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Testbericht

29. Dezember 2013
Der BMW X5 war von Anfang an keine besonders abwegige Idee. Schotter war nie ein ernsthaftes Thema - weder für ihn noch für die Käufer. 1,3 Millionen Exemplare hat BMW in 14 Jahren und zwei Modellgenerationen an die Kunden und auf die Straße gebracht - und da blieben sie auch. Den Erfolg soll der neue BMW X5 fortführen, der sich in Baureihe F15 mehr verändert hat, als es von außen scheint. Am sinnbildlichsten zeigt sich das am s-Drive 25d, dem ersten rein hinterradgetriebenen BMW X5.

BMW X5 rund acht Zentimeter länger Ohne 4matic rollt seit 1997 kein Mercedes ML aus dem Werk in Tuscaloosa/Alabama. Mit üppigem Raumangebot, gewaltiger Zuladung und einem Kofferraum so groß, dass man bei umgeklappter Bank glaubt, ein Smart lasse sich darin parken, erfüllt der Mercedes ML die Grunderwartungen an einen SUV. Der 8,2 Zentimeter längere BMW X5 bringt Passagiere ebenso ungedrängt unter. Steilere A-Säulen und größere Fenster lichten zudem das Raumgefühl. Den Testwagen möblieren vorn sehr bequem gepolsterte Optionssitze für 2.260 Euro Aufpreis. Auch der dreiteilig umklappbaren Bank im Fond des BMW X5 mangelt es nicht an Komfort, eher an einer neigungsverstellbaren Lehne, die der Mercedes ML serienmäßig hat. Für den BMW X5 kostet sie 500 Euro, dann lässt sich auch die Bank um acht Zentimeter längs verschieben. Das schafft bei Bedarf etwas mehr Beinfreiheit auf den zwei Klappsitzen im Kofferraum, die es wieder gegen Aufpreis (1.980 Euro) gibt. Sieben Passagiere bringt von den Mercedes-SUV nur der GL unter, fünf dagegen reisen im ML entspannt, auf der kuscheligen Rückbank ebenso wie auf den stramm gepolsterten Vordersitzen. Allerdings hocken große Fahrer knapp unter der Decke.

i-Drive-Infotainment überzeugt An Überblick fehlt es so nicht, eher an Übersicht über die Bedienung. Alles im typischen Mercedes-Stil, doch im Vergleich zum brillanten i-Drive-Infotainment, das neben Sprache auch Schriftgekritzel auf dem Dreh-Drücker-Touchpad perfekt erkennt, wirkt das Comand-System im Mercedes ML umständlich, die Grafik pixelig. Andere Funktionen sortiert der BMW X5 ebenfalls cleverer und moderner: Alle Assistenzsysteme lassen sich über einen Schalter aufrufen und per i-Drive am großen Zehneinviertel-Zoll-Bildschirm konfigurieren. Im Mercedes ML muss man sich dazu mit den Tasten am Lenkrad durch den kleinen Bordcomputer zappen. Ihr hohes aktives Sicherheitsniveau bestätigen beide mit vehementen Bremsen, hervorragendem Licht (Mercedes ML gegen Aufpreis mit Xenon, BMW X5 serienmäßig mit Xenon, optional mit LED) und hoher Fahrsicherheit. Im Ausweichtest werden beide früh vom ESP eingebremst, der Mercedes ML noch etwas rigider. Daran ändert sich auf der Landstraße nichts, wobei der Mercedes mit der trägeren, aber rückmeldungsstarken Lenkung präzise in Kurven biegt, dabei früh untersteuert. Der BMW X5 ist agiler und neutraler, aber anders als bisher.

Handling? Regelt der BMW X5 nun neu Da müssen wir ausholen: Bisher säuselte dir der BMW X5 ein, du mögest das mit der Bezeichnung SUV nicht so ernst nehmen, unter der Geländetracht trüge er Sprintershorts. Handling war bei ihm eine Art Naturtalent, ja fast Rechtfertigung für das Auto als solches. Wenn es so über Land sauste, so neutral, ja, so selbstverständlich, so gefühlsecht in der Lenkung, durfte es auch zwei Tonnen wiegen und Allrad haben. Im neuen BMW X5 wirkt die Dynamik nicht mehr wie intuitiv einkonstruiert, sondern wie aufwendig einprogrammiert. In Kurven merkst du, wie das Allradsystem Kräfte verteilt, um den BMW X5 neutral zu halten. Und die nun elektromechanische Servolenkung mindert das Lenkgefühl. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der BMW X5 fährt sich hervorragend, sicher, agil, aber eben - tja - distanzierter. Das adaptive Fahrwerk macht es nicht besser. Im weichen Comfort-Modus sorgt es für guten Autobahnkomfort, droht aber mit Zuladung auf sehr schlechten Straßen durchzuschlagen und lässt starke Karosseriebewegungen zu. Im Sport-Modus (keine Normal-Stellung) bolzt der BMW X5 herb über Unebenheiten, wirkt oft eher nervös als agil. Mercedes trimmt den ML dagegen ganz auf Komfort. Mit optionaler Luftfederung steckt er leer wie beladen und selbst im recht überflüssigen Sport-Modus herbe Schläge geschmeidig weg, gleicht so sein kleines Agilitätsdefizit locker aus.

BMW X5 siegt knapp Dass er den Sieg knapp verpasst, liegt am Antrieb. Nein, seinem Dreiliter-V6-Diesel mangelt es sicher nicht an Wucht. Er schiebt - etwas nagelig - vehement voran, dreht aber nicht gern und ist mit der trägen Siebenstufenautomatik verkuppelt. Über die Schaltpaddel lässt sie sich nur zögerlich - oder auch mal gar nicht - zu Gangwechseln inspirieren. Dagegen reagiert die Achtstufenbox des BMW X5 sofort auf Schaltpaddelei. Die braucht es aber kaum einmal, so treffsicher und fix wandlert das Getriebe durch die Stufen. Im Eco-Pro-Modus schaltet es im Schiebetrieb auf Neutral, lässt den X5 so im Leerlauf rollen, um die Bewegungsenergie zu nutzen. Vor allem fördert der Automat ZF 8HP das stämmige Temperament des kultivierten, ebenfalls nach Euro 6 abgasreinen Dreiliter-Reihensechsers. Trotz etwas weniger Drehmoment legt er ansatzloser und vehementer los, beschleunigt eiliger, verbraucht etwas weniger. So gewinnt der BMW X5, doch dass der ML eine Revanche in einer anderen Motorenkombination gewinnt, ist: gar nicht abwegig.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-12-29

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