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Testbericht

16. Dezember 2013
Dieser Test ist all jenen Frauen und Männern gewidmet, die auf die Frage nach dem Beginn menschlichen Lebens nicht hochakademisch "im Moment der Zeugung" oder "bei der Geburt" antworten, sondern saftig-lebensprall: "Wenn die Kinder aus dem Haus sind." So sprechen Menschen, die das wahre Leben kennen mit seinen Hochs und Tiefs zwischen Aufsteh-Blues und Zahnweh, Abschlussballwalzer und Zahnfee. Und deshalb landen sie in der Phase ihrer Vollzeit-Elternschaft nahezu automatisch beim Van. Der ist zwar nicht sexy, passt aber in dieses kunterbunt-pralle Leben perfekt mit seiner Vielseitigkeit, seinem variablen Platz und seinen noch stemmbaren Kosten.

Stille Treppe für Querulanten Nun ist auch Citroën wieder vertreten in der Liga der kompakten Fünfsitzer mit Option auf zwei Zusatzsitze im Heck (700 Euro Aufpreis). Citroën Grand C4 Picasso lautet der etwas umständliche Name des 4,60 Meter langen Fronttrieblers, der mit seiner relativ flachen Motorhaube gar nicht so Van-typisch beginnt. Was folgt, ist aber ganz klar Großraum, lichtdurchflutet und darüber hinaus sauber verarbeitet und mit hochwertigen Materialien eingekleidet. Zu fünft verreisen? Das geht locker, wenngleich große Mitfahrer auf den hinteren Außenplätzen mit ihrem Kopf der Dachkante sehr nahe kommen. Auch der Sitzkomfort im Citroën Grand C4 Picasso könnte besser sein: Die vorderen Polster, in der getesteten Top-Version Exclusive sogar mit Massagefunktion versehen, stützen den Oberkörper in Kurven wenig ab. Die Fond-Einzelsitze wiederum sind zu niedrig montiert, um lange Beine genügend zu stützen. Und die gewaltigen Erste-Klasse-Kopfstützen des Exclusive drücken großen Menschen auf die Schultern wie ein schlecht sitzender Rucksack. Das können der enger geschnittene Ford Grand C-Max und der bekannt luftige Opel Zafira Tourer besser. Vorn wie hinten sitzt man selbst auf Langstrecken kommod, nur der Mittelplatz des Ford könnte einer strengen Super-Nanny auch als stille Treppe für Dauerquerulanten dienen, schmal und hart gepolstert, wie er ist.

Citroën Grand C4 Picasso mit überragendem Federungskomfort Er lässt sich bei Bedarf in den rechten Außensitz falten, um freien Zugang zur dritten Sitzreihe zu bieten. Eine klappbare Beifahrersitzlehne (Serie im Citroën Grand C4 Picasso, 155 Euro bei Opel), die praktisch sein kann, nicht nur beim Transport des Weihnachtsbaums, gibt es allerdings nicht. Das Tännchen kommt im Citroën Grand C4 Picasso begleitet vom körnigen Brummen des neuen, nach Euro 6 sauberen Zweiliter-Diesels und bestens gefedert nach Hause. Querrinnen mag der große Picasso zwar nicht wirklich, doch Wellen bügelt er noch sanfter weg als der mit Adaptiv-Dämpfern (980 Euro) gepimpte Zafira Tourer. Beide sind in dieser Disziplin dem Grand C-Max überlegen, der auf richtig miesen Strecken schon mal mit seinen Schiebetüren klappert. Er ist nicht unkomfortabel, aber jenen Hauch straffer ausgelegt, der schon im Stadtverkehr viel Spaß auf der Landstraße verspricht.

Citroën gibt sich wenig handlich So ist es dann auch. Wie ein Kompakter lässt sich der Ford in die Kurven werfen, noch williger und präziser als der beachtlich gute Zafira Tourer. Wie steht es um den Citroën Grand C4 Picasso? Er will in Kurven gezwungen werden, liegt geradezu sperrig in der Hand und signalisiert, dass ihm Tempomachen trotz seiner 150PS nicht gerade im Blut liegt. Als Gleiter outet er sich vollends in lang gezogenen Autobahnkurven, in welche die Konkurrenten wie von selbst hineinstechen. Mit sehr bewussten Lenkbefehlen und etwas Nachdruck am überladenen Multifunktionslenkrad dagegen muss der Citroën hier auf Kurs gezwungen werden und bewirbt sich so um den Vorsitz im elitären Club der Highspeed-Untersteurer. Grand C-Max und Zafira Tourer erweisen sich nicht nur deshalb als die agileren, handlingfreudigeren Vans. Ihre Stabilitätsprogramme greifen sanfter ein, wenn es einmal eng wird (siehe Geschwindigkeiten in der ams-Wedelgasse), sie vermitteln dem Fahrer mehr Gefühl für die Interaktion zwischen Reifen und Piste, und ihre nicht minder kräftigen Bremsen lassen sich viel feiner dosieren als die des Citroën Grand C4 Picasso.

Citroën Grand C4 Picasso mit gewöhnungsbedürftiger Bedienung Er macht also vieles anders, der Citroën Grand C4 Picasso. So auch beim Bedienkonzept, was schon der zierliche Wählhebel der Sechsstufen-Wandlerautomatik hinterm Lenkrad zeigt (Citroën konnte uns keinen Schaltwagen liefern, der 1.200 Euro billiger wäre). Nicht selten aktiviert der Fahrer auf dem Weg von D nach P oder R erst einmal die Scheibenwischer. Und die zwei großen Monitore sind auch nicht das Ei des Kolumbus: Auf dem unteren Touchscreen, der die Karte des serienmäßigen Navigationssystems zeigt, während die Abbiegepfeile oben im Drehzahlmesser erscheinen, lassen sich allerlei Dinge regeln bis hin zu Internet-Apps. Doch wenn die Temperatur-Justierung der Zwei-Zonen-Klimaautomatik (serienmäßig sogar mit seitenweise getrennter Gebläseregelung für den Fond) nicht in einem Schritt möglich ist, läuft was in die falsche Richtung. Der Grand C-Max wirkt hier trotz kleiner Instrumente und verwirrender Menüs schon bedienfreundlicher, am wenigsten Probleme bereitet der Zafira Tourer trotz verknopfter Mittelkonsole. Dass der große Opel mit dem kleinsten und PS-schwächsten Motor antritt, schadet wenig. Der 1,6-Liter-Diesel nervt zwar mit einem tiefen Turboloch, doch später bietet er bei guter Laufkultur absolut ausreichendes Temperament. Dass er nicht 210km/h wie der dann laut im Wind rauschende Citroën schafft oder wenigstens 200 wie der Ford − geschenkt. Beim Testverbrauch setzt er sich nämlich mit 6,5 L/100 km klar vom spritzig-kraftvollen Ford (7,2 Liter, einziger ohne Start-Stopp-System) ab. Mit 6,7 Litern nah am Opel liegt der brummige Citroën, der für den höchsten Preis mit der üppigsten Ausstattung entschädigt. So passt auch er gut ins wahre Leben, das ein Auto öfter zum Kinderarzt führt als zum angesagtesten Club der Stadt. Und ehe wir uns falsch verstehen: Kinder sind etwas Wunderbares. Aber wenn sie aus dem Haus sind: Cabriolehet! Alles hat seine Zeit.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-12-16

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