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Testbericht

7. Juli 2011

Wer schön sein will, muss leiden – diese Weisheit trifft auch auf die Besitzer automobiler Schönheiten zu. Um gegenüber den entsprechenden Limousinen eleganter oder sportlicher zu erscheinen, sind Coupés – nach der reinen Lehre – meist flacher, dadurch im Fond enger und mit nur zwei Türen ausgestattet. Mit einem Wort: Sie sind unbequemer. Doch die Zeiten ändern sich. Mercedes nimmt für den eleganten CLS trotz seiner Fondtüren den Begriff Coupé in Anspruch. Citroën geht beim neuen DS4 noch einen Schritt weiter und legt das eigenwillige Schwestermodell des C4 zudem höher statt tiefer, damit die Kunden wie in einen SUV bequemer ein- und aussteigen können. Ein dynamischer Zweitürer mit coupéartigem Heck wie beim C4-Vorgänger ist in dieser Modellgeneration nicht mehr vorgesehen.

Volvo C30 Drive nur zweitürig lieferbar Wer das vermisst, muss sich bei der Konkurrenz umsehen. Etwa bei Volvo: Der ausschließlich zweitürig lieferbare C30 Drive präsentiert sich als typisches kompaktes Kombicoupé. Dass sich die Funktion der Form der attraktiven Kehrseite unterordnen muss, ist bei solchen Autos üblich, aber beim Volvo C30 Drive in der Praxis mit einigen Einschränkungen verbunden. So dient die klappbare Heckscheibe als Zugang zum kleinen Gepäckraum (251 Liter), der zudem über eine hohe Ladekante und eine weitere Klappe in der fest montierten Abdeckung beladen werden muss. Deren Ausbau ist zwar möglich, aber verzwickt – und unumgänglich, wenn die beiden Rücksitzlehnen des Volvo C30 Drive zum Erweitern des Gepäckraums vorgeklappt werden. Mitfahrer im Fond sollten dagegen weder besonders groß noch ungelenkig sein. Türöffner im Heckfenster Coupéliebhaber mögen für solche Unzulänglichkeiten nur ein Schulterzucken übrig haben, die sie für ein ausgefallenes Design in Kauf nehmen. Das bekommen sie jedoch auch beim Citroen DS4 HDi 110 geboten, dessen bulliges Heck mit einem besser zugänglichen und größeren Gepäckraum (370 Liter) aufwartet. Auf das Vorhandensein zusätzlicher Fondtüren deutet nur der viertelkreisförmige Verlauf der Türfuge hin, die durch die ausgeprägte Lichtkante am hinteren Kotflügel führt. Der Öffner versteckt sich kaum sichtbar in der spitzen Ecke des Seitenfensters. Dass der Citroen DS4 HDi 110 keine verkappte Limousine ist, zeigt sich beim Entern der schmalen hinteren Pforten, deren Scheiben sich weder versenken noch ausstellen lassen. Das Ein- und Ausfädeln der Füße bereitet Mühe, ist aber immer noch einfacher als bei einem Zweitürer. Einmal eingestiegen, zwickt es großen Mitfahrern eher an Knie und Füssen als am Kopf. Wegen der tiefen seitlichen Dachkante des Citroen DS4 HDi 110 fühlt man sich aber ziemlich eingemauert.

Sicht nach hinten im Citroen DS4 HDi 110 bescheiden Auf den gut ausgeformten, etwas eng geschnittenen Vordersitzen des Citroen DS4 HDi 110 geht es spürbar luftiger zu – vor allem, wenn der verschiebbare vordere Dachhimmel die komplette Fläche der Panorama-Frontscheibe freigibt. Nach hinten ist die Sicht durch die niedrige Scheibe bescheiden, der Heckwischer kaum länger als eine Hand. Parksensoren sind erst bei der Version So Chic an Bord. Eine hochwertige Anmutung und attraktiv arrangierte, aber etwas verspielte Instrumente und verstreute Bedienelemente prägen das Cockpit des Citroen DS4 HDi 110. Lenkrad und Schalthebel liegen gut zur Hand, doch die hohe Sitzposition irritiert – ist das noch Coupé oder schon SUV? Beim direkten Umstieg in den Volvo C30 Drive fallen die Passagiere geradezu in die breiten, bequemen Sitze. Gegenüber dem Designer-Cockpit des Citroen DS4 HDi 110 präsentiert sich die gut verarbeitete Armaturentafel des Volvo C30 Drive schlicht und schnörkellos, nur die mit Knöpfen übersäte Mittelkonsole und die knappen Ablagen fallen aus dem funktionalen Rahmen. Unter der Haube haben beide einen 1,6-Liter-Diesel Während sich Volvo C30 Drive und Citroen DS4 HDi 110 innen wie außen deutlich voneinander unterscheiden, vertrauen beide unter der Motorhaube auf den gleichen 1,6 Liter großen Diesel aus der Kooperation von PSA und der ehemaligen Volvo-Mutter Ford. Im Citroen DS4 HDi 110 leistet er 112 PS und kostet ab 22.700 Euro, während Volvo für den C30 Drive 115 PS angibt und ihn für diesen Preis bereits in der verbrauchsoptimierten Drive-Ausführung (ab 22.230 Euro) anbietet. Wichtigster Bestandteil dieses 600 Euro teuren Pakets des Volvo C30 Drive ist – neben einer Schaltpunktanzeige und der Optimierung von Aerodynamik und Motorsteuerung – die zuverlässig funktionierende Start-Stopp-Automatik. Der extrem niedrige Normverbrauch von 3,8 L/100 km ist unter Alltagsbedingungen zwar kaum erreichbar, im Durchschnitt kommt der Volvo C30 Drive dennoch auf respektable 5,5 L/100 km – das ist ein ganzer Liter weniger als der Citroen DS4 HDi 110. Der ist als e-HDi (Aufpreis 800 Euro) ebenfalls mit Start-Stopp-Technik zu haben, allerdings nur in der Zwangskombination mit automatisiertem Schaltgetriebe, wodurch der Verbrauch um 0,3 Liter sinken soll.

Weniger Kompromisse mit dem Citroen DS4 HDi 110 Trotz gleicher Motorbasis vermitteln beide Fronttriebler damit unterschiedliche Eindrücke. Im Citroen DS4 HDi 110 fällt die kleine Anfahrschwäche des Triebwerks größer aus, während der Diesel unter Last etwas kerniger, aber nicht lästig klingt. Ausgesprochen sportliche Ambitionen pflegt der Citroen DS4 HDi 110 genauso wenig wie der Volvo C30 Drive. Die DS4-Lenkung fühlt sich zwar ausreichend direkt, aber nicht knackig an. In Kurven lässt das Fahrwerk zwar kaum Seitenneigung zu, rollt aber über Unebenheiten ebenso steifbeinig. Auf der Autobahn werden Querfugen bei steigendem Tempo zunehmend schlechter weggesteckt. Die optionalen 18-Zöller wirken dabei nicht gerade komfortfördernd, während sie ihren Teil zu den sehr kurzen Bremswegen (unter 36 Meter aus 100 km/h) beitragen. Obwohl sich die Fahrleistungen kaum unterscheiden, wirkt der Volvo C30 Drive subjektiv einen Tick spritziger und kultivierter, was auch an der geschmeidigen Sechsgangschaltung liegt. Trotz verbrauchssenkender Übersetzung im sechsten Gang beschleunigt er flotter. Nicht in das Bild des komfortablen Volvo C30 Drive passt jedoch die Abstimmung der Federung, die größere Hubbewegungen zulässt, aber noch stößiger reagiert als die des Citroen DS4 HDi 110. Ob solche Feinheiten die Kaufentscheidung zwischen Volvo C30 Drive und Citroen DS4 HDi 110 beeinflussen, erscheint angesichts der polarisierenden Optik fraglich. Der Citroen DS4 HDi ist das praktischere Auto – seine Extravaganz fordert im Alltag weniger Kompromisse.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-07-07

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