mai 2018

Vermutlich wird Ihnen das Kürzel K9K nicht allzu viel sagen. Es sei denn, Sie sind ein ausgesprochener Renault-Insider. Dann wissen Sie, dass es den 1,5-dCi-Dieselmotor bezeichnet, der seit fast 20 Jahren in über zehn Millionen Exemplaren gebaut wurde. Je einer davon steckt in den Maschinenräumen des Dacia Duster dCi 110 4x4 und des Nissan Qashqai 1.5 dCi auf diesen Seiten. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten beinahe schon auf. Nicht nur die Preise der beiden Kompakt-SUV sind ungefähr so weit voneinander entfernt wie die Produktionsorte im südrumänischen Pitesti (Dacia) und Sunderland im Nordosten Englands (Nissan).

Billiger Dacia
Beginnen wir also mit dem Geld. Den Dacia Duster gibt es ab 11.490 Euro, das hier getestete Auto kostet mit den wenigen verfügbaren Optionen und der teuersten Ausstattung rund 10.000 Euro mehr, es sind genau 21.020 Euro. Mindestens weitere 10.000 sind fällig, wenn es der Qashqai sein soll – jedenfalls ein Qashqai wie der Testwagen. In der Tekna-Ausstattung listet ihn Nissan für 31.200 Euro. Allerdings ist dann kein Allradantrieb verfügbar, den gibt es erst mit dem 130 PS starken 1.6 dCi. Ein weiterer Unterschied: Während der Duster auch in der seit diesem Jahr ausgelieferten zweiten Modellgeneration auf der B0-Kleinwagenplattform des Konzerns basiert, fußt der Qashqai auf der größeren P32L-Bodengruppe. Der Nissan ist rund fünf Zentimeter länger, im Innenraum fühlt es sich nach mehr an. Er wirkt einfach eine Nummer luftiger. Die Messwerte bestätigen den subjektiven Eindruck: rund sieben Zentimeter mehr Innenbreite, das ist ein Klassenunterschied. Etwas geringer sind die Unterschiede beim Ladevolumen, hier ist der Nissan immerhin eine Spur besser.

Überhaupt zeigt sich die neue Duster-Generation nur wenig verändert. Das gilt etwa für das Außendesign, hier erkennen vermutlich nur Dacia-Insider die Unterschiede. Sogar die wackelige Sitzhöhenverstellung des Fahrersitzes hat das neue Modell geerbt, witzelt ein Kollege nach der Testfahrt. Das ist zwar einerseits richtig, andererseits etwas ungerecht. Denn der Dacia hat nun eine etwas besser greifbare Ratschen-Höhenverstellung. Nach wie vor schlecht zu greifen ist übrigens der Hebel für die Längsverstellung.Das alles geht im Nissan deutlich einfacher vonstatten: Die elektrische Sitzverstellung ist im 1.500 Euro teuren Lederpaket enthalten. Dazu gehören ebenso zwei bequeme Sitze in der ersten Reihe, die deutlich komfortabler und haltstärker sind als die Sitzgelegenheiten im Dacia. Denn obzwar der Duster nun im Interieur deutlich wohnlicher und wertiger eingerichtet ist, zeigt sich der Knauserzwang, dem seine Erbauer unterliegen, an anderen Details. So etwa an den recht unzureichend gepolsterten und spärlich bemessenen Sitzen vorn wie hinten. Da kann man nun lange drüber diskutieren, ob man sich die Dacia-Sitze ein Autoleben lang antun will. Weniger kompromissbereit sollten die Autokäufer hingegen bei der Sicherheit sein.

Viel Ausstattung im Nissan
Der neue Dacia Duster beispielsweise kann, wie schon sein Vorgänger, nur drei Sterne beim Euro-NCAP-Test vorweisen. Unter anderem, weil er assistenztechnisch gesehen ein Auto von gestern ist. Wie vorgeschrieben verfügt er über ABS und ESP, hat dazu einen Totwinkelwarner, und er bremst sogar etwas besser als der Nissan Qashqai. Doch die guten Messwerte sind nur ein Teil der Wahrheit. Bei Vollbremsungen verhält sich der Duster bockig, ist wenig richtungsstabil und erfordert so die volle Aufmerksamkeit des Fahrers. Ansonsten hat er kaum etwas von den Systemen zu bieten, die das Fahren in modernen Automobilen sicherer und angenehmer machen. Das fiele sogar auf, wenn man ihn mit einem Auto vergliche, das diesbezüglich nicht so gut ausgestattet ist wie der Nissan. Der kommt als Tekna serienmäßig mit dem Assistenzpaket Visia, es umfasst unter anderem einen Spurhalteassistenten, Einparkhilfe vorn und hinten sowie einen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung. Für 1.000 Euro Aufpreis ist zudem das sogenannte Safety Shield mit Querverkehrerkennung, Totwinkelwarner, Parkassistenten und Müdigkeitserkennung verfügbar. Dagegen sieht der Dacia schon etwas alt aus. Auch weil es ihm immer noch an einem hochtechnisierten Lichtsystem mangelt. Er funzelt mit H7-Lampen, während der Qashqai Tekna mit serienmäßigem Adaptiv-LED-Licht glänzen kann. Dennoch hat der Duster seine guten Seiten, etwa beim Federungskomfort. Zwar gibt sich das Fahrwerk etwas knautschig und lässt mehr Karosseriebewegungen zu als der straffere Nissan, doch für kräftigere Unebenheiten ist er besser gerüstet. Zudem ist er mit dämpfungsfreudigeren 17-Zoll-Reifen besohlt. Überhaupt ist der Dacia ein SUV, der mal eine gröbere Gangart erträgt. Nicht nur wegen seines Allradantriebs. Eine echte Differenzialsperre fehlt ihm zwar, doch per Drehschalter in der Mittelkonsole kann die Kraftverteilung auf 50 zu 50 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse festgelegt werden. Damit kommt der Duster abseits befestigter Wege schon recht weit, immerhin darf er das Allradsystem des ersten Nissan X-Trail auftragen. Der Qashqai ist in dieser Motorisierungsvariante, wie erwähnt, nur mit Vorderradantrieb verfügbar. Auf festem Untergrund muss das kein Nachteil sein, fahrdynamisch hinterlässt er mit seinen zwei angetriebenen Vorderrädern den etwas lebendigeren Eindruck. Er biegt deutlich williger in Kurven ein, lässt sich mit der präziseren und rückmeldungsfreudigeren Lenkung besser auf Kurs halten, ohne dass er deswegen in den Verdacht geriete, ein Handlingwunder zu sein. Allenfalls im Vergleich zum Dacia, der insgesamt den viel trägeren Eindruck hinterlässt, auch weil er sich mit großer Vehemenz und beachtlicher Schräglage um die Ecken lehnt. Die Lenkung ist indirekter, vermittelt wenig Gefühl für das Eigenleben der Vorderräder und wirkt für ein derart hemdsärmeliges Auto eine Spur zu leichtgängig und indifferent.

Mehr Lärm im Duster
Vermutlich werden die wenigsten Käufer einen Duster oder Qashqai wegen der Kurvenkünste kaufen. Gerade beim Diesel und in der Duster-Preisklasse dürften eher die Spartalente der Antriebe ausschlaggebend sein. Da zeigt sich abermals der beim Testverbrauch fast einen Liter genügsamere Nissan als begabter. Doch er muss ja auch keinen Hinterradantrieb mitschleppen. Ähnlich gering sind die Fahrleistungen der beiden SUV, sie bleiben im vernachlässigbaren Bereich. 0,4 Sekunden beim Spurt auf 100 km/h sowie 13 km/h Unterschied bei der Spitzengeschwindigkeit sind kaum der Rede wert. Umso größer sind allerdings die Unterschiede in der Art und Weise, wie sich die beiden Triebwerke präsentieren. Kultiviert und leise erscheint der 1,5-Liter-Selbstzünder im Nissan. Er geht entschlossen, wenngleich nicht überschäumend zur Sache. Der Wunsch nach mehr Leistung oder Geschmeidigkeit kommt kaum auf. Ganz anders der prinzipiell gleiche Diesel im Dacia: Da lärmt er etwas gequält, ist viel lauter und scheint sich deutlich schwerer zu tun, trotz der kürzeren Gesamtübersetzung. Zudem erweist sich das Getriebe mit dem ultrakurz übersetzten ersten Gang als unpräzise und hakelig. Im Alltag reicht übrigens locker der Zweite zum Anfahren.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2018-05-19

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