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Testbericht

14. Januar 2016
Vier Sekunden sind verdammt fix. Sie vergehen, bis BMW X6 M und Mercedes-AMG GLE 63 S aus dem Stand auf 100km/h beschleunigt haben. Das muss man sehen, um es wirklich zu glauben, vielleicht auch den einen oder anderen Vergleich bemühen. Etwa den hier: Von Toni Kroos’ Pass über Schürrles Flankenlauf bis zum Torschuss von Mario Götze dauerte der Spielzug zum Tor im WM-Finale 2014 doppelt so lang: acht Sekunden. In diesen acht Sekunden wären X6 M und GLE 63 S etwa 150km/h schnell, wie von einer Urgewalt nach vorn geprügelt, doch sämig und mit satt grollenden Achtzylinder-Turbos.

0 auf 200km/h in 15 Sekunden
So weit, so gut, das traut man ihnen ohne Weiteres zu, obgleich ja der Drehmomentgewalt ihrer Motoren eine nicht unerhebliche ruhende Masse gegenübersteht. Es sind jeweils so um die 2,3 Tonnen, und da müssen wir wegen des knappen Zentners Gewichtsnachteil des Mercedes nicht kleinlich sein: Sie wiegen praktisch gleich viel. Ach ja, Sinnfragen sollten wir hier besser nicht stellen, das wäre etwas für Philosophie-Seminare oder Monty-Python-Filme. Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass sich beide Modelle in der Vergangenheit gut verkauften, es also offenbar einen Bedarf nach fast 600PS starken Allradlern mit SUV-Anklängen gibt.Zugegebenermaßen kommen die wenigsten Kunden aus Europa, beim X6/X5-M-Vorgänger der Baureihe E71 waren es nicht mehr als zehn Prozent, beim ML 63 AMG dürfte es ähnlich ausgesehen haben. Um die 15 Sekunden benötigen die beiden Allradler übrigens, um 200km/h schnell zu werden, ein sehr schöner Beweis, dass das Physik- Schulwissen noch gültig ist: Fahrwiderstände wachsen im Quadrat zur Geschwindigkeit. Das alles fühlt sich vom Fahrersitz aus bemerkenswert unspektakulär an, viel zu tun gibt es jedenfalls nicht: Bei beiden reicht es, das Gaspedal durchzutreten. Aus der Franz-Meersdonk-Perspektive wirkt der Handling-Parcours noch kleiner und winkliger, die Sicht würde vom Fahrersitz aus weit ins Rheintal reichen, wenn nicht zäher Nebel über der A5 hinge. Mit beängstigender Beschleunigung fressen beide die kurze Gerade vor dem doppelten Spurwechsel, dann wird kurz der Anker geworfen

Mercedes-AMG GLE 63 S durch Elektronik ausgebremst
Da zeigen sich bereits die ersten Unterschiede, jene im Beschleunigen sind nämlich vernachlässigbar, eine halbe Sekunde nimmt der BMW X6 M dem Mercedes-AMG GLE 63 S bis 200km/h ab. Der BMW fühlt sich bei maximaler Verzögerung stabiler an, wankt weniger und benötigt zudem die kürzeren Bremswege. Allerdings läuft der Testwagen hier auf optionaler 21-Zoll-Mischbereifung (2.350 Euro), der AMG hat die serienmäßigen 295/35-21-Gummis drauf. Beim Bremsen aus 100km/h sind beide noch innerhalb der Messtoleranz. Doch beim Verzögern aus 200km/h, immerhin eine Situation, die bei schneller Autobahnfahrt durchaus vorstellbar ist, benötigt der X6 M sieben Meter weniger bis zum Stillstand. Das klingt nicht nach viel, doch die Restgeschwindigkeit betrüge in diesem theoretischen Fall immerhin rund 40km/h. Einlenken, klappt gut, wieder aufs Gas, auch das geht mit dem X6 besser, er untersteuert kaum, neigt allerdings zu irritierenden Stampfbewegungen an der Hinterachse. Dennoch turnt der BMW mit gewichtiger Grazie um die Pylonen. In solche Fahrzustände kommt der Fahrer im GLE nicht so leicht, schon weil ihn die Assistenzelektronik recht früh und sehr merklich einbremst. Sie verhindert sehr zuverlässig, dass die Haftreibung an den Rädern in Gleitreibung übergeht, das ist schade, denn der Mercedes könnte durchaus mehr. So verhindert sein Active-Curve-System mit seinen aktiven Stabilisatoren allzu ausgeprägte Wankbewegungen des massigen Aufbaus. Wie gut das klappt, zeigt etwa der Vergleich beim 36-Meter-Slalom, da ist er einen Hauch schneller durch als sein AMG-Bruder CLS 63 S. Noch etwas hurtiger fegt übrigens der BMW X6 M durch, der insgesamt etwas neutraler ist und weniger zum Untersteuern neigt als der Mercedes-AMG GLE 63 S.

BMW X6 M-Motor mit mehr Laufkultur
Über zwei Sekunden knöpft der BMW dem Mercedes dann pro Runde ab, das liegt nicht nur am ruhigeren Fahrverhalten des X6 und dessen nachdrücklicheren Bremsen sowie dem niedrigeren Gewicht. Der BMW versteht es zudem etwas besser, sein überbordendes Drehmoment auf die Piste zu bringen. Ach ja, die Motoren. Auch da leichter Vorteil für den X6 M. Der V8 mit der schönen Baureihenbezeichnung S63B44 hat nicht nur weniger Hubraum, er dreht entsprechend flockiger hoch, versucht eher Sportmotor als Drehmomentbomber sein. Dabei ist er leiser, diskreter als der M157 im Mercedes. Der macht wenig Hehl daraus, dass er gerade jeden seiner acht Kolben auf 90,5 Millimeter langen Wegen zwischen den Totpunkten hin- und herwuchtet. Pro Sekunde übrigens bei Nenndrehzahl 91-mal.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-01-14

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