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Testbericht

13. Mai 2015
Die 1998 zwischen Chrysler und Daimler gefeierte "Hochzeit im Himmel" erzeugte eher spärlichen Nachwuchs. Bis zur turbulenten Scheidung im Jahr 2007 brachte der deutsch-amerikanische Autokonzern DaimlerChrysler AG gerade mal zwei gemeinsam entwickelte Modelle auf den Markt: das Coupé und Cabrio Crossfire sowie die Fünfmeter-Limousine und den Kombi Chrysler 300 C Touring.Während der kompakte, bei Karmann in Osnabrück gebaute Crossfire auch in den Staaten nur wenige Käufer fand, entwickelte sich der 2004 vorgestellte Chrysler 300 C Touring zum großen Verkaufshit. Er ist in Amerika noch immer in fast unveränderter Form Bestandteil des aktuellen Chrysler-Programms. Bei uns hatte der 300 C unter Fiat-Regie noch einen letzten, merkwürdigen Auftritt als Lancia Thema.

Wie aus Fels gehauen - im österreichischen Graz
Der Erfolg des Chrysler 300 in Amerika erklärt sich vor allem durch seine wuchtig gestylte Karosserie. Mit ihren geraden Linien und den niedrigen Fenstern wirkt sie so, als sei sie aus einem Stück Fels herausgehauen. Der mächtige Chromgrill macht sogar dem Audi Q7 Konkurrenz - und das bereits seit mehr als 10 Jahren. Hinzu kommen noch Heckantrieb und bullenstarke V8-Motoren. Auf all dies mussten die Amerikaner in ihren Limousinen von Chevrolet, Ford und Toyota bis zum Erscheinen des Chrysler 300 und dessen Schwestermodell Dodge Charger verzichten.In Europa blieb derChrysler 300 C - das "C" steht für die Luxusversion - gegen seine Businessclass-Konkurrenten von Audi, BMW und Mercedes jedoch chancenlos. Weder seine imposanten Außenmaße und die großzügige Ausstattung noch die V8-Motoren mit 340 und sogar 431PS oder ein sparsamer 218-PS-Diesel konnten daran etwas ändern. Auch die Kombiversion des 300 C, die nur in Europa angeboten wurde, machte den in Graz bei Magna Steyr produzierten Ami nicht zum Verkaufsrenner. Bis Anfang 2010 fanden in Deutschland rund 7.500 Chrysler 300 C einen Käufer.

Mix aus gepanzertem US-Geldtransporter und Bentley Continental GT
Ob das kleine Häuflein mit seinem Exoten glücklich wurde oder es vielleicht sogar noch ist, wollen wir jetzt herausfinden und haben deshalb hinter dem Lenkrad eines Chrysler 300 C Touring 5.7 Hemi Platz genommen. Der Wagen hat bereits über 162.000 Kilometer auf dem Tacho, was man ihm jedoch weder außen noch innen ansieht.Jetzt packen wir das dicke Lenkrad des Chrysler 300 C Touring an seinem Lederwanst und fangen sofort an zu grinsen: Einen solch lässigen Mix aus gepanzertem US-Geldtransporter und Bentley Continental GT erlebt man sonst in keinem anderen Auto. Die seitliche Karosserie reicht fast bis zum Hemdkragen hoch. Und weil die relativ steil stehende, niedrige Windschutzscheibe ziemlich weit nach vorn in Richtung Motorhaube gerückt ist, entsteht kein Gefühl der Enge, sondern der Geborgenheit.Dazu tragen auch die Rundinstrumente mit den hellen Zifferblättern im Retro-Look bei – und der obere, gemütlich wirkende Holzbereich des Lenkrads. Vielleicht ist der zum Reinbeißen gedacht, falls man im Chrysler 300 C Touring mit dem leistungsschwachen 2,7-Liter-Benziner unterwegs ist, dessen Sechszylinder nur 192PS leistet.

Chrysler 300 C Touring mit 340PS und 525Nm Drehmoment
Auch die hübsche Analoguhr und die schlichten Regler für die Klimatisierung, die beim Drehen den genau richtigen, etwas sämigen Widerstand leisten, finden großen Gefallen. Ebenso der massive, mit einer Holzeinlage versehene Automatik-Wählknüppel des Chrysler 300 C Touring. Seine Zickzack-Schaltkulisse befindet sich in einem rechteckigen Kästchen, das von dicken, repräsentativen Chromleisten umrandet wird. Und das mit Recht, waltet hier die Hand doch über 340PS und 525 Newtonmeter Drehmoment.Dann natürlich Leder, aber nur auf den Sitzen und nicht an den Türen des Chrysler 300 C Touring, wo uns das gleiche graue Plastik wie im Kofferraum oder auf dem Armaturenbrett begegnet. Wir verbuchen das als ehrliche Materialansage von Mann zu Mann und verzichten deshalb ohne zu jammern auf falschen Klavierlack und falsches Aluminium.

Chassis vom Mercedes W210
Ebenso nehmen wir zur Kenntnis, dass die Leute von Daimler in ihrem Chrysler doch Spuren hinterlassen haben: Zickzack-Schaltkulisse, Klappzündschlüssel, Blinker-Wischer-Lenkstock-Kombihebel und der unsägliche Lenkstockhebel light für die Cruise Control stammen eindeutig aus Stuttgart. Auch das gesamte Chassis des Chrysler 300 C Touring mitsamt dem Antriebsstrang steuerte die Mercedes E-Klasse der bis 2002 gebauten W210-Baureihe bei.Der Hemi-V8 kommt dagegen aus Michigan, und das ist gut so. Noch immer begnügt er sich mit einer zentralen Nockenwelle, Stoßstangen, Kipphebeln und zwei Ventilen pro Zylinder. Dafür gibt es jetzt 16 Zündkerzen und eine Zylinderabschaltung bei Schleichfahrt, die den Benzinverbrauch des Chrysler 300 C Touring jedoch nicht wirklich in die Knie zwingt. Der liegt zwischen 10 und 20 Litern, je nachdem wie oft man der Versuchung erliegt, den 340 Pferden die Sporen zu geben.

Die Versuchung des Hemi-V8
Im Alltagsbetrieb schaltet der leise rauschende V8 schon bei 2.000/min in die nächste Fahrstufe. Man kann aber mit einem Tritt auf das Gaspedal spontan die restlichen 200PS mobilisieren. Dann meldet sich der Hemi mit einem dunklen Grollen und schiebt den Chrysler 300 C Touring so lässig an, als säßen wir in einem Airbus beim Abflug nach Malle.Damit die Versuchung nicht zur Sünde wird, haben die Chrysler-Leute ordentliche Bremsen und ein fast schon zu hartes Fahrwerk eingebaut. Beim Überfahren von Schlaglöchern rumpelt es im Chrysler 300 C Touring bisweilen unter den grauen Veloursteppichen, was ganz gut zum ehrlichen und unverfälschten Charakter des Amis passt.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-05-13

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