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Testbericht

12. April 2011

Viersitzige Luxuscabrios sind wie Besuche im Drei-Sterne-Restaurant. Keiner braucht sie wirklich, doch wer sie sich leisten kann, wird wenig finden, was mehr Genuss liefert. Starten wir doch einfach mal den Motor des Maserati Gran Cabrio, legen per Knopfdruck das Stoffdach flach und genießen ungefiltert die Hymne an den V8-Motor, die aus dem 4,7-Liter-Sauger trompetet. Allein in der Melange aus geschwungenem Pininfarina-Kleid und verrucht bollerndem Verbrennungschor liegt schon soviel Haben-will-Reiz, dass der 132.770-Euro-Dreizack entspannt dem Vergleichstest entgegensehen kann. Neues BMW 6er Cabrio stellt sich dem Vergleichstest Speziell gegen ein nagelneues BMW 650i Cabrio wird er - das ist der dunkelblauen bella macchina völlig klar - rational wenig Chancen haben. Der BMW 6er wiederum muss sich für seine rund 100.000 Euro (mit allen Fahrdynamik-Extras) auch gegen ein Jaguar XK Cabrio wehren. Dieses bietet für fast das gleiche Geld mit 385 PS aber 22 weniger als der BMW, während sich Signore Maserati mit 440 Pferden souverän an die Leistungsspitze im Vergleichstest schiebt.

Aber lassen wir die Gäule noch im Stall. Im italienischen 4,90-Meter-Kreuzer sitzen offen selbst vier Männer passabel, so dass manche die Bezeichnung 2 2-Sitzer auch als Untertreibung empfinden könnten. Da packt selbst der rund- und breitgezogene BMW 6er kaum was drauf. Allenfalls in der Breite zwackt der luftige Bayer einen Hauch weniger. Für die beiden Fondkuhlen des eher maßgeschneiderten Jaguar XK Cabrio fand sich dagegen in der ganzen Redaktion keine entsprechend zierliche Person. Noch schlimmer für die wohlhabende Familie: Trotz Isofix lässt sich ein größerer Kindersitz nicht vernünftig verstauen. Unverständlich bei allen drei sind zudem die Zuladungswerte. Dach des Jaguar XK Cabrio schließt besonders schnell Das Thema Kofferraum löst das Maserati Gran Cabrio konsequent, besonders wenn das dreisterweise 952 Euro kostende Windschott drinliegt: Er hat dann quasi keinen. Das Jaguar XK Cabrio bietet spürbar mehr, jedoch so flach gezogen, dass ernsthafte Reisekoffer nur zersägt hineinpassen. Wogegen die 350 Liter des 6er sich auch mit üblichen Gepäckstücken füllen lassen. Sollte jetzt plötzlich ein Regenguss niederprasseln, werden die Maserati- und BMW-Passagiere übrigens rund zehn Sekunden länger nass als im Jaguar XK Cabrio mit seinem hurtig in 16 Sekunden schließenden Dach. Aber auch ohne die Himmelstropfen sehen Besitzer eines Maserati Gran Cabrio und Jaguar XK Cabrio bedröppelt aus, wenn sie sich die Detailverarbeitung anschauen: Beim Gran Cabrio hüpft das Schaumstoffpolster unter dem serienmäßigen Leder hervor, und beim feinen Engländer wenden sich einige der edlen Holztafeln von ihrem Verkleidungsrand ab. Dagegen ist die innen etwas schluderhaft lackierte Heckklappe des BMW 6er Cabrio nur eine Petitesse. Ansonsten sitzt im 6er jede Naht und jedes Detail so akribisch wie an einer handgenähten bayerischen Lederhose. BMW 6er Cabrio wiegt fast 2,1 Tonnen Generös lässt das BMW 6er Cabrio seinen Insassen zudem die Wahl, ob sie sich mit hochgefahrenen Heck- und Seitenscheiben fast zugfrei wie in einem geschützten Biergarten im Wald oder - Scheiben runter - luftig wie auf einer Anhöhe fühlen. Puristische Dach-runter-Piloten werden wohl trotzdem das etwas windigere, roadsterhaftere Gefühl im Jaguar XK Cabrio goutieren oder im besonders im Fond stürmischeren, teuren Italiener flanieren. Bei der Suche nach perfektem Komfort verloren die BMW-Jungs leider etwas den Gewichtsfokus: Mit 2,1 Tonnen gehört das 650i Cabrio zusammen mit dem fast gleich schweren Maserati Gran Cabrio zu den automobilen Moppelchen. Fast sechs Zentner weniger zeigt die Waage bei der britischen Katze. Was ein formidables Leistungsgewicht von 4,7 kg pro PS für das Jaguar XK Cabrio ergibt, während beim BMW 6er Cabrio jedes PS 5,2 Kilogramm zu schleppen hat. BMW 6er Cabrio hat beim Spurt die Nase vorn Eine klare Sache bei der Längsdynamik? Nicht ganz, denn der Jaguar XK bringt seinen Dampf traktionsmäßig nicht perfekt auf die Straße und muss sich beim Spurt auf 100 km/h dem BMW 6er um 0,3 und dem Maserati Gran Cabrio um 0,1 Sekunden geschlagen geben. Beim fliegenden Start fegt der leichte Jaguar XK mit 515 Nm maximalem Drehmoment aber mit Verve davon. Dann juchzt das Motor-Junkieherz angesichts des herrlich bissigen Ansprechverhaltens und des bärig satten Basses des Fünfliter-V8-Saugers.

Das Maserati Gran Cabrio gönnt sich im Vergleich zwar ein dezentes Sauger-Phlegma unterhalb von 4.000/min, doch darüber stürmt er mit sexy grollender Euphorie (Auspuffklappen auf) in die 7.000er. Dass er dabei glücklich mit dem Sprit gurgelt, kann man hören und an der Zapfsäule sehen: Er genehmigt sich im Testmittel rund zwei Liter mehr als seine Rivalen. Sparsamster im Test ist der BMW 6er So wird es Zeit für den politisch korrekten Auftritt des elastischen, direkteinspritzenden, aber ohne Valvetronic antretenden 4,4-Liter-Doppel-Turbo-Aggregats im BMW 6er Cabrio. Leise säuselnd im Teillastbereich mit einer im Vergleich zum Maserati Gran Cabrio fast schon possierlichen Röhrnote bei Voll- und Zwischengas. Bis auf hauchzart verzögertes Ansprechen gibt es wenig zu kritisieren, selbst der Verbrauch geht bei dem Gewicht in Ordnung. Echte Auto-Gourmets wünschen sich aber noch eine Prise Antriebs-Chili. Das gewünschte Feuer gibt es dann bei sportlicher Fahrweise. Mit adaptiver Dämpfung, Wankstabilisierung und Aktivlenkung (mitsamt Hinterradlenkung 5.920 Euro Aufpreis) kaschiert der BMW 6er ambitioniert, aber etwas synthetisch seine Pfunde und feuert mit spät untersteuerndem, wankarmem und präzisem Handling durch Kurven. Maserati Gran Cabrio setzt im Slalom den Maßstab Das Maserati Gran Cabrio, einzig echter Frontmittelmotor-Wagen im Vergleich, zeigt sich tendenziell leicht unterdämpft und strukturweich. Nach etwas verzögertem Einlenken in der Kurve schnappt es plötzlich zu und verteilt die Radlast schlagartig auf das kurvenäußere Vorderrad. Beim Slalom setzt der Maserati trotzdem klar den Maßstab. Der Jaguar XK legt sich ruhiger in die Kurve, bleibt lange neutral, um im Lastwechselfall schon mal unvermittelt mit dem Heck zu keilen. Leider vergisst die Lenkung dabei die passende Rückmeldung, und das langsame ESP-System nervt mit Hyperaktivität beim Untersteuern und Lethargie beim Übersteuern. So verschenkt er viel von seinem Handling-Potenzial und liefert im Slalom eine enttäuschende Zeit ab. Hoher Komfort in BMW 6er, Jaguar XK und Maserati Gran Cabrio Die krassen Unterschiede wie im Handling bleiben beim Komfort aus. Alle drei kredenzen genug Dämpfungsreserven für einen entspannten Cruising-Ausflug zu viert. An die Steifigkeit und Ausgewogenheit des BMW 6er Cabrio kommen die beiden renommierten Luxusliner jedoch nicht heran. Während die schnelle Katze trotz ihrer adaptiven Dämpferregelung ein wenig zum Springen neigt, fehlt es dem Dreizack an Festigkeit – es ächzt mächtig im Stahl-Gebälk. Herausragende Bremsleistungen bieten alle drei, auffällig ist nur das ambivalente Maserati Gran Cabrio mit dem mit Abstand kürzesten Bremsweg aus 190 km/h bei dem gleichzeitig teigigsten Pedalgefühl. Das teuerste Cabrio im Vergleich ist eben ein Charaktertyp. Gerade noch schimpft man über ihn (zum Beispiel verwirrende Infotainment-Bedienung), um im Beschleunigungsmoment voller Glück zu strahlen – quasi der FC Schalke 04 des Autobaus. Sieg für das BMW 6er Cabrio Das hübsche und vergleichweise günstige Jaguar XK Cabrio steht sich dagegen selbst etwas im Weg. Hervorragende Anlagen wie seine Leichtbau-Alu-Karosserie und der geniale Fünfliter-V8 werden von mangelhafter Lenkungs- und ESP-Applikation konterkariert – von der kruden Infotainment-Bedienung nicht zu reden. So war der klare Sieg des im Vergleich eher dürftig ausgestatteten BMW 6er Cabrio nie gefährdet, mit seiner ausgewogenen Abstimmung und der durchdachten Konstruktion ist er die Vernunft-Wahl bei den Luxus-Cabrios schlechthin. Angekratzt vielleicht nur durch sein hohes Gewicht und die Glätte seines Perfektionismus.

Zu geringe Zuladung oder zu wenig Platz Wer sich die Zuladungen der drei Cabrios ansieht, muss an einen Schildbürgerstreich denken: So sitzen im BMW 6er und Maserati Gran Cabrio zwar vier nicht zu große Erwachsene bequem, jedoch erlauben beide Luxusliner weniger als 300 kg Zuladung, was für vier Personen (à 75 kg) das Mindestmaß wäre – vom Gepäck nicht zu reden. Der Jaguar XK verträgt zwar mit 323 kg genug Zuladung, in seinem engen Interieur findet aber beim besten Willen keine Vierer-Gruppe Platz.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-04-12

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