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Testbericht

11. Juni 2009

Manchmal kommt so eine rote Ampel gerade recht. Cabrio-Fahrern reichen die Sekunden locker aus, um vom Alltags- in den Urlaubsmodus umzuschalten: Dach runter, Sonnenbrille auf, einmal tief durchatmen, und schon strahlt die Welt in ganz neuen Farben. Vor allem, wenn man auf eine schier endlose Motorhaube schaut wie im neuen BMW Z4 sDrive 35i .

BMW Z4 sDrive 35i mit Klappdach Obwohl bereits der kantige Vorgänger die klassische Roadster-Silhouette bot, kommt die Schnauze des um 15 Zentimeter gewachsenen Nachfolgers damit in gefühlte Jaguar E-Type-Regionen. Gleichzeitig tauscht der BMW Z4 sDrive 35i sein Stoffmützchen gegen einen filigranen Alu-Helm ein, womit er das Erbe von Roadster und Coupé in Personalunion antritt. Längenwachstum und fester Deckel sorgen allerdings für mehr Gewicht: Beim BMW Z4 sDrive 35i-Testwagen sind es stattliche 1.620 Kilogramm. Das zweiteilige Dach mit großzügiger Verglasung verbessert nicht nur die Übersicht, es beschert seinen Besitzern auch das heimelige Gefühl von Sicherheit im etwas luftigeren Cockpit sowie Schutz vor Vandalismus - nicht nur für Laternenparker ein Kaufargument. Da lässt es sich verschmerzen, dass der elektrohydraulische Striptease nur noch einen 180 Liter großen Kofferraum-Schlitz im BMW Z4 sDrive 35i übrig lässt und mit 20 Sekunden nunmehr doppelt so lang dauert wie früher. Für eine durchschnittliche Rotphase noch flink genug. Wer ohnehin an der Ampel steht, darf seine Finger über das gegenüber dem Vorgänger deutlich aufgewertete Interieur streichen lassen: hier ein Chromrand um den Klimaregler, dort eine Alu-Plakette am Getriebewählhebel, dazu verschiedenfarbiges Leder und jede Menge poliertes Holz. Automatikmodus im BMW Z4 sDrive 35i manchmal unentschlossen Doch auch der BMW Z4 sDrive 35i-Dreiliter-Reihensechszylinder bietet viel für die Sinne: Bei leichtem Gasfuß noch sonor murmelnd, brüllt der Direkteinspritzer nach kurzem Luftholen der beiden Turbolader angriffslustig auf und presst den Hecktriebler vehement nach vorn. Sein Doppelkupplungsgetriebe (Option) beherrscht ebenfalls beide Tonarten, reicht bei Bedarf den nervenschonend langen Siebten oder zappt per Fingerdruck am Lenkradpaddel für Zwischenspurt zu den kurzen Übersetzungen - mit fein verschliffenen Übergängen und schnellem Gangwechsel. Nur im Automatikmodus wirkt es bei zügiger Gangart manchmal unentschlossen. Selbst schalten passt sowieso besser zum sportlichen BMW Z4 sDrive 35i Roadster , vor allem auf Landstraßen mit engem Genießer- Layout. Modifizierte Fahrwerksabstimmung im BMW Z4 sDrive 35i Seine leichtgängige und um die Mittellage zackig agierende Lenkung bemüht sich dabei, jeden Spaß mitzumachen. Allerdings schiebt der BMW Z4 sDrive 35i in engen Kehren stärker über die Vorderräder als die zwei bis drei Zentner leichteren Konkurrenten und beschert seinem ESP vor allem auf nassem oder welligem Untergrund Sonderschichten - freilich ohne dabei messbar langsamer unterwegs zu sein. Dem alten Kurvenbeißer BMW Z4 zieht auch die modifizierte Fahrwerksabstimmung Zähne. So verarbeiten die adaptiven Dämpfer Unebenheiten im Normal-Modus willig, sorgen aber bei kurzen Stößen selbst auf Sport-Stellung für heftige Vertikalbewegungen.

BMW Z4 sDrive 35i verliert im Vergleichstest beim Komfort Da BMW Testfahrzeuge zu diesem frühen Zeitpunkt ausschließlich mit 19-Zoll-Rädern bestückt, kann der BMW Z4 sDrive 35i beim Komfort dennoch nicht punkten. Hartes Abrollen konterkariert die Bemühungen der Dämpfer, und der nervöse Geradeauslauf fordert Konzentration. Nach einer zügigen Fahrt aus dem BMW Z4 sDrive 35i in den Mercedes SLK 350 zu steigen wirkt wie von einem Action- auf einen Romantikfilm umzuschalten. In seinem übersichtlichen, wenngleich wenig detailverliebten Cockpit finden sich auch Neulinge auf Anhieb zurecht. Außerdem federt der Senior aller modernen Blechdach- Cabrios limousinenhaft geschmeidig ab, beruhigt mit harmlos wiegenden Karosseriebewegungen sowie indirekter, aber homogener Lenkung samt großem Steuerrad. Der Mercedes SLK 350 kann nicht mit der Konkurrenz mithalten Einstellbare Stoßdämpfer-Profile kennt der Mercedes SLK 350 ebenso wenig wie spitzforsches Einlenken. Dafür verhindert ein optionaler Nackenföhn steife Hälse an kühlen Abenden. Auch wenn ihn die Preisliste als Sportmotor auslobt: Der 305 PS starke V6 im Mercedes SLK 350 sorgt mit der einzigen klassischen Wandlerautomatik im Test zwar für reife Fahrleistungen auf dem Niveau der Konkurrenz, aber weder klanglich noch in puncto Reaktionsschnelligkeit für allzu sportliches Flair. Porsche Boxster S punktet mit sehr guten Bremsleistungen Authentischen Renn-Sound liefert dafür der Porsche Boxster S , der beim Ausdrehen aus jeder Kreisstraße eine imaginäre Hunaudières-Gerade macht. Vibrationsarm, aber laut und rotzig, widersetzt sich der sensibel ansprechende 3,4-Liter- Boxer klassischen Komfort-Ansprüchen ebenso wie die herbmarkante Federung, die hohe Kurvengeschwindigkeiten bei geringer Seitenneigung zulässt, oder die schwergängige, präzise Lenkung. So kompromisslos wie seine Mittelmotorbauweise, die den Gepäckraum in zwei kleine Nischen unterteilt, sind auch die Bremsen: An den 35 Metern nach der zehnten Vollbremsung aus Landstraßentempo beißt sich manch ein wesentlich teurer Supersportwagen die Zähne aus. Porsche Boxster S verlangt fahrerische und finanzielle Hingabe Die hohen querdynamischen Grenzen auszuloten bedarf jedoch einer kundigen Hand: In schnellen Kurven und auf Nässe sorgen Gaspedallupfer für mehr Quergang, als es Unbedarften lieb ist. Und der Porsche Boxster S verlangt nicht nur fahrerisch, sondern auch finanziell volle Hingabe: Ausstattungsbereinigt kommt der traditionell sparsam ausstaffierte Schwabe um einen Kleinwagen teurer als die Konkurrenz.

Audi TTS Roadster kompensiert fehlende PS Doch schon die Topversion des Audi TTS Roadster sprengt die 50.000-Euro-Schwelle. Dafür bietet er die beste Ausstattung und ein Verdeck, das mit beachtlicher Geräuschisolierung angebliche Blechdach-Vorteile in Vorurteile verwandelt. Wie im Porsche Boxster S lässt sich der Entschluss, geschlossen zu reisen, auch schon in Fahrt (bis Tempo 50) revidieren. Den Makel fehlender PS und Zylinder kompensiert der Audi TTS Roadster mit punchiger Allrad-Traktion aus engen Kurven und gutturalen Verbrennungsgeräuschen seines Zweiliter-Turbos - inklusive eines kurzen Fauchens beim Runterschalten. Der Audi TTS Roadster verlangt weniger fahrerischem Aufwand Von zu wenig Kraft kann ohnehin keine Rede sein: Schon längsdynamisch liegt er auf dem Niveau der anderen, um ähnlich agil wie der Porsche Boxster S durch Kehren zu eilen - nur mit viel weniger fahrerischem Aufwand. Hilfloses Geradeausschieben in schnell angegangenen Kurven kennt er ebenso wenig wie zickige Heckschwenks. Hinzu kommen geringe Bedienkräfte für Lenkung und Bremse bei toller Rückmeldung sowie brauchbarer Federungskomfort. Zum problemlosen Alltagssportwagen passt auch das intuitive Doppelkupplungsgetriebe, das im Automatikmodus die Gedanken des Fahrers zu ahnen scheint. Wesentlich sparsamer als die Sechszylinder lässt sich der Audi TTS Roadster jedoch nicht bewegen. Der Audi TTS Roadster gewinnt also vor allem durch seine quirlige Art und weil er zu wenig Kompromissen zwingt. Die nehmen Porsche Boxster S-Fahrer in puncto Bequemlichkeit gern in Kauf und genießen seine Präzision. Während der Mercedes SLK 350 konsequent das entspannte Reise-Cabrio abgibt, sucht der BMW Z4 sDrive 35i noch sein Profil: Hohes Gewicht und steifes Abrollen machen ihn weder mitreißend agil noch besonders komfortabel.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-06-11

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